Wirtschaft

27.08.2010

Kaufen ist out, nutzen ist in

Für sparsame Mittelständler gibt es eine Alternative zum Kauf von Firmensoftware: Viele Programme kann man gegen Gebühr übers Internet mieten

Millionen von PCs werden täglich in deutschen Unter-
nehmen eingeschaltet. Jeder einzelne Arbeitsplatzrechner belastet die Unternehmen mit Anschaffungs- und Lizenzkosten für Software, mit Wartungskosten für Hardware, mit Personal- und Schulungskosten.

In Krisenzeiten regieren die Kostenrechner. Einer Umfrage des Beratungsunternehmens Bearingpoint zufolge wurde 2009 in mehr als jedem zweiten Betrieb das IT-Budget gekürzt. Das ist nachvollziehbar, denn die „Total Cost of Ownership“ eines einzigen PC erreichen leicht fünfstellige Beträge. Multipliziert mit der Anzahl der installierten Rechner, zahlt die Wirtschaft jedes Jahr Milliardensummen allein für die Freiheit des Nutzers, unterschiedliche Anwendungen je nach Bedarf auf seinem PC aufzurufen. Mit dieser Unabhängigkeit macht das Geschäftsmodell Software-as-a-Service (SaaS), zwar Schluss – dafür verspricht es kostengünstige IT-Anwendungen, sozusagen aus der Steckdose.
Softwarehersteller sowie unabhängige Händler stellen die Produkte den Kunden über das Internet auf Mietbasis zur Verfügung. Wie in einer umfassenden, zentralen, virtuellen Software-Bibliothek gibt es benötigte Applikationen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.
Die Systemanforderungen sind gering. In der Regel orientieren sie sich an der Grundausstattung heutiger Computersysteme. Für die Softwarenutzung wird in aller Regel nur ein aktueller Browser vorausgesetzt. Der Nutzer ordert die gewünschte Anwendung bei seinem Dienstleister, lädt sie sich über das Netz auf seinen PC und bearbeitet damit seine Daten. Auf Wunsch sendet er das fertige Produkt an die Data-Center des Software-Vermieters zurück, um es dort speichern, pflegen und sichern zu lassen.
Dafür zahlen die Kunden eine monatliche Gebühr, die sich an der tatsächlichen Nutzung der Software orientiert. Sie müssen weder Lizenzen noch Updates erwerben und sich auch nicht um die Wartung kümmern.
Hiervon profitieren sowohl die Nutzer von eingeführter und bewährter Betriebssoftware als auch die Hersteller und Händler: Sie bahnen sich mit der Vermietung ihrer Produkte einen zweiten Vertriebsweg. Der steht zwar noch am Anfang, doch Branchenkenner gehen davon aus, dass die heranwachsende „Generation Facebook“ der Internet-basierten Software zum Durchbruch verhelfen wird. Laut Studien der beiden Marktforschungsunternehmen Gartner und IDC wächst der SaaS-Markt sowohl in Deutschland als auch weltweit mit zweistelligen Raten.
Die anfänglichen Kundenbedenken hinsichtlich Datensicherheit, Antwortzeiten und Verfügbarkeit seien mittlerweile in vielen Unternehmen vom Tisch, sagt Sharon Merz, Research Director bei Gartner. Dennoch können sich viele Firmenchefs eines unbehaglichen Gefühls nicht erwehren.
Den gesamten Datenbestand an einen externen Dienstleister auszulagern bedeutet das Risiko eines möglichen Datenverlusts. Nicht minder groß sind die Sicherheitsbedenken: Können wir uns tatsächlich darauf verlassen, dass unsere Betriebsdaten keinem Dritten zugänglich sind? Darauf kontern die SaaS-Anbieter stets mit demselben Eigennutz-Argument: Käme so etwas auch nur ein einziges Mal bei ihnen vor, wären sie ganz schnell weg von der Bildfläche. Bislang ist noch kein Schaden bekannt geworden.
Am stärksten nachgefragt wird SaaS bei Anwendungen für verteilte virtuelle Arbeitsgruppen, bei Web-2.0-Software sowie bei den gängigen Büropaketen. Bereits seit einigen Jahren vermietet Marktführer Microsoft seine Produkte an Software-Architekten und Entwickler. Künftig, so die Ankündigung aus Seattle, sollen auch Endkunden die gängigen Office-Programme im SaaS-Modus serviert bekommen.
Ibrahim Ahmad vom Marktforschungsunternehmen Dataquest: „Kleinere Unternehmen, die sich bisher auf teure Eigenlösungen oder Nischenanbieter verlassen mussten, haben jetzt die Möglichkeit, kostengünstig Software der Marktführer zu nutzen. SaaS ist darum auch gut für die Hersteller und Händler, denn dadurch erhalten sie den Zugang zu den kostenbewussten Kunden.“ Und wer ist das angesichts der konjunkturellen Lage nicht?
(Christine Demmer)

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