Wirtschaft

Das Schwimmbad stellt seine Dachflächen zur Verfügung und profitiert vom Ökostrom. (Foto: Hüttmann)

07.02.2014

Photovoltaik ohne EEG

Ein Solarkonzept mit großem Marktpotenzial

Die mittlerweile stark gesunkene Einspeisevergütung für Photovoltaik-Strom spielt bei Neuinvestitionen eine immer geringere Rolle. Statt ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen wird Solarstrom künftig vermehrt selbst verbraucht. Da dieser inzwischen sehr günstig erzeugt werden kann lohnen sich Photovoltaikanlagen abseits des EEG zunehmend. Die aktuelle Diskussion im Zuge der Koalitionsverhandlungen hat diese Entwicklung weniger im Blick. Auf kommunaler Ebene ist man da bisweilen schon weiter, erste konkrete Projekte wurden bereits verwirklicht.

Strompreise bremsen


Die schon länger geforderte Strompreisbremse zielt darauf ab, die EEG-Umlage zu deckeln um damit den Strompreis nicht allzu sehr anstiegen zu lassen. Die konkrete Umsetzung kommt jedoch nicht voran und ist zudem politisch nach wie vor umstritten. Darauf, dass man sich in Berlin zügig auf eine neue Regelung einigt, wollte man beim Eigenbetrieb Nürnberg-Bad nicht warten. Der stetig steigende Strompreis hat die kommunale Einrichtung dazu veranlasst, auf dem Dach des eigenen Südstadtbads eine Solarstromanlage von einer Energiegenossenschaft errichten zu lassen. Von privaten Kleinanlegern finanziert, helfen die Solarmodule mit einer Leistung von 76 kW auf dem Schwimmbaddach mit die nächsten 20 Jahre einen Teil des Strompreises des Ganzjahresbads „einzufrieren“.
Der Unterschied zum herkömmlichen Herangehen: Das Dach wurde nicht an eine Investor vermietet, die Anlage wurde vielmehr, zum Zweck der 100-prozentigen solaren Eigenstromnutzung, gemietet. Die „VR Bürgerenergie Fürth“ installierte die Solaranlage, sie erhält einen Mietpreis für die Anlage liefert im Gegenzug einen garantierten Mindestertrag. Da die tatsächlichen Erträge aufgrund von Schwankungen des Wetters und anderer Faktoren durchaus abweichen können, wird ein durchschnittlicher Ertrag garantiert. Der prognostizierte jährliche Ertrag von gut 70 000 kWh wird dabei vom Schwimmbad komplett selbst verbraucht. Das bewahrt den städtischen Badbetreiber vor Strompreissteigerungen, ohne dafür Geld investieren zu müssen.
Nur wenn der erzeugte Solar-strom direkt vor Ort verbraucht wird lässt sich der Anteil des herkömmlichen Strombezugs aus dem öffentlichen Netz deutlich reduzieren. Bei den Preissteigerungen für konventionellen Strom, die sich auch weiterhin abzeichnen, ist dies ein echter Gewinn. Von Anfang an vorteilhaft sind solche Modelle – mit oder ohne Kapitaleinsatz – dann, wenn der Bezugspreis von Netzstrom bereits jetzt über dem Preis des Solarstroms liegt. Aber auch die zu kalkulierenden Preissteigerungen sollten bedacht werden. Beim Großteil aller gewerblichen genutzten Gebäude sind diese Voraussetzungen bereits heute der Fall. Zudem sind in aller Regel ideale Voraussetzungen für Photovoltaik-Anlagen gegeben: Große Dachflächen sowie – anders als etwa in Privathaushalten – das Zusammentreffen von hohem Stromverbrauch und hoher Stromproduktion am Tage.
Zwar wurden bei Gewerbeimmobilien und kommunalen Betrieben oftmals vorteilhafte Konditionen mit Stromversorgern ausgehandelt. Diese gelten jedoch nur für einen beschränkten Zeitraum und müssen, genauer be-trachtet, vielleicht gar nicht so günstig sein.
Die Genossenschaft setzte mit dieser Anlage erstmals ein Modell um, das von dem Landesverband Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) unter dem Titel „PVMieten“ entwickelt wurde.

EEG-Umlage zahlen andere


Die Idee des Modells ist es, die Finanzierung einer Solarstromanlage Dritten – in diesem Fall der Genossenschaft- zu ermöglichen, damit der eigentliche Nutzer – hier das Schwimmbad – den Solarstrom ohne Zahlung der EEG-Umlage beziehen kann. Die reduzierte EEG-Umlage wird immer dann fällig, wenn Strom von einem fremden Betreiber bezogen wird, auch wenn sich die Solarstromanlage auf dem eigenen Dach befindet.
Sicherheit Betreiberkonzepte, wie das der DGS sind juristisch begründet, verlangen aber einer weitergehenden Bewährung in der Praxis. Ihre Anreize sind dabei vielseitig: Die Konzepte zu „PV mieten“ ermöglichen es Immobilieneigentümern, durch Solarstromangebote Einnahmen zu erzeugen und durch Strompreisgarantien zusätzlich die Vermietungschancen der Immobilie zu erhöhen. Sie ermöglichen es den privaten und gewerblichen Mietern die Stromkosten anteilig dem Solarstrombezug zu vermindern beziehungsweise der Kostenfalle allgemein steigender Strompreise zu entkommen. Wegen einerseits sinkenden EEG-Vergütungen und PV-Systemkosten und andererseits ständig steigenden Bezugsstrompreisen für Mieter bieten die Konzepte ein sehr großes Marktpotential für neue Solarprojekte. (Matthias Hüttmann)

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