Wirtschaft

22.05.2015

Mehr Geld für die Wohnraumförderung nötig

Die Zahl der bayerischen Sozialwohnungen sinkt weiter

Die Mitglieder des Verbandes bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) haben 2014 erstmals 1,3 Milliarden Euro investiert. Sie steigerten ihre Bautätigkeit um 40 Prozent und errichteten fast 2000 Mietwohnungen, darunter 1520 Sozialwohnungen. Mit ihren bezahlbaren Mieten seien sie unersetzliche Anbieter auf den angespannten Mietwohnungsmärkten im Freistaat, erklärte Verbandsdirektor Xaver Kroner in München.
Die Investitionen in den Wohnungsneubau wuchsen um 32 Prozent auf 556 Millionen Euro. In die Modernisierung des Wohnungsbestands flossen 363 Millionen Euro. Die Ausgaben für Instandhaltungen betrugen 381 Millionen Euro. Hauptursache für den Anstieg beim Neubau sind laut Kroner die historisch niedrigen Zinsen. „Auf die bayerische Wohnungswirtschaft ist Verlass. Bei leicht verbesserten Förderbedingungen wurden die Fördermittel des Freistaats komplett für den Neubau eingesetzt.“ Doch auch die seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent gestiegenen Baukosten für Mehrfamilienhäuser spiegeln sich in den Rekordinvestitionen wider. „Wir können uns keine weiteren Kostensteigerungen leisten“, betonte der Verbandsdirektor. Kaltmieten unter zehn Euro pro Quadratmeter im Neubau seien bereits heute nicht mehr machbar.
Die Durchschnittsmiete bei den 456 Mitgliedsunternehmen lag 2014 bei 5,56 Euro pro Quadratmeter (+3,3 Prozent). Selbst bei den 135.000 Wohnungen der Münchner Verbandsmitglieder beträgt die Durchschnittsmiete nur 6,50 Euro kalt.
2014 verloren 4320 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Mit dieser Entwicklung setzt sich ein seit Jahren anhaltender Trend fort. Der VdW Bayern erwartet für die nächsten fünf Jahre das Auslaufen von Sozialbindungen bei weiteren 25.000 Wohnungen. „Innerhalb von nur 15 Jahren hat sich der Sozialwohnungsbestand in Bayern nahezu halbiert“, rechnete Kroner vor. Von 250.000 im Jahr 1999 auf nur noch 130.000 im Jahr 2014. Dabei sei die Nachfrage heute größer als vor 15 Jahren.
Der vermehrte Zuzug von Flüchtlingen ist ein bedeutendes Thema für die bayerische Wohnungswirtschaft. Denn der große Zustrom von zumeist mittellosen Menschen trifft auf die ohnehin angespannten Wohnungsmärkte der bayerischen Ballungszentren. Für eine dauerhafte Unterbringung sind mehr günstige Wohnungen erforderlich und das zeitnah. Der VdW Bayern fordert daher die Staatsregierung auf, die Wohnungen im Rahmen der bestehenden Wohnraumförderung zu errichten. Allerdings hält Kroner Sonderwohnungsbauprogramme für Asylbewerber und Flüchtlinge für den falschen Weg.
Der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen ist derzeit groß. Doch die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus ist nicht mehr lange gesichert. Bisher speisen sich die Mittel der bayerischen Wohnraumförderung aus den Zins- und Tilgungsrückflüssen vergangener Darlehen. Mit zunehmendem Auslaufen von Sozialbindungen schmelzen aber die Wohnungsbaurückflüsse dahin. Aus diesen Rückflüssen wurden 2014 rund 260 Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt.
Wenn von der Staatsregierung allein zur Bewältigung des Zustroms an Flüchtlingen und Asylbewerbern pro Jahr 3000 bis 5000 Sozialwohnungen als nötig erachtet werden, bedeutet das laut Kroner im bisherigen System 450 bis 750 Millionen Euro Wohnraumförderung – bei dringend notwendiger Zuschussförderung noch wesentlich mehr. „Soll die Wohnraumförderung in wenigen Jahren ihre Wirkung nicht völlig verlieren, müssen wir viel mehr Geld in das System geben.“
(Friedrich H. Hettler)

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