Wirtschaft

Ministerpräsident Horst Seehofer wartet, umringt von Journalisten, vor der neuen Repräsentanz des Freistaats Bayern in Prag auf den tschechischen Regierungschef Bohuslav Sobotka (Foto: Schweinfurth)

08.12.2014

Freistaat eröffent Repräsentanz in Prag

Wirtschaftliche, politische und kulturelle Beziehungen zwischen Bayern und Tschechien sollen weiter vertieft werden

Mit fast 15 Milliarden Euro Handelsvolumen in 2013 war Nachbar Tschechien der wichtigste Handelspartner Bayerns in Osteuropa. Damit sich die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen weiter vertiefen, hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) heute gemeinsam mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka die neue bayerische Repräsentanz in Prag eröffnet.

In der ersten Etage des historischen Altstadtpalais "Zur Goldenen Melone", in der vorher eine Tanzschule war, wie Bayerns Europaministerin Beate Merk (CSU) verriet, sollen auf Arbeitsebene gemeinsame Projekte zwischen der Tschechischen Republik und dem Freistaat Bayern vorangetrieben werden. Merk betonte aber, dass es nicht nur um die große Politik geht. Die zentrale Lage mitten in der Prager Altstadt sei bewusst gewählt, damit die Bevölkerung ein- und ausgehen kann: "Wir wollen ein offenes Haus sein, in dem die Menschen stets willkommen sind." Denn man hätte die Repräsentanz auch in einem Vorort eines Prager Bürogebäudes einrichten können.

Für Ministerpräsident Horst Seehofer geht mit der neuen Repräsentanz ein lange gehegter Wunsch nach Normalität und Freundschaft in den bayerisch-tschechischen Beziehungen in Erfüllung. "Als ich vor sieben Jahren als Ministerpräsident angetreten bin, war mir von Anfang an die Aussöhnung mit Prag am wichtigsten", so Seehofer. Darum sei es für ihn eine große Ehre gewesen, dass Regierungschef Sobotka "gemeinsam mit uns die Repräsentanz eröffnet".

Und weil 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schon ganz viele Freundschaften und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Nachbarn entstanden sind, merkte Sobotka an, dass vor allem die Verkehrsverbindungen verbessert werden müssen: "Es ist schade, dass man nicht einfacher mit dem Zug von Prag nach München fahren kann."

Seehofer nahm den Ball auf und verdeutlichte, dass in diesem Punkt die deutsche Seite in der Pflicht sei. "Das muss die Kanzlerin durchsetzen", sagte er am Rande der Veranstaltung zur Staatszeitung. Angesprochen auf eine Prognose zur Fertigstellung einer schnellen Bahnverbindung von München nach Prag, meinte Seehofer zur Staatszeitug: "Das muss noch in diesem Jahrzehnt passieren."

Aber nicht nur Bahnfahren hat Priorität in den bayerisch-tschechischen Beziehungen. Ministerpräsident Sobotka unterstrich, dass sein Land vor allem mit Bayern wirtschaftlich und wissenschaftlich enger kooperieren wolle, "damit mehr Innovation in die bayerische und tschechische Industrie" komme. Laut Sobotka ist Tschechien nach wie vor ein attraktives Gebiet für bayerische Investitionen. Gerade im wissenschaftlichen Bereich fehle seinem Land aber die internationale Verflechtung und die nötige Praxisnähe bei den Unternehmen. "Da wollen wir jetzt bei unseren Nachbarn anfangen", so Sobotka. Deshalb hat ihn Seehofer für die erste Jahreshälfte 2015 zu einem Arbeitstreffen nach
München eingeladen, um gerade dieses Thema voranzubringen.

Im kulturellen Bereich wollen die beiden Länder ebenfalls kooperieren. Derzeit laufen die Planungen für eine gemeinsame bayerisch-tschechische Landesausstellung 2016 auf Hochtouren. Denn in zwei Jahren soll in Nürnberg und Prag der 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. gefeiert werden.

Die neue Repräsentanz des Freistaats in Prag ist die insgesamt dritte so genannte Vollrepräsentanz Bayerns im Ausland, neben Brüssel (Belgien) und Montréal (Provinz Québec in Kanada). Darüber hinaus unterhält der Freistaat noch weitere 25 Büros in aller Welt. (Ralph Schweinfurth)

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