Wirtschaft

26.07.2013

Wenn Querdenken die Wettbewerbsfähigkeit sichert

Die Bayern Innovativ GmbH sorgt mit ihren Kontakten für Innovationen und neue Umsätze in Unternehmen

„Es wird zu wenig berichtet, wie Innovationen in die Welt kommen“, sagt Werner Klaffke, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, vor der Presse in Nürnberg. Seit Oktober 2012 leitet der habilitierte Biochemiker die Innovationsagentur des Freistaats. Für ihn ist „open innovation“ der Schlüssel zum Erfolg. Diese Strategie, Entwicklungsprozesse in Unternehmen offen und gemeinsam mit Partnern voranzutreiben, sei gerade für Bayern Innovativ der richtige Ansatz. „Wir begleiten Unternehmen, Ideen zu realisieren“, so Klaffke.

Viel Kommunikation nötig


Um innovativ zu sein und neue Produkte sowie Dienstleistungen entwickeln zu können, sei sehr viel Kommunikation nötig. Nur dann könnten die Wertschöpfungsketten geschlossen werden, entlang derer sich Innovationen erfolgreich etablieren lassen. „Nur etwa 30 Prozent der Innovationen entstehen in der klassischen Kette von der Idee, über Pläne, Prototypen bis hin zum neuen Produkt“, erläutert Klaffke. Rund 70 Prozent der Innovationen entstünden aus der Rekombination von bereits existierenden Produkten und Dienstleistungen.
Damit die Kommunikation reibungslos läuft, hält Bayern Innovativ (16 Millionen Euro Umsatz - davon 5 Millionen Euro Grundfinanzierung durch den Freistaat) mit seinen 128 größtenteils akademisch ausgebildeten Mitarbeitern etwa 80.000 Kontakte zu Forschungsinstituten und Unternehmen bereit. „Wir wollen quervernetzen und die Interdisziplinarität ausbauen“, betont Klaffke. Darum habe man sich auch ein Stück weit von den bisherigen Clustern, die in Bayern einmal definiert wurden und nach wie vor erfolgreich betrieben werden, gelöst. Man orientiere sich jetzt an den fünf Megatrends Mobilität, Energie, Material, Gesundheit/Life Science und Digitalisierung/Produktion. Es war aber Klaffke zufolge nicht falsch, dass sich Bayern Innovativ in der Vergangenheit an der bayerischen Clusterstrategie orientiert hat. Jetzt gehe es eben darum, den Innovationsprozess durch das Querdenken weiterzuentwickeln.
Denn gerade aus dem Querdenken entstünden oftmals neue Dinge. So berichtet er von seiner früheren Tätigkeit als langjähriger Innovationsmanager des Konsumgüterkonzerns Unilever in London. Dort sei man für ein Haarpflegeprodukt beim neuseeländischen Institut für Schafszucht fündig geworden, um aus gekräuseltem glattes Haar zu machen und umgekehrt. „Die Neuseeländer haben uns den entscheidenden Hinweis auf ein Enzym geliefert, das diese Eigenschaften hat.“
Welchen Anforferungen Innovationen künftig genügen müssen, skiziert Kord Pannkoke, Leitender Projektmanager Automotive und Neue Werkstoffe bei Bayern Innovativ: „Es geht im Bereich der neuen Materialien nicht nur um Produktinnovationen, sondern um den Kostenfaktor.“ Unternehmen müssten mittels dieser Innovationen ein insgesamt „günstigeres Kostenbild“ erreichen, um international konkurrenzfähig sein zu können. Hierbei das alte „try and error“ nicht mehr zielführend. Vielmehr müsste mit Simulationen gearbeitet werden, um an Innovationen zu kommen. „So kann man insgesamt an bessere Lösungen kommen, selbst wenn der neue Werkstoff teurer ist, weil man Synergien nutzen kann“, so Pannkoke.
Um diese ganzheitlichen Lösungen geht es auch beim Bordnetzespezialisten Leoni aus Nürnberg. Vorstandschef Klaus Probst illustriert, wie „Innovation made bei Leoni“ aussieht: „Wir dürfen nicht nur ein Produkt liefern, sondern müssen Nutzen stiften.“ Habe Leoni früher das reine Kabel geliefert, so sorgt der Weltkonzern mit 3,8 Milliarden Euro Umsatz und rund 60.000 Mitarbeitern in 33 Ländern jetzt dafür, dass der Roboter, der den Kabelbaum fertigt, auch immer verfügbar ist.
Probst macht aber auch ganz klar deutlich, dass Innovationskultur nicht über Nacht kommt. „Wir sind auch erst ein Stück dieses Weges gegangen. Wichtig ist es, dass man nicht nur im eigenen Saft schmort. Der Input von Kunden ist sehr wichtig“, so der Konzernchef. Gerade die Kunden würden mit ihren Anforderungsvorgaben die Initialzündung für Innovationen geben. So habe die Automobilindustrie im Zuge der Elektromobilität ein eminentes Bedürfnis, Gewicht im Fahrzeug zu reduzieren. „In einem klassischen Mittelklassewagen sind etwa 3000 Meter Kabel mit einem Gewicht zwischen 40 und 50 Kilo verbaut. Dies gilt es zu reduzieren“, so Probst. Aber auch die technischen Anforderungen an die Kabel ändern sich. War bisher 12 Volt die Stromstärke, mit der man in den Autos operierte, so werden es bei Elektrofahrzeugen 400 bis 600 Volt sein. „Auf diesem Gebiet sind wir jetzt schon Alleinlieferant. 2014 werden wir hier einen zweistelligen Millionenumsatz generieren“, freut sich der Leoni-Chef.
Ein weiteres Innovationsfeld mit dem sich der Bordnetzespezialists beschäftigt, sind thermoelektrische Generatoren. Der Abgasstrang im Fahrzeug werde bis zu 800 Grad heiß. Nun gelte es, diese Hitze in Strom für den Antrieb umzuwandeln. Dann hätte ein Hybridfahrzeug eine intelligente Möglichkeit, sich während der Fahrt wieder aufzuladen.

