Wirtschaft

17.06.2011

Steigflug am Memmingerberg

Für den Chef des Allgäu Airport sind zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Fluggäste pro Jahr ein realistisches Ziel

Der Allgäu Airport in Memmingen ist Bayerns dritter Verkehrsflughafen. Seit der Aufnahme des zivilen Flugbetriebs im Jahr 2007 hat er eine rasante Entwicklung genommen. Die einst 173 577 Passagiere aus dem Anfangsjahr sind längst übertroffen. 2010 waren es 911 609 und für dieses Jahr sind 930 000 Fluggäste angepeilt.
„Zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Fluggäste pro Jahr sind realistisch“, sagt Ralf Schmid, Geschäftsführer des Allgäu Airports, über die Entwicklungsperspektiven des Flughafens der Staatszeitung. Vor allem junges und reisefreudiges Publikum würde den Regionalflughafen nutzen. Kurzurlauber und Rucksacktouristen schätzen Schmid zufolge die kurzen Wege vom Airport ins schöne Allgäu. „Die Menschen reisen von uns aus mit dem Bus oder dem Mietwagen weiter. Früher kamen sie vielleicht via Stuttgart einmal pro Jahr ins Allgäu. Heute buchen sie ihre Unterkunft in der herrlichen Landschaft drei bis vier Mal, weil sie wegen des Allgäu Airports wesentlich schneller an ihren Zielen sind“, so der Geschäftsführer. Und das Allgäu ist mit 2,5 Millionen Ankünften und 10,4 Millionen Übernachtungen eine der wichtigsten Tourismusregionen in Deutschland.
Schmid setzt mit dem Allgäu Airport ganz klar auf die Touristenfliegerei. Linienflüge seien zwar willkommen und er findet es unendlich schade, dass airberlin seinen täglichen Berlin-Shuttle von Memmingen aus eingestellt hat. Aber signifikant Umsatz könne der Allgäu Airport nur mit den Urlaubsreisenden erwirtschaften. „Ich betrachte den Flughafen als Marketingmittel, um Gäste und damit Kaufkraft ins Allgäu zu holen. Das machen die Österreicher übrigens mit dem Flughafen Innsbruck schon seit Jahren so“, erläutert Schmid. Nur sei der Flughafen in Tirols Landeshauptstadt mit einer Million Fluggäste an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Hier sieht Schmid auch Chancen für den Allgäu Airport. Schließlich ist man ja von Memmingen aus in einer Stunde in Tirol oder Vorarlberg.
Damit die Fliegerei am Allgäu Airport weiterhin reibungslos läuft, muss die 2980 Meter lange Start- und Landebahn in den nächsten zwei bis drei Jahren saniert werden. „Das kostet rund 10 Millionen Euro“, so Schmid. Im Zuge dieser Maßnahme soll auch ein Instrumentenlandesystem eingebaut werden, wie es am Münchner Flughafen Standard ist.
Schmid betont, dass der Rückzug von airberlin nicht existenzbedrohend für den Allgäu Airport ist. Er setzt in Kooperation mit der irischen Billigfluglinie Ryanair auf den so genannten Punkt-zu-Punkt-Verkehr. „Das ist der Trend in Europa und nicht das Drehkreuzkonzept von Lufthansa oder airberlin“, so der Geschäftsführer. Er sieht wachsende dezentrale Aufgaben im europäischen Luftverkehrssystem.
Der Allgäu Airport, in dessen Einzugsbereich rund 5,8 Millionen Menschen leben (90 Minuten Anfahrtszeit) bzw. 7,2 Millionen Menschen (2 Stunden Anfahrtszeit), ist Schmid zufolge aber auch für die stark mittelständisch geprägte Wirtschaft in Schwaben von strategischer Bedeutung. Deshalb will er auch alles daransetzen, künftig wieder einen Linienbetrieb für die Geschäftsfliegerei zu etablieren. Aktuell bietet der Sommerflugplan den Flugreisenden ab Memmingen 24 europäische Destinationen.
(Ralph Schweinfurth)

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