Wirtschaft

Eine Haftpflichtversicherung ist auch für ältere Menschen wichtig. (Foto: dpa)

21.04.2017

Was wirklich wichtig ist

Versicherungsschutz für die „Generation 50+“

Seit einigen Jahren haben die Versicherungen Senioren als attraktive Kundengruppe entdeckt und umwerben sie mit speziellen Tarifen. Sind solche Angebote zweckmäßig? Und welche Versicherungen sind für die Bedürfnisse der „Silver Ager“ sinnvoll?

Im Bereich der Unfallversicherung gibt es besonders viele spezielle Tarife für Senioren. Da viele ältere Menschen nicht mehr so beweglich sind, steigen die Unfallgefahr im Alter und die Gefahr einer Invalidität. Aber nicht alle Angebote sind für Senioren sinnvoll.

Definition eines Unfalls ist entscheidend


Beim Abschluss einer Unfallversicherung sollte der Kunde darauf achten, wie der Unfall in den Versicherungsbedingungen definiert ist. Oftmals ist ein Sturz infolge eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts ausgeschlossen. Einige Versicherungen haben jetzt aber dieses Risiko eingeschlossen, was für ältere Menschen wichtig sein kann.


Bei Unfallversicherungen werden Leistungen nach dem Grad einer dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung, der Invalidität, gezahlt. Viele Unfallversicherungen zahlen allerdings erst ab einem bestimmten Invaliditätsgrad, zum Beispiel 25 oder 50 Prozent. Senioren sollten darauf achten, dass die Leistungen schon bei einem niedrigen Invaliditätsgrad beginnen. Denn bei über 90 Prozent der Unfälle liegt die folgende Invalidität unter 40 Prozent. Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Invaliditätsgrad, ab dem die Versicherung leistet, desto besser.

Bis zum Alter von 75 Jahren abschließbar


Bei einigen Versicherern ist ein Abschluss der Unfallversicherung nur bis zum Alter von 75 möglich. Bei anderen endet der Vertrag automatisch mit Erreichen des 85. Lebensjahrs. In beiden Fällen kann man hier kaum von einer Seniorenversicherung sprechen. Eher handelt es sich hier um eine Diskriminierung älterer Menschen.

Viele Unfallversicherungen bieten sogenannte Assistance Leistungen an. Das bedeutet, dass nach einem Unfall die Versicherung alles vermittelt, von der Haushaltshilfe über den Menü-bringdienst bis zum Hunde-Sitter. Gerade für Alleinlebende ist dies ein nützlicher Service. Allerdings bezahlen nicht alle Versicherungen diese Dienste. Daher sollte beim Abschluss darauf geachtet werden, ob auch die Kosten für die Hilfsdienste versichert sind.

Gewisse Absicherung


Eine Unfallversicherung für Senioren gewährt eine gewisse Absicherung, einen umfassenderen Schutz bietet jedoch eine Pflegeversicherung. Sie ist meist teurer, leistet aber auch bei Pflegebedürftigkeit infolge einer Krankheit.

Eine private Pflegezusatzversicherung ist sinnvoll, da die Leistungen aus der staatlichen Pflegepflichtversicherung oft nicht ausreichen. Die Versicherer bieten drei verschiedene Varianten an: Die Pflegetagegeldversicherung, bei der, je nach Pflegestufe, ein vereinbartes Tagegeld ausgezahlt wird. Außerdem gibt es die Pflegekostenversicherung, bei der der Versicherer Pflegekosten bis zu einer festgelegten Obergrenze erstattet. Die dritte Alternative ist die Pflegerentenversicherung, bei der die Versicherungen eine Rente zahlen, abhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit.

Pflegetagegeld hat Vorteile


Das Pflegetagegeld hat den Vorteil, dass der Versicherte seine Pflege auch privat organisieren kann. Bei der Pflegekostenversicherung kann dagegen nur ein professioneller Pflegedienst eingesetzt werden und die Kosten müssen genau nachgewiesen werden. Denn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung werden bei der Kostenversicherung um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt.

Bei allen drei Varianten der Pflegezusatzversicherung muss der Versicherte nachweisen, dass er pflegebedürftig ist. Das ist am einfachsten, wenn sich die private Pflegeversicherung an den Pflegegraden der gesetzlichen Pflegeversicherung orientiert. Wenn sich der Gesundheitszustand wieder bessert, kann die Pflegebedürftigkeit entfallen. Einige Versicherungen behalten sich vor, dies selbst zu prüfen. Solche Tarife sind nicht empfehlenswert!

Möglichst früh abschließen


Grundsätzlich sollten Pflegezusatzversicherungen möglichst früh abgeschlossen werden, also eher mit 50 als mit 60. Je früher man einsteigt, desto niedriger sind die monatlichen Beiträge. Es können sich auch ältere Menschen noch pflegeversichern, doch einige Versicherer lehnen Anträge über 65 ab.

Mit dem „Pflege Bahr“, benannt nach dem früheren Gesundheitsminister Bahr, fördert deshalb die Regierung den Abschluss von Pflegezusatzversicherungen auch für ältere und kranke Menschen. Denn interessanter als die auf fünf Euro begrenzte monatliche Zuzahlung des Staates ist der Wegfall von Gesundheitsfragen beim „Pflege Bahr“. Allerdings sind die vom Gesetzgeber festgelegten Mindestpflegesummen unzureichend. Zudem sind die Tarife im Rahmen des „Pflege Bahrs“ etwas teurer als vergleichbare Pflegezusatzversicherungen.

Krankheitsrisiko versichern


Die Krankenversicherung ist auch für ältere Menschen sehr wichtig. Da im Alter die Beiträge in der privaten Krankenvollversicherung steigen, im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit des Standardtarifs geschaffen. Versicherungsnehmer ab 65, die mindestens zehn Jahre in der privaten Krankenversicherung versichert sind und ihren Vertrag vor 2009 abgeschlossen haben, können in den Standardtarif wechseln. Beim Standardtarif darf der Beitrag nicht höher sein als der aktuelle Höchstsatz der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Leistungen entsprechen ungefähr denen der Krankenkassen.

Die Hausrat-, die Haftpflicht- und die Wohngebäudeversicherung bleiben auch für ältere Menschen wichtig. Allerdings machen hier spezielle Angebote für Senioren wenig Sinn, da sich Risiken sowie der notwendige Versicherungsumfang kaum von denen jüngerer Menschen unterscheiden.
(Mathias Hofen)

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