Wirtschaft

Mezzanine-Kapital hieß die Wunderdroge aus der Finanzspritze. (Foto: Bilderbox)

12.04.2013

Wenn das Rückzahlen so einfach wäre

Mezzanine-Kapital: Mit Finanzspritzen aus speziellen Programmen stärkten viele Mittelständler ihre Kapitalbasis

Sie hießen Heat und Force oder Preps, und sie sollten den deutschen Mittelstand fit machen für die Zukunft. Programme, aufgelegt von Banken, mit denen sich Unternehmen eine Art Vitamininjektion für ihre Bilanzen verabreichen konnten, mit günstigem Kapital. Mezzanine-Kapital hieß die Wunderdroge. Mehr als ein Dutzend Programme für diese Finanzierungsform hatten Banken ab 2004 aufgelegt. Bis 2007 erhielten mehrere Hundert Mittelständler aus diesen Geldtöpfen rund 4,7 Milliarden Euro. Mezzanine – abgeleitet vom italienischen Wort für Zwischengeschoss – ist eine Mischform aus Fremd- und Eigenkapital.
Der Clou: Weil die Banken diese Mittel als Eigenkapital werten, stärkt es die Kreditwürdigkeit. Gleichzeitig haben die Geldgeber, anders als bei echtem Eigenkapital, kaum Mitspracherechte. Der Vorteil für die Kreditinstitute: Sie konnten das Risiko auf Investoren am Kapitalmarkt abwälzen. So wurden Tranchen, meist im niedrigen einstelligen Millionenbereich, aus verschiedensten Regionen und Industrien gebündelt und am Markt verbrieft. Wegen der Risikostreuung gaben sich die Investoren mit Zinsen von etwa 5 bis 9 Prozent zufrieden.
Mittlerweile steht in vielen Unternehmen die Rückzahlung des geliehenen Geldes an, und nicht jeder Finanzchef hat einen Plan, wie er das hinkriegen soll. Manche Experten warnen vor einer Pleitewelle unter Deutschlands Mittelständlern, weil 2013 und 2014 die großen Programme aus den Jahren 2006 und 2007 auslaufen. Rund 1,6 Milliarden Euro werden bald fällig. Die Ratingagentur Fitch warnt bereits vor signifikanten Refinanzierungsrisiken. Fest steht: Es wird nicht bei allen so glatt laufen wie bei der Brauerei Oettinger, die vor knapp sieben Jahren 10 Millionen Euro aufnahm, um eine Übernahme zu stemmen. „Uns war von Anfang an klar, dass es in den Fälligkeitsjahren eine starke Nachfrage nach Kapital geben würde“, sagt Michael Mayer, kaufmännischer Geschäftsführer der Brauerei. Deshalb habe die Firma bereits Ende 2010 die Refinanzierung zusammen mit den Konsortialbanken geplant und sich mit Alternativen auseinandergesetzt, rechtzeitig, rund drei Jahre vor Fälligkeit.
Mayer prüfte verschiedene Optionen, etwa die Rückzahlung per Schuldscheindarlehen und Anleiheemissionen. Diese Lösungen hätten zumindest Liquidität gebracht. „Grundsätzlich bevorzugen wir bilaterale Lösungen, etwa mit unseren Banken“, sagt Mayer. Letztlich half den Bierbrauern der große Durst ihrer Kunden und die gute Konjunktur. „Wir konnten die gute wirtschaftliche Lage nutzen und mit unseren Erträgen das Eigenkapital hochfahren“, sagt Mayer. Das liegt seinen Angaben zufolge bei stolzen 42 Prozent. Deshalb sei Oettinger nun in der Lage, das Mezzanine-Kapital Mitte dieses Jahres mittels Bankkrediten zurückzuzahlen.
Bei vielen anderen Firmen dürfte die Rückzahlung weniger reibungslos verlaufen. Harte Fakten, wieviele Unternehmen vor echten Schwierigkeiten stehen, gibt es nicht – nur Schätzungen verschiedener Experten: Zwischen 30 und 35 Prozent der Firmen, die Mezzanine-Programme genutzt haben, könnten Probleme mit der Anschlussfinanzierung haben oder noch bekommen, heißt es. „Wer sich nicht rechtzeitig kümmert, für den könnte es wirklich das Aus bedeuten“, warnt Bernd Papenstein, der bei Pricewaterhouse-Coopers (PwC) mittelständische Kunden in Finanzierungsfragen berät.
Daher müssen die Firmen bei der Anschlussfinanzierung auch über einen Mix aus verschiedenen Finanzierungsformen nachdenken. Klassische Instrumente wie Bankkredite, Schuldscheindarlehen oder Anleihen kommen für Unternehmen mit hoher Bonität infrage. Wer finanziell schwächer aufgestellt ist, sollte die Aufnahme von Beteiligungskapital in Erwägung ziehen. Auch Individual-Mezzanine kann eine Alternative sein. Einer der größten Beteiligungsgeber aus dem Privatbankensektor für diese Finanzierungsform ist die Commerzbank, die sich über ihre Sparte Commerz Beteiligungskapital (CBG) an Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 12,5 Millionen Euro wendet, in der Handelsbranche liegt die Eintrittsschwelle bei 25 Millionen Euro.
Daneben gibt es zahlreiche Angebote von den genossenschaftlichen Instituten oder der NRW Bank. Wie im normalen Leben gilt allerdings: Maßanfertigungen sind teuer. Bei Individual-Mezzanine sind Zinssätze von 12 bis 15 Prozent üblich. Etwas mildernd wirkt, dass meist nur ein hoher einstelliger Zinssatz fix vereinbart wird. Der Rest muss nur gezahlt werden, wenn es der Firma finanziell gut geht.
In Notsituationen nehmen die Mezzanine-Geber mitunter Abschläge hin, bevor das gesamte Geld verloren sein könnte, meint mancher Experte. Am Ende will ja keiner riskieren, dass das gesamte Unternehmensgebäude zusammenbricht, nur weil ein Zwischengeschoss mal wieder renoviert werden musste.
(Mareike Scheffer)

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