Wirtschaft

08.03.2013

Gegen Banken-Wahlkampf

Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken sind zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2012

Zufrieden blicken die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken auf das Geschäftsjahr 2012. Mit den staatlichen Eingriffen in die Bankenlandschaft ist Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), hingegen gar nicht einverstanden. Die Kreditinstitute werden laut Götzl bereits seit einem halben Jahrzehnt von einer Regulierungswelle überrollt. Er kritisiert insbesondere, dass der Gesetzgeber viel zu wenig nach Risiko des Geschäftsmodells und Größe des Instituts differenziert. Es sei eine „Regulation, die immer noch die falschen trifft“. Die Garantien, die der deutsche Staat für manche Großbanken übernehme, wirkten sich ebenfalls schädigend aus. Der Steuerzahler übernehme bei staatlich gewährleisteten Refinanzierungsvorteilen indirekt Kosten.
Große Zweifel hat Götzl auch daran, ob die Parteien gut daran tun, im Hinblick auf die Urnengänge im September einen „Banken-Wahlkampf“ zu führen. „Die Genossenschaftsbanken waren zwar unisono nicht die Verursacher der Krise und sollten deswegen auch nicht vom politischen Bannstrahl getroffen sein. Doch leider werden sie nicht verschont, sondern spüren sehr wohl die Auswirkungen.“ Aufgrund der Komplexität und der Wechselwirkungen innerhalb des europäischen und globalen Finanzmarkts müssen laut Götzl staatliche Eingriffe vor allem fachlich begründet und ihre Folgen verlässlich abzuschätzen sein. „Deswegen ist Symbolpolitik, die auf die Wählergunst schielt, fehl am Platz. Andernfalls wird für die Bürger die vermeintliche Bankenbändigung zum Bärendienst.“
Kritisch beäugt Götzl aber auch die expansive Geldpolitik der EZB, die sich zunehmend belastend auswirke. „Im Kreditgeschäft werden immer geringere Zinserträge erwirtschaftet.“ Dieser Entwicklung könne aufgrund des intensiven Wettbewerbs um Spargelder auf der Einlagenseite nicht hinreichend gegengesteuert werden. Trotz allem wollen die Kreditgenossenschaften die Optimierung von Geschäftsprozessen weiter vorantreiben.
Das sei jedoch, so Götzl, kein einfaches Unterfangen, da die organisatorischen Anforderungen an die Institute ständig steigen würden. Als Beispiel nannte er die wachsenden Lasten bei der Bargeldversorgung. Diese resultiere daraus, dass die Bundesbank ihre Aufwändungen für die Bargeldversorgung senkt. Neue Münzdepots, Geldautomaten und Zählmaschinen müssen eingerichtet und angeschafft werden – eine unmittelbare Belastung für die Kreditinstitute.

Zuverlässigkeit erneut unter Beweis gestellt


Die Bilanzsumme der Volks- und Raiffeisenbanken stieg 2012 um 3,5 Prozentpunkte auf 132,9 Milliarden Euro an. Auch bei den Ausleihungen war ein deutliches Plus zu verzeichnen: Sie waren mit 75,6 Milliarden Euro um vier Milliarden Euro höher als noch 2011. Für Götzl zeigt dies: „Die Genossenschaftsbanken haben ihre Zuverlässigkeit als Kreditgeber für Verbraucher und Mittelstand erneut unter Beweis gestellt.“ Banken werde oft eine gewisse Undurchschaubarkeit und Selbstzweckorientierung zugerechnet. Die Volks- und Raiffeisenbanken leisteten aber einen unverzichtbar wichtigen Dienst für Bayern. 53 Prozent der Bürger sind Kunden der Genossenschaftsbanken.
Auch bei Firmenkunden haben die Ausleihungen zugenommen – um 6,3 Prozent auf 35,5 Milliarden Euro. Ein Schwerpunkt lag im Immobiliengewerbe. Bei den Krediten für den Wohnungsbau an Firmen- und Privatkunden insgesamt war ein Plus von 6,5 Prozent auf 37,9 Milliarden Euro (2011: 35,6 Milliarden Euro) zu verzeichnen. Dabei wurde nach den Worten des GVB-Präsidenten nicht nur der Erwerb von Immobilien, sondern auch ihre energetische Sanierung finanziert. „Die Genossenschaftsbanken unterstützen gleichermaßen die umweltfreundliche Erzeugung von Energie wie die Energieeffizienz.“
Im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien warnte Götzl davor, die Vergütung für bereits existierende Anlagen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu kürzen. „Der Plan entspringt der Kostenhysterie, die in der Energiepolitik gerade um sich greift.“ Von Kürzungen wären etwa eine Millionen Haushalte in Bayern betroffen.
Die Kundengelder sind 2012 auf 103,4 Milliarden Euro gestiegen, 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr (99,9 Milliarden Euro). Der Zuwachs zeige, so Götzl: „Die Kunden vertrauen den bayerischen Genossenschaftsbanken und darauf kommt es an.“
Bei den bayerischen Genossenschaftsbanken hat die so genannte Prozessoptimierung ebenfalls Einzug gehalten. Sie ist laut Götzl auch einem Wandel in der Marktstruktur geschuldet: „Die Leute werden immer mobiler.“ Zwar wollten immer noch über 60 Prozent der Onlinekunden eine zusätzliche persönliche Beratung, man könne sich aber auch eine „technologische Rüstung“ für die Zukunft durchaus vorstellen. Kunden könnten dann über Tablet Computer und ähnliche Geräte direkt Kontakt zu ihrem Bankberater aufnehmen. Momentan gebe es zwar keinen Anlass, diese Entwicklung rasch voranzutreiben. Aber Götzl betont: „In den nächsten 20 Jahren werden wir garantiert keine knapp 3100 mit Menschen besetzten Geschäftsstellen mehr haben.“ Das dezentrale Geschäft solle aber trotzdem Schwerpunkt bleiben.
Die Erwartungen an das Jahr 2013 fallen wegen anhaltend sinkender Zinsspanne eher zurückhaltend aus. „Die meisten Banken“, so Götzl, „haben bereits Maßnahmen ergriffen, um sich darauf einzustellen.“
(Maria-Mercedes Hering/Friedrich H. Hettler)

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