Wirtschaft

An den Intermodalstandorten der Bayernhafen Gruppe werden Container und Sattelauflieger für Lkw und ganze Lkw verladen. (Foto: Bayernhafen Gruppe)

28.03.2013

Logistik-Drehscheiben von Rang

Die Bayernhafen Gruppe verbindet via Bahn, Lkw und Binnenschiff West- mit Südosteuropa

Das Internet hat Bestellprozesse revolutioniert, doch der Transportweg findet weiterhin in der physischen Welt statt. Nach wie vor müssen Waren aber möglichst effizient vom Hersteller zum Kunden gebracht werden. Dafür braucht es Logistik und Transportkapazität – und Standorte, an denen Verkehrsträger Güter aufnehmen und anliefern.

Diese Standorte bietet die Bayernhafen Gruppe, die dem Freistaat gehört. Mit ihren sechs Binnenhäfen Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Regensburg und Passau verbindet die Bayernhafen GmbH & Co. KG Wasser, Schiene und Straße.
Doch nicht nur der Waren- und Güterverkehr aus und nach Bayern steht im Fokus der Bayernhafen Gruppe. Wegen ihrer zentralen Lage in Europa sind die Bayernhafen-Standorte wichtige Logistik-Drehscheiben zwischen West- und Südosteuropa. Nicht zuletzt der Rhein-Main-Donau-Wasserstraße kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu. Denn gerade das Binnenschiff hat noch viel Potenzial, zukünftige Transportvolumina aufzunehmen.
„Jeder der drei Verkehrsträger hat seine Stärken“, sagt Alexander Ochs, Prokurist und Intermodal-Verantwortlicher der Bayernhafen Gruppe, „das Binnenschiff ist ideal für Massengüter, wenn es nicht auf jede Sekunde ankommt. Die Bahn bringt Waren über längere Distanzen – zum einen im konventionellen Bahnverkehr, zum Beispiel Stahl aus dem slowakischen Kosice oder Zement aus Rüdersdorf bei Berlin nach Regensburg, zum anderen im Kombinierten Verkehr: Regelmäßige Bahndestinationen sind hier unter anderem die deutschen Hochseehäfen Bremerhaven und Hamburg, der größte Hafen Europas im niederländischen Rotterdam, Trento und Verona in Italien – von und zu den sechs Bayernhafen- Standorten. Von dort werden sie dann mit dem Lkw regional verteilt. Mit der richtigen Steuerung spielt jeder der drei Verkehrsträger seine Stärken aus.“
Gerade diese „Arbeitsteilung“ sorgt für Umweltentlastung. Denn das Binnenschiff emittiert je Tonnenkilometer ein Fünftel des CO2-Ausstoßes eines Lkw und immer noch 30 Prozent weniger als die Bahn. So emittiert zum Beispiel ein 40-Tonnen-Lkw auf den 672 km von Nürnberg nach Rotterdam rund 4408 kg CO2, also fast 4,5 Tonnen. Verteilt man die gleiche Ladungsmenge von 40 Tonnen auf einen Zug von Nürnberg nach Rotterdam, müsste dieser zwar 747 km fahren, emittiert aber nur 1437 kg CO2. Das Binnenschiff dagegen müsste 948 km fahren, um von Nürnberg nach Rotterdam zu kommen, emittiert auf dieser Strecke aber nur 1266 kg CO2.
Die Bayernhafen Gruppe hatte 2012 am Schiffsgüterumschlag in Bayern einen Marktanteil von rund 43 Prozent und beim Bahngüterumschlag 2011 in Bayern bei fast 15 Prozent. Das Umschlagvolumen der Bayernhafen Gruppe belief sich 2012 auf 29,6 Millionen Tonnen – 23 Prozent davon entfielen auf die Bahn, 12 Prozent auf das Schiff und 65 Prozent auf den Lkw. Marktaktiv verfolgt bayernhafen das Ziel, auch Produktionsunternehmen an seinen Standorten anzusiedeln und dadurch Güter auf die umweltfreundlichen Verkehrsträger Bahn und Schiff zu verlagern. Pollmeier Massivholz, Europas größter Laubholzsäger für die Möbelindustrie im Bayernhafen Aschaffenburg, ist hierfür ein Beispiel.
Veranschaulicht man die Umschlagleistung, so wurden an den Intermodalstandorten der Gruppe im vergangenen Jahr 421.214 TEU (=Twenty-foot Equivalent Unit / 20-Fuß-Standardcontainer) umgeschlagen. Würde man diese Container aneinanderreihen, entspräche das einer Gesamtstrecke von zirka 2500 km. Das entspricht der Entfernung Nürnberg-Lissabon. Durch den Containertransportweg Bahn wurden so rund 263.258 Lkw-Fahrten eingespart. Im Massen- und Schwergutbereich ergeben sich umgerechnet Einsparungen von etwa 345.800 Lkw-Fahrten. Daraus ergibt sich eine Gesamteinsparung von 609.058 Lkw-Fahrten. Also sorgt die Bayernhafen Gruppe auch für weniger Staus auf den sowieso schon überfüllten Autobahnen. Das ist ein volkswirtschaftlicher Segen.

