Wirtschaft

21.06.2013

Reparieren statt vorbeugen

Ein Kommentar von Heinz Wraneschitz

Wenn Politiker nach Hochwasserkatastrophen die Deichgrafen geben, sei ihnen das vergönnt. Doch wenn Regierende in Bund und Ländern nach Überflutungen ihre Füllhörner über die Verschlammten ausschütten, ist das wohl kalkulierte Nothilfe.
Den Grund, warum einzelne Gemeinden oder gar ganze Landstriche unter den braunen Fluten verschwunden sind, findet man vielerorts in trockenen Amtsstuben. Auf Schreibtischen türmen sich Bauanträge für Hochwasserdeiche, tauchen, mangels (Landes-)Geld, nicht bewilligte Zuschussanträge auf.
8 Milliarden Euro Nothilfe: Die hatten dieser Tage Bund und Länder schnell zusammen. Auf 20 Jahre gerechnet sind das aber nur 400 Millionen Euro pro Jahr. Und Bayern steuert lediglich 7,5 Prozent dazu bei.
Die langfristigen Probleme liegen ohnehin tiefer. Denn bei aktuellen Milliarden-Hilfen finden sich die Minister auf den Titelseiten überregionaler Medien und in den Abend-TV-Nachrichten wieder. Bei wichtigen 100 000-Euro-Bauwerken werden gerade noch die Dorfbürgermeister auf Seite 7 im Regionalblatt abgelichtet.
Ob deshalb Bayern für den „normalen“ Bau von Deichen, Dämmen und Regenrückhaltebecken seit Jahren immer weniger Geld auslobte? 2010 wurden jedenfalls noch 153 Millionen Euro bereitgestellt. Heuer stehen gerade noch 116 Millionen im Haushalt. Diesen Betrag hat die Ministerrunde im Angesicht der übergelaufenen Donau schnell auf 150 Millionen Euro erhöht.
Hätte man dagegen die jetzt beschlossenen bundesweit 8 Milliarden Euro Reparaturmittel auf das letzte Jahrzehnt seit der Jahrhundertflut 2002 verteilt und Vorsorge getroffen, wäre bei vielen Häusern, Feldern und Firmen jetzt nicht „Land unter“.

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Kommentare (1)

  1. Ralph Hoffmann am 21.06.2013
    Die Ursachen für den verschleppten Hochwasserschutz liegen im wesentlichen in der Taktiererei der bay. Staatsregierung. Der Hochwasserschutz wurde sinnloserweise und nun mit großem Schaden an die Bedingung Donau-Ausbau geknüpft. Seit den Erfahrungen von 2002 und den kleineren Zwischen-Hochwassern ist nahezu nichts passiert. Und auch hier gilt, dass der Donau-Ausbau zum Glück bislang nicht gekommen ist, denn auch dieser hätte nur dafür gesorgt, dass der Scheitelpunkt eines Hochwassers nicht verzögert und gestreckt, sondern sogar noch beschleunigt und gestaucht wird. Ich traue mich wetten, dass bis zum nächsten Hochwasser wieder nichts passieren wird. Schließlich ist es ja auch hübscher, ein Bandl einer neu eröffneten Autobahn durchzuschneiden, als auf einen Deich zu steigen oder eine Überschwemmungsfläche zu betreten und dies feierlich zu eröffnen.

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