Antiseptische Kabel


Doch nicht nur Autos hat Leoni auf der Rechnung. Auch für Krankenhäuser entwickelt der Kabelspezialist neuartige Leitungen. Infektionen sind immer ein Thema in den Kliniken. Darum hat Leoni jetzt Kabel mit einer keimtötenden Oberfläche entwickelt. Das könnte ebenfalls zu einem neuen Umsatztreiber werden. Denn: „Wir sind Hauptlieferant für die Medizintechniksparte von Siemens.“
Innovationen treiben aber nicht nur einen Weltkonzern voran. Darum hat Bayern Innovativ auch einen Mittelständler zum Pressegespräch hinzugebeten. Oliver Kipf, Geschäftsführer der CG Tec GmbH aus Spalt (Landkreis Roth) präsentiert innovative Faserverbundmaterialien. So hat das Unternehmen einen Basaltfaser Stab, ein so genannter Rebar, für die Bauindustrie entwickelt. Um die geringe Zugfestigkeit von Betonbauteilen zu kompensieren, werden klassischerweise große Mengen an Bewahrungsstahl eingebracht. Der neue Bewährungsstab von CG Tec zeichnet sich dagegen durch sehr hohe Korrosionsbeständigkeit bei überragender Zugfestigkeit aus. Außerdem dehnt er sich genauso aus wie der ihn umgebende Beton. Temperaturinduzierte Spannungen werden auf diese Weise vermieden. Laut CG Tec-Geschäftsführer Kipf eignet sich der Rebar besonders für Bauten in Erdbeben gefährdeten Gebieten und für Windkraftanlagen. „Durch den Einsatz des Rebars braucht man wesentlich weniger Betonüberdeckung“, so Kipf.
Sowohl bei CG Tec als auch bei Leoni ist man sehr froh über Bayern Innvoativ. Denn die wertvollen Kontakte, die über Bayern Innovativ zustande kamen, sorgen dafür, dass sowohl der Mittelständler als auch der Weltkonzern weiterhin innovative Produkte auf den Markt bringen können.
(Ralph Schweinfurth)

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