Neue Arbeitsplätze


Eine weitere wichtige makroökonomische Rolle spielt die Bayernhafen Gruppe in Sachen Arbeitsplätze. So wirken die Aktivitäten der Gruppe weit über die jeweiligen Hafenstandorte hinaus. Die verladende Industrie zum Beispiel findet durch effiziente Binnenhafenstandorte hervorragende Ressourcen für ihre Logistik. Der bayerische Anlagenbau als weiteres Beispiel sichert seine Standorte durch Schwertransporte per Binnenschiff. All das sorgt für Standortsicherung, Unternehmenswachstum und damit Arbeitsplatzsicherung bzw. Schaffung neuer Arbeitsplätze. Rund 12 000 Beschäftigte finden sich in den 500 angesiedelten Unternehmen an den sechs Bayernhafen-Standorten. Die Bayernhafen Gruppe selbst beschäftigt 210 Mitarbeiter. Rechnet man weitere „hafeninduzierte“ Arbeitsplätze wie zum Beispiel das Industrieunternehmen im Umland, den Imbissbudenbetreiber oder den Lkw-Servicebetrieb hinzu, so kommen je nach Standort noch einmal Jobs mit dem Faktor von 1,5 bis 3 dazu.
Der Jobmotor Bayernhafen könnte aber noch runder laufen, wenn die verladenden Unternehmen dem Gütertransport per Bahn oder per Binnenschiff mehr vertrauen würden. Immer noch habe man mit Vorurteilen in Sachen Pünktlichkeit zu kämpfen, weiß Alexander Ochs. Doch dieser Legendenbildung arbeitet die Bayernhafen Gruppe aktiv entgegen. In Marktpotenzialerhebungen wird eruiert, welche Logistikbedürfnisse die Verlader der jeweiligen Region haben. Es wird aber auch abgefragt, welche Marktzutrittsbarrieren Industrieunternehmen für die Verwendung von Zug und Binnenschiff möglicherweise sehen. Die Ergebnisse der strukturierten Telefonbefragungen werden dann genutzt, um neue Potenziale für Schiff und Zug zu akquirieren. So nutzen zum Beispiel Unternehmen wie Weyermann Malz und Thomann Musikinstrumente den Bayernhafen Bamberg für Containerverkehre. Die BayWa ist gleich an den vier Bayernhafen-Standorten Aschaffenburg, Bamberg, Regensburg und Passau präsent. Und Südsalz, Wacker Chemie und K+S Kali GmbH nutzen das Potenzial von Schüttgutlogistikern wie SZG Zweckstätter im Bayernhafen Nürnberg.
„Wir holen Verspätungen wieder rein“, erklärt Bayernhafen-Prokurist Ochs. Das bedeutet, dass ein verspätet eintreffender Containerzug im Hafen dank moderner Informationstechnologie so schnell ent- und wieder beladen wird, dass der Zug dann wieder mit null Minuten Verspätung auf die Reise geht. Um dies zu ermöglichen, nutzt die Bayernhafen Gruppe Automatisierung, effektive Funk- und Barcode-Techniken sowie das Informationsportal LogOn. Letzteres sorgt dafür, dass der Papierkram nicht mehr oder nur noch in ganz geringem Umfang zuschlägt. Das spart Zeit. „Wir begreifen Logistik wie ein Industrieprodukt. Innerhalb eines bestimmten Zeitraums muss es fertig sein“, verdeutlicht Ochs. Darum ist er mit seinem Team ständig dabei, neue Optimierungspotenziale zu identifizieren und IT-gestützte Lösungen zu schneidern. Nur durch diesen Einsatz kann er für die Bayernhafen Gruppe die hohe Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit garantieren, die letztlich auch Unternehmen überzeugt, auf Bahn und Schiff zu setzen.
Der bayerische Anlagenbau zum Beispiel ist bereits von den Leistungen der Bayernhafen Gruppe überzeugt. So nutzen zum Beispiel das Siemens Transformatorenwerk in Nürnberg, die SGB Starkstrom-Gerätebau GmbH Regensburg, die Linde Group in Burghausen (nicht weit vom Bayernhafen Passau entfernt) oder Krones Getränkeabfüllanlagen aus Neutraubling bei Regensburg Bayernhafen-Standorte für ihre Schwertransporte per Binnenschiff.

