Wirtschaft

Hunderttausende Wohnungen werden in den kommenden Jahren benötigt, um Flüchtlinge in Deutschland dauerhaft unterzubringen. (Foto: dpa)

06.10.2015

Expo Real: Wegen Flüchtlingen nicht die Baustandards senken

Hohe Vorgaben beim Brand- oder Schallschutz dürften keinesfalls aufs Spiel gesetzt werden

Der große Bedarf an Wohnungen für Flüchtlinge lässt viele Bau- und Immobilienfirmen in Deutschland auf gute Geschäfte in den kommenden Jahren hoffen. Die Bundesarchitektenkammer geht davon aus, dass mehr als 400.000 Wohnungen benötigt werden, um die Flüchtlinge dauerhaft unterzubringen. Dabei dürften die hohen Baustandards in den Unterkünften aber nicht abgesenkt werden, warnte Bundesgeschäftsführer Tillman Prinz heute bei der Immobilienmesse Expo Real in München, wo das Thema für hitzige Diskussionen unter den Ausstellern sorgte. "Wir sind gegen das billige Bauen." 

Vor allem die hohen Vorgaben beim Brand- oder Schallschutz dürften keinesfalls aufs Spiel gesetzt werden, um so beim Bau aufs Tempo drücken zu können. In den vergangenen Wochen waren aus der Baubranche immer wieder Forderungen laut geworden, die hohen Standards abzusenken, um günstiger bauen zu können. "Aber das sind keine Leute zweiter Klasse", sagte Prinz. 

Bürgermeister warnt vor Geschäftemacherei mit Flüchtlingswohnungen


Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) warnte bei einer Diskussion zu Flüchtlingsunterkünften auf der Messe vor Geschäftemacherei mit der Not. Die große Nachfrage habe die Preise für Unterkünfte deutlich ansteigen lassen. "Für ein Schweinegeld gehen jetzt Ladenhüter über die Theke." Er appellierte an die Firmen, die Situation nicht auszunutzen, um eine maximale Rendite zu erwirtschaften. "Bitte, ein bisschen ist es eine Situation, wo man Gemeinsinn an den Tag legen muss."

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen befürchtet angesichts des Zeitdrucks, unter dem die Kommunen stehen, eilig errichte Zweckbauten in den Städten. "Und dann stehen die Häuser herum und man wird sie nicht mehr los", sagte Präsident Alexander Rudolphi.

Um die Baukosten im sozialen Wohnungsbau trotz hoher Baustandards zu senken, wäre nach Auffassung der Architektenkammer eine Lockerung bei den Vorgaben für Parkplätze sinnvoll. Durch jeden einzelnen Parkplatz, der für ein Wohngebäude bereitgestellt werden muss, verteuere sich das Bauen um mehr als 30.000 Euro.
(Daniela Wiegmann, dpa)

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