Wirtschaft

18.02.2011

Kommunen setzen aufs Bausparen

Wie Städte und Gemeinden ihr Bauvorhaben auch realisieren können

Nicht nur private Bauherren, sondern auch Gemeinden, Landkreise und kommunale Unternehmen können sich mit einem Bausparvertrag für ihre Investitionsvorhaben historisch niedrige Zinsen langfristig sichern. Deshalb verzeichnet die LBS Bayern derzeit die größte Nachfrage nach kommunalen Bausparverträgen seit ihrer Gründung. Wir sprachen darüber mit Hermann Litz, Leiter des LBS-Kommunalgeschäfts.

BSZ: Herr Litz, was bringt es Kommunen, einen Bausparvertrag abzuschließen?
Litz: Städte, Gemeinden, Landkreise und kommunale Unternehmen können einen Bausparvertrag nutzen, wenn sie zum Beispiel Rathäuser, Schulen, Kindergärten, Schwimmbäder, Feuerwehrgebäude und Kliniken modernisieren oder neu bauen wollen. Stehen entsprechende Projekte im Rahmen der mittelfristigen Investitionsplanung an, lassen sich dafür mit einem Bausparvertrag zuverlässig Rücklagen bilden. Diese werden in der Ansparphase verzinst. Gleichzeitig wird der Anspruch auf ein besonders günstiges Bauspardarlehen in der Zukunft erworben. So kann das aktuell historisch niedrige Zinsniveau langfristig gesichert werden.

BSZ: Aber niemand weiß, wie sich die Zinsen entwickeln werden.
Litz: Letztlich positioniert sich jeder automatisch im Markt. Denn auch wer keine Maßnahmen trifft, agiert am Kapitalmarkt: Er setzt auf anhaltend niedrige oder sogar fallende Zinsen. Wenn man aber – wie viele Experten – davon ausgeht, dass die Zinsen in der Zukunft steigen werden, ist es sinnvoll, das derzeit günstige Zinsniveau langfristig zu sichern. Immer mehr Kommunen entdecken dafür das Bausparen als passendes Instrument.

BSZ: Und wenn die Zinsen doch nicht steigen?
Litz: Das kommunale Bausparen gewährt große Planungssicherheit, bietet aber zusätzlich volle Flexibilität. Denn das Darlehen muss nicht in Anspruch genommen werden. Sollten die Zinsen doch nicht steigen, steht es dem Bausparer frei, sein Darlehen zu einem späteren Zeitpunkt oder gar nicht abzurufen. So können Städte, Gemeinden, Kreise und ihre Unternehmen nicht nur für konkrete Projekte finanziell vorsorgen, sondern sich auch für mögliche Maßnahmen in der Zukunft Spielraum schaffen. Denn beim Bausparen können niedrige Zinsen gesichert werden, auch wenn der Liquiditätsbedarf erst in einigen Jahren entsteht.

BSZ: Oft müssen große Projekte aber kurzfristig angegangen werden.
Litz: Sind kurzfristig Baumaßnahmen erforderlich, kann der kommunale Bausparvertrag mit einer Vorfinanzierung verbunden werden. In diesem Fall wird der Vorfinanzierungskredit tilgungsfrei gestellt und gleichzeitig ein Bausparvertrag bespart. Ist dieser zuteilungsreif, löst er die Vorfinanzierung ab. An ihrer Stelle kann dann das günstige Bauspardarlehen in Anspruch genommen werden. Auch Kombinationen mit Darlehen von Sparkassen oder Förderbanken wie der BayernLabo oder der LfA Förderbank Bayern sind möglich. Zudem kann das Bausparen dazu genutzt werden, bereits bestehende Kredite später abzulösen.

BSZ: Welche Rolle spielt das kommunale Bausparen bei der LBS Bayern?
Litz: Kommunen und kommunalnahe Unternehmen im Freistaat haben im Jahr 2010 bei der LBS Bayern Bausparverträge mit einer Summe von rund 190 Millionen Euro abgeschlossen. Das ist der höchste Wert, der je binnen eines Jahres in diesem Segment erzielt wurde. Das Interesse daran hat massiv zugenommen. Während die Bausparsumme der neu abgeschlossenen Verträge im kommunalen Geschäft 2001 noch bei rund 12 Millionen Euro lag, stieg sie bis 2005 auf fast 100 Millionen Euro und hat sich bis heute etwa versechzehnfacht. Seit 2001 sind so insgesamt über eine Milliarde Euro von Kommunen investiert worden.

BSZ: Und wie geht es weiter?
Litz: Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Urbanistik werden Städte und Gemeinden bundesweit 2011 etwa 31,1 Milliarden Euro in ihre Infrastruktur investieren. Gleichzeitig besteht der Studie im Auftrag der KfW Bankengruppe zufolge ein hochgerechneter Investitionsrückstand von 75 Milliarden Euro, der in der Zukunft anfallen wird. Wir sehen darin auch erhebliches Potenzial für das kommunale Bausparen und werben mit Sonderkonditionen um Städte, Gemeinden und Landkreise. So genießen sie den Vorteil einer halbierten Abschlussgebühr und eines Darlehensnachlasses von zwei Prozent. Es müssen also nur 98 Prozent des Darlehens zurückgezahlt werden. Als Bausparkasse der Sparkassen verfügen wir über eine natürlich gegebene Verbindung zu den Gemeinden und sehen es als eine wichtige Aufgabe an, nicht nur die Bevölkerung bei privaten Neubau- und Modernisierungsprojekten zu unterstützen, sondern auch den Kommunen als zuverlässiger Finanzierungspartner zur Seite zu stehen.
(Interview: Dominik Müller)

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