Wirtschaft

Ein Höhepunkt der Bauarbeiten war die Errichtung der Energiebrücke über den Roten Main. (Foto: Initiativkreis Stadtwerke Nordbayern)

29.05.2015

Mit Fernwärme die Energiewende vorantreiben

Stadtwerke Bayreuth setzen auf Netzausbau und neues Heizwerk

Im vergangenen Jahr haben die Stadtwerke Bayreuth fünf Millionen Euro investiert, um einen weiteren Baustein auf dem Weg zur Energiewende zu verwirklichen. Neben der Erweiterung des Fernwärmenetzes wurde auch eine neue Heizzentrale errichtet. Die Verkehrswege in der Kommune waren dadurch allerdings zeitweise erschwert. „Doch das sind wichtige Investitionen in eine gesunde wirtschaftliche Zukunft der Stadtwerke und in die Versorgungssicherheit der Bürger sowie in erneuerbare Energien“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Bayer.

Das Jahr 2014 stand in Bayreuth ganz im Zeichen umfangreicher Fernwärmeprojekte. Gleich im Frühling erfolgte der Spatenstich für das neue Heizwerk am alten Stadtbad. Das Herz dieser Anlage ist das neue Blockheizkraftwerk (BHKW) in der Bayreuther Kolpingstraße, das eine Leistung von 1,2 Megawatt erbringt. „Die erzeugte Strommenge ist vergleichbar mit der einer großen Windkraftanlage, da das BHKW trotz kleinerer Nennleistung eine höhere Laufzeit erreicht“, sagt Andreas Waibel, Leiter der Abteilung Contracting und Fernwärme. Das Beste daran: Das BHKW nutzt die Energie nicht nur sehr effizient, es produziert auch sehr wenig klimaschädliches CO2. Möglich macht das der Treibstoff. Denn die Stadtwerke Bayreuth setzen hier ausschließlich auf Biomethan. Seit Januar werden rund 1700 Vier-Personen-Haushalte mit dem regenerativ produzierten Strom versorgt. Die gleichzeitig erzeugte Wärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist und reicht für etwa 200 Haushalte. „Dadurch, dass die Energie vor Ort verbraucht wird, fallen zudem kaum Leitungsverluste durch den Transport an“, sagt Waibel. Neben dem Neubau wurde in einem Teil des Fernwärmenetzes von Dampf auf Heizwasser umgestellt. Das Heizwerk produziert nun auch Heizwasser mit 90 Grad Temperatur und kann so künftig auch kleinere Einheiten mit Wärme versorgen.

Kraft- und Geduldsakt


Baustelle Nummer zwei wurde von den Stadtwerken Bayreuth in den Frühlings- und Sommermonaten angegangen: die Verlängerung der Fernwärmeleitung, die an das bereits bestehende Heizwerk in der Röntgenstraße angeschlossen ist. Das dortige Kraftwerk erzeugt aktuell 2,6 Megawatt Heizleistung und 400 Kilowatt elektrische Leistung. Zusätzlich wurde ein Pufferspeicher gebaut. Über einen Anschluss verfügen mehrere größere Wohnanlagen und öffentliche Institutionen. Weitere Gebäude, wie etwa Verwaltungs- und Amtsgericht, das Polizeigebäude oder die Kantine des Ämtergebäudes wurden nun im Sommer 2014 ebenfalls angeschlossen.
Die Stadtwerke Bayreuth statteten im Rahmen dieser Maßnahmen ganze Straßenzüge mit Leitungen aus – insgesamt wurden in diesem Bauabschnitt rund 1700 Meter verlegt. Im Laufe des Jahres wird ein weiteres Blockheizkraftwerk in die Heizzentrale Röntgenstraße eingebaut.
Auch für Verkehrsamt und Autofahrer bedeutete dies einen Kraft- und Geduldsakt: Mehrere große Sperrungen mussten während der umfangreichen Bauarbeiten eingerichtet werden. „Wir danken nochmals für die Geduld und das Verständnis seitens der Anwohner und der Autofahrer“, betont Jürgen Bayer. Besonders die Vollsperrung auf dem Hohenzollernring, einer Hauptverkehrsader in Bayreuth, war eine Herausforderung: Hier wurden auf rund 600 Metern jeweils zwölf Meter lange Rohe mit 45 Zentimeter Durchmesser verlegt und eine Energiebrücke über den Roten Main eingebaut. Letztere wurde notwendig, weil das Teilstück über den Fluss für die bereits vorhandene Fußgängerbrücke zu schwer war – kein Wunder, ist es doch 23 Meter lang und wiegt rund 18 Tonnen. Am 21. August kam die Stahlkonstruktion, die das Fernwärmenetz mit dem BHKW verbindet, in Bayreuth an. Ein 220-Tonnen-Autokran manövrierte sie millimetergenau an ihren Bestimmungsort. „Das war der erste Schritt für die geplante Erweiterung des Netzes in Richtung Innenstadt“, resümiert Waibel.
Im November schließlich wurde das BHKW für die Kolpingstraße angeliefert. Nach der Errichtung an seinem künftigen Platz hinter dem Stadtbad verbanden die Stadtwerke den großen Motor mit allen Leitungen. Anschließend überprüfte der TÜV die Anlage sowie das Sicherheitssystem in der Heizzentrale. Was dann folgte, war eine mehrwöchige Testphase: Anfang Oktober erfolgte die erste Inbetriebnahme einzelner Teile wie Dampfwärmetauscher und Pumpen, die das Fernwärmenetz auch über den benachbarten Dampfkessel fahren können. „Die Zusatzenergie aus dem Dampfkessel brauchen wir, denn sobald das BHKW beispielsweise wegen einer Wartung nicht läuft, ist eine zweite Energiequelle nötig, die das Fernwärmenetz heizt“, erklärt Waibel. Ab Dezember lief die Anlage samt BHKW dann im Probebetrieb. Feinjustierungen wurden vorgenommen, verschiedene Betriebszustände getestet. Am 15. Januar konnten die Stadtwerke Bayreuth mit dem BHKW schließlich in den automatischen Betrieb übergehen – und damit einen weiteren Schritt in Richtung umweltschonender Energieversorgung in Bayreuth machen. (Angela Esterer)

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