Wirtschaft

Georg Schlagbauer kritisiert, dass der Staat ständig neue bürokratische Hürden aufbaut. (Foto: HWK München)

30.04.2015

„Wir brauchen eine neue Gründerkultur“

Handwerkskammerpräsident Georg Schlagbauer über leichtsinnige Politiker und Flüchtlinge als Handwerks-Azubis

Im bayerischen Handwerk herrscht gute Stimmung. Georg Schlagbauer, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie des Bayerischen Handwerkstags (BHT), sieht das aber auch als Risiko: Politiker würden wegen guter Wirtschaftsdaten übermütig, befürchtet er.

BSZ: Herr Schlagbauer, wie stellt sich für Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage dar?
Schlagbauer: Leider verleitet die momentan günstige wirtschaftliche Lage die Politik zu Leichtsinn und Übermut. In diesem Zusammenhang muss ich an den österreichischen Ökonom und Politiker Joseph Schumpeter denken, dem folgende Aussage zugeschrieben wird: „Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als eine demokratische Regierung eine Haushaltsreserve.“

BSZ: Was meinen Sie damit?
Schlagbauer: Deutschland hat – etwa durch die Agenda 2010 – seinen Arbeitsmarkt durch Reformen zukunftsfit gemacht. Davon profitieren wir heute noch. Diesen Vorteil gegenüber anderen Ländern setzen wir aber momentan aufs Spiel. Die große Koalition lässt unserem Land mehr Wohltaten angedeihen, als diesem gut tut – um nur einmal die Rente mit 63 zu nennen. Ich gönne es jedem, früher in den Ruhestand zu gehen, aber leisten können wir es uns nicht. Nicht nur im Handwerk gehen dadurch gute Ideen zusammen mit klugen Köpfen in Rente. Dadurch geht uns viel Know-how flöten.

BSZ: Was sind die Folgen dieser Entwicklung und wie kann man diesem Trend gegensteuern?
Schlagbauer: Wenn das so weitergeht, werden wir den Wohlstand, der über Jahrzehnte aufgebaut wurde, innerhalb kurzer Zeit verfrühstücken. Anstatt eine neue Gründerkultur herbeizuführen, die jungen Leuten Lust darauf macht, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen, türmt der Staat ständig bürokratische Hürden auf. Hinzu kommt der Generalverdacht, unter den der Staat seine Unternehmer stellt, wie zum Beispiel bei den Kontrollen zum Mindestlohn. Dabei ist Wirtschaft zu 50 Prozent Psychologie, wie schon Ludwig Erhard wusste. Hierauf sollte sich die Politik besinnen...(Interview: Friedrich H. Hettler)

(Lesen Sie das vollständige Interview in der gedruckten Ausgabe der Bayerischen Staatszeitung vom 30. April 2015.)

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