Wirtschaft

Wer auf Kurzumtriebsplantagen Energieholz erntet und dieses selbst in einer Holz- oder Hackschnitzelheizung verbraucht, spart sich viel Geld. (Foto: Wraneschitz)

17.02.2012

Plädoyer für die Selbstversorgung

EU-Kommission gegen Kurzumtriebsplantagen für die Energieholzproduktion auf ökologischen Ausgleichsflächen

Schluss mit Energiewaldverhindernden Vorgaben der EU, klare Energieziele der beiden Bundesrepubliken Deutschland und Österreich. Das sind die Forderungen des größten jährlichen Energiestammtischs Österreichs im Innviertel.

Eigentlich sind zurzeit die Potenziale für Kurzumtriebsplantagen (KUP) beiderseits der deutsch-österreichischen Grenze ähnlich gut. Doch Josef Pellmeyer, ehrenamtlicher Präsident des deutschen Fachverbands Biogas und als Landwirt auch Betreiber von KUP, macht auf ein Problem aufmerksam, das kaum bekannt ist: Die EU-Kommission will 7 Prozent der landwirtschaftlichen Produktionsflächen dem ökologischen Ausgleich widmen, also quasi stilllegen. „Das würde uns später mal leidtun. Dagegen müssen Deutschland und Österreich zusammenarbeiten“, fordert Pellmeyer mit Zustimmung der Teilnehmer am Energiestammtisch.
Der Bauernverbandspräsident der Oberpfalz, Franz Kustner, sieht das genauso: „Es darf keine Ausgleichsflächen ohne sinnvolle Nutzung geben.“ Denn selbst auf seinen einst 8 Prozent geförderten Stilllegungsflächen durfte er Miscanthus (Riesen-Chinaschilf) anbauen. Das Beste wäre, wenn wir die sieben Prozent der EU verhindern könnten. Wenn nicht, dann wollen wir wenigstens zeigen, dass wir beides verbinden können: Nachwachsende Energie und ökologischen Ausgleich.“
ÖVP-Nationalrat Peter Mayer stimmt zu: „Es wäre viel gescheiter, die Flächen für erneuerbare Energien zu verwenden, als eine siebenprozentige Pflichtbrache einzuführen. Das müssen wir mit Nachdruck diskutieren. Die gemeinsame Agrarpolitik der EU muss dringend reformiert werden.“ Die restliche Politikerriege am Podium ist der gleichen Meinung.
Denn eigentlich, so meint Bauernfunktionär Kustner, sollten seine Berufskollegen „selbst KUP anpflanzen, statt die Energiefelder den Konzernen zu überlassen“. Gerade Böden, die weder für Getreide, noch für Maisanbau geeignet sind, böten sich an. Damit hat er Erfahrung. Er ist seit 32 Jahren mit erneuerbaren Energien beschäftigt, anfangs Hackschnitzel, seit 15 Jahren schnellwachsende Hölzer.
Biogas-Präsident Pellmeyer unterstützt den Vorschlag, nicht für Nahrungsmittelproduktion genutzte Ackerflächen mit Energiewäldern zu bepflanzen. Das sei gerade im Zusammenhang mit der immer stärker werdenden Diskussion „Teller oder Tank“ sehr sinnvoll. Sein Negativ-Beispiel: „Nahe dem Flughafen München werden 800 Hektar als Ausgleichsfläche aus der Produktion genommen. „Das geht komplett in die falsche Richtung. Zumindest Energiepflanzen sollten auf solchen Flächen angebaut werden dürfen.“
Was fehle, seien konkrete politische Vorgaben auf Bundes- und Länderebene. Ernsthafte Ziele seien weder in Deutschland noch in Österreich vorhanden. Eine Meinung, die auch Bayerns Städte-tagspräsident Ulrich Maly (SPD) aus Nürnberg teilt.
Gerade für die Selbstversorger bietet sich Energieholz an. „2,5-fache Wirtschaftlichkeit durch Selbstverheizen gegenüber dem Verkauf“ hat Sebastian Hauk vom Wissenschaftszentrum Straubing (Fachgebiet für Ökonomie Nachwachsender Rohstoffe) errechnet. Deshalb seien 80 Prozent aller KUP-Betreiber auch Hackschnitzelheizungsbesitzer, so der Agrar- und Waldwissenschaftler.
Je mehr die KUP-Hackschnitzel im eigenen Betrieb landen, umso wirtschaftlicher sei der Anbau von Pappeln, Weiden oder sonstigen schnellwachsenden Gehölzen, bestätigt Josef Zeilinger, Energie- und Gastwirt, Besitzer des Loryhofs im Österreicher Innviertel, Organisator des Stammtischs und einer der anerkannten Pioniere auf dem Gebiet KUP.
„Ich spar mir im Jahr rund 15.000 Euro Heizkosten.“ Energiewirt Sebastian Winbeck aus dem Weiler Holzham im niederbayerischen Bayerbach heizt seit 2001 seinen ganzen Betrieb mit Landgasthof mit Hackschnitzeln von Pappeln. „Wenn ich das heute auf die Landwirtschaft umrechne, kann man keinen höheren Deckungsbeitrag erzielen – etwa 1500 Euro pro Hektar.“ 
(Heinz Wraneschitz)

INFO Kurzumtriebsplantage
Kurzumtriebsplantagen (KUP): Das sind schnellwachsende Bäume wie Pappeln oder Weiden, auf Feldern angepflanzt und alle vier bis sieben Jahre geerntet. Hackschnitzel aus KUP lassen sich in Heizanlagen wie Holzkraftwerken gut nutzen. Eine gute CO2-Bilanz haben die extensiv angebauten Hölzer außerdem.

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