Schüttgüter auf Binnenschiff


Aber nicht nur Schwertransporte oder Schüttgüter sind fürs Binnenschiff geeignet. Auch die so genannte Container-Repositionierung eignet sich hervorragend für dieses vermeintlich langsame, aber zuverlässige und sehr umweltfreundliche Verkehrsmittel. So hat eine exportintensive Region wie Regensburg zum Beispiel einen hohen Bedarf an Leercontainern. In Südosteuropa sind diese verfügbar. Also bringt ein Binnenschiff von Regensburg Massen- und Schwergüter über die Donau nach Bulgarien, Rumänien oder Ungarn und nimmt auf der Rückfahrt leere Container für die verladende Oberpfälzer Industrie mit zurück nach Regensburg. Das funktioniert laut Ochs hervorragend, denn leere Container sind auf diese Weise kostengünstig und zeitunkritisch zu transportieren.
Um all diese Vorteile den verladenden Unternehmen darzustellen, sich auch kritischen Fragen der Unternehmer zu stellen, organisiert die Bayernhafen Gruppe regelmäßig Dialogveranstaltungen. Dort haben die Verlader die Möglichkeit, sich offen und umfassend zu informieren. Die Bayernhafen Gruppe nutzt diese Dialoge, um konsequent auf das große Potenzial hinzuweisen, das die nachhaltige Verlagerung von Gütervolumina auf die umweltfreundlichen Verkehrsträger Binnenschiff und Bahn hat. „Unsere Studien zeigen: Viele Verlader wollen wissen, was die verschiedenen Verkehrsträger auszeichnet und wie die Vernetzung der Verkehrsträger funktioniert“, sagt Alexander Ochs, „das haben wir auch beim Projekt „Hafen Hamburg 62 +“ erkannt, das wir 2012 zusammen mit Hafen Hamburg Marketing und LKZ Prien initiiert haben, um noch mehr Container-Transporte zwischen Hamburg und Bayern auf die Schiene zu verlagern. Wir werden uns daher weiter personell verstärken, um als eine Art Green logistics Coach zu agieren und den Verladern nachhaltig den vielfältigen Nutzen der Verkehrsträger Bahn und Binnenschiff darzustellen.“ Im Übrigen ist noch Potenzial für zusätzliche Umschlagsmengen: An allen sechs Bayernhafen-Standorten sind Erweiterungskapazitäten vorhanden.
(Ralph Schweinfurth)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 46 (2017)

Soll in Bayern ein verkaufsoffener Adventssonntag möglich sein?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 17. November 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern e. V.

(JA)

Hannes Kreller, Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB im Bündnis  "Allianz für den freien Sonntag"

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.