Wirtschaft

30.04.2010

Optimismus tanken in Deggendorf

Netzwerktag der Wirtschaft Niederbayerns: Bayerischen Wald als überregionalen Markenbegriff entwickeln

Optimismus tanken konnten rund 600 Unternehmer Niederbayerns beim „Netzwerktag“ des Regionalmarketings am letzten Freitag in Deggendorf. Optimismus versprühten nämlich alle Redner, nur die Dosierung war unterschiedlich. Eine „leichte Konjunkturerholung“, nach Branchen variierend und mit Rückschlag-Risiko deutete IHK-Präsident Josef Dachs so vorsichtig an wie den „Weg der Genesung“ für die Weltwirtschaft.
Der ehemalige Chef-Volkswirt des bayerischen Automobilherstellers BMW und heutige Direktor des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK), Helmut Becker, wagte als Impulsreferent mit Schwerpunkt auf der Automobilbranche mehr Zuversicht: „Der Aufschwung läuft, die Konjunkturerholung ist in vollem Gange, aber ein beginnender Boom wird oft zu spät erkannt.“
Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) stand somit nicht allein mit der Prognose: „Es geht wieder aufwärts. Es gibt gute Anzeichen für einen Trend nach oben.“ Immerhin waren so viele Unternehmer, Aussteller und Berater von Kammern, Banken, Verbänden und Versicherungen dem Ruf des Regionalmarketings gefolgt, um sich einen Tag lang in der Stadthalle von Deggendorf bei der Auftaktveranstaltung des „Mittelstandspakts Bayern“ über hilfreiche Angebote der Staatsregierung und Förderinstrumentarien aller politischen Ebenen zu informieren.
Der Pakt verfolgt das ehrgeizige Ziel, durch Zusammenwirken von Politik und Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft die Rahmenverbindungen so zu optimieren, dass auch kleine und mittlere Unternehmen durch Austausch und Vernetzung ihre Chancen auf dem Markt ergreifen und im internationalen Wettbewerb noch besser bestehen können. Dazu werden ihnen weniger Bürokratie, einfachere und transparentere Steuern, mehr Beratung, günstigere Finanzierung und verbesserte Infrastruktur auch in Bildung und Forschung zumindest versprochen.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen – wie BMW in Landshut und Deggendorf sowie der Zahnradfabrik Passau – ist Niederbayern eine klassische mittelständische und dezentrale Wirtschaftsregion. Die hat zudem ihre Stärke in einem guten Branchenmix nicht nur aus Auto-Zulieferern, sondern insgesamt aus produzierendem Gewerbe, Handwerk und Dienstleistern. Deshalb nutzte Wirtschaftsminister Martin Zeil die Gelegenheit und dankte als erstes Niederbayerns mittelständischen Unternehmern: „Sie haben in der Krise die Wirtschaft abgestützt, aus persönlicher Verantwortung viele Arbeitsplätze gesichert und auch ihren Standorten in der Region die Treue gehalten.“
Das Ziel des „Mittelstandspakts“, die globale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit die Zukunftsfähigkeit der Region zu erhalten und zu stärken, wurde wiederholt als „Schritt in die richtige Richtung“ anerkennt. Diesen Zielen soll nun auch die Bildung und Förderung von Netzwerken dienen. „Nicht Einzelkämpfer, sondern nur Netzwerke werden in der Globalisierung bestehen“, stieß Helmut Becker in dieses Horn und fügte hinzu: „Strukturwandel hat es immer gegeben, und wer sich rechtzeitig anpasst, wird zu den Gewinnern gehören.“ Allein aus neuen Denkanstößen durch die Folgen eines Vulkanausbruchs könnten Autohersteller und andere Industriebetriebe lernen, dass Zulieferer aus der Region nicht billiger sind, aber sicherer.“ „Networking ist derzeit überall in Mode“, hatte der gastgebende Landrat Christian Bernreiter (CSU) gleich in seinem Grußwort ironisch bemerkt, aber zugleich selbstbewusst auf die guten Erfahrungen mit dem Bündeln von Kräften in starken Netzwerken in seinem Landkreis hingewiesen. Mit dem Donauhafen, guten Verkehrsanbindungen und einer Fachhochschule könnte Deggendorf auch noch mit seinem fließenden Übergang in eine attraktive Tourismusregion punkten, wenn es endlich gelänge, wie Landrat Bernreiter hofft, aus dem Bayerischen Wald einen überregionalen Markenbegriff zu entwickeln.
Auch Zeil unterstrich in Ergänzung zu dem am Netzwerktag dominierenden produzierenden Gewerbe ausdrücklich den „Tourismus als eine der Leitbranchen in Bayern wie im Bayerischen Wald.“ Der Wirtschaftsminister räumte aber ein, dass dafür das bisher unterfinanzierte Schienennetz und die unterfinanzierten Kommunen Niederbayerns mehr Unterstützung des Freistaates brauchen, damit auch die in den siebziger Jahren ausgebaute touristische Infrastruktur mit der Wirtschaft wieder Schritt halten kann.“

(Hannes Burger)

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