Wirtschaft

Zwei Mustergeldscheine des Gelddruck- und Chipkartenkonzerns Giesecke & Devrient auf einem Haufen kleingehäckselter Scheine. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

11.08.2014

Preiskampf ums Geld

Die Lizenz zum Geld drucken wäre für viele Unternehmen ein Traum. Giesecke & Devrient hat sie, doch das Geschäft mit Bargeld lässt längst nicht mehr die Gewinne sprudeln

Giesecke & Devrient darf, wovon andere Unternehmen nur träumen können - Geld drucken. Doch der Banknotendruck ist ein hartes Geschäft, auch wenn die Branche im Vergleich zu anderen Industrien ziemlich überschaubar ist. Die Probleme, mit denen G&D zu kämpfen hat, kennt auch der größte private Rivale, der britische Geldspezialist De La Rue. Und obwohl das Geschäft mit Papiergeld ziemlich einzigartig ist, sind die Herausforderungen auf den ersten Blick vergleichsweise alltäglich. Die Kunden, also Staaten, werden stetig anspruchsvoller, sind aber knauserig. 
Auch bei Banknoten sei der Preis inzwischen ein wichtiges Kriterium, heißt es bei G&D. Zudem gebe es Überkapazitäten und gerade beim Druck viele Wettbewerber, die staatlich unterstützt werden. Zugleich wachsen die Anforderungen an die Fälschungssicherheit, das Design oder die Haltbarkeit. Neben dem Preis entscheiden Innovationen über die Vergabe von Aufträgen. "G&D hat eine lange Tradition und Expertise, was innovative Sicherheitsmerkmale angeht", sagt der für Banknoten zuständige Geschäftsführer Ralf Wintergerst. Deswegen biete gerade der Wettbewerb um Neuentwicklungen Chancen für das Unternehmen.

Der Gewinn war 2013 um 93 Prozent eingebrochen

Doch der Preiskampf beim Geld hinterlässt Spuren. "Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns", sagte G&D-Chef Walter Schlebusch vor einigen Wochen bei der Vorlage der Bilanz. Der Gewinn war 2013 unter dem Strich um 93 Prozent auf noch 2,6 Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz sank um 2 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro, mehr als die Hälfte steuerte das Banknoten-Geschäft bei. Daneben setzt G&D unter anderem auf Chipkarten sowie auf das Geschäft mit Ausweisen oder Führerscheinen. Der Banknotendruck aber ist die Wurzel der 1852 in Leipzig von Hermann Giesecke und Alphonse Devrient gegründeten Firma.
Auch wenn bargeldloses Bezahlen in vielen Ländern immer beliebter wird, dürfte der Banknotendruck noch lange eine Säule des Geschäfts bleiben. Bei De La Rue geht das Management davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Papiergeld jedes Jahr um rund 4 Prozent wächst, auch wenn der Markt sich in vielen Ländern unterschiedlich entwickelt. "Nach wie vor besitzt nur jeder zweite Mensch ein Bankkonto", heißt es auch bei G&D. Bargeld ist in vielen Teilen der Welt das wichtigste Zahlungsmittel. "Und in den Industrieländern gibt es zunehmend Menschen, die im Zuge der NSA-Affäre wieder auf Bargeld umsteigen, damit nicht jede Transaktion nachvollzogen werden kann."

Die Konkurrenz wird nicht kleiner

Die stetig steigende Menge Bargeld und die Notwendigkeit, die Banknoten regelmäßig auszutauschen und zu erneuern, lockt auch Wettbewerber. Dabei wird der Markt von staatlichen Druckereien beherrscht. Dazu gehört auch die Bundesdruckerei, die nach einem Intermezzo als privates Unternehmen seit 2009 wieder dem Bund gehört. Angesichts der vielen Kapazitäten der staatlichen Betriebe suchen auch diese Spieler weltweit nach Aufträgen. Nach Schätzungen von De La Rue bleiben den kommerziellen Anbietern derzeit etwa 13 Prozent Marktanteil weltweit. Die Konkurrenz wird jedenfalls nicht kleiner.
"Genau darin liegen aber auch Chancen", sagt Wintergerst. G&D mit seinen fast 12 000 Mitarbeitern habe alle Möglichkeiten hochkomplexe Produkte in höchster Qualität herzustellen. "Das reicht von eingebetteten Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, die bereits bei der Herstellung in unser Papier- oder Hybridsubstrat eingebracht werden, über Sicherheitsfäden mit speziellen Folieneigenschaften und Durchsichtsfenster bis hin zu den Sensoren für Sicherheitsmerkmale in unseren Bearbeitungsmaschinen." Der Wettbewerb entscheide sich eben nicht nur über den Preis, sondern auch über Innovationen. (Sebastian Raabe, dpa)

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Kommentare (1)

  1. Karl am 11.08.2014
    Dann warten wir halt auf das Insolvenzverfahren.

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