Wirtschaft

Thomas Koller wird ab 1. Juli in der Nachfolge von Horst Eggers das Amt des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer für Oberfranken übernehmen. (Foto: Fuchs)

07.01.2011

„Wir setzen noch stärker auf Teamarbeit“

Der künftige Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken über Perspektiven und Herausforderungen seines Amtes

Zum 1. Juli 2011 wird Thomas Koller neuer Hauptge-
schäftführer der Handwerkskammer für Oberfranken. Anfang Dezember wurde er zum Nachfolger von Horst Eggers gewählt. Als Hauptgeschäftsführer wird er verantwortlich sein für die rund 200 Mitarbeiter der Kammer, und 16.000 Handwerksunternehmen mit rund 78.000 Beschäftigten in Oberfranken vertreten. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele.

BSZ: Wird sich mit Ihrem Amtsantritt an der Ausrichtung der Kammer irgendetwas ändern?
Koller: Ja und nein. Ich bin ja schon seit einigen Jahren für die Handwerkskammer tätig und hatte dabei die Möglichkeit, einiges mitzuentscheiden. Letztlich geht es wohl in der gleichen Richtung weiter. Allerdings bedeutet das Ausscheiden von Horst Eggers schon eine Zäsur. Da es mit Hans-Karl Bauer aus Coburg künftig nur noch einen statt bisher zwei stellvertretende Hauptgeschäftsführer geben wird, wollen wir künftig noch stärker auf Teamarbeit setzen. Ziel muss es sein, dass die Handwerkskammer für Oberfranken auch weiterhin eine Vorreiterfunktion zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben einnimmt und dass der hohe technologische Standard kontinuierlich weiterentwickelt wird. Dazu werden auch weiterhin enorme Investitionen erforderlich sein.

BSZ: Wo werden Sie Schwerpunkte setzen? Im Gespräch ist der gewerblich-technische Bereich?“
Koller: Im Bereich der gewerblich-technischen Qualifizierung sind wir der Marktführer. 2011 soll auch zusammen mit der Fraunhofer-Projektgruppe und der Universität Bayreuth das Projekt Kfz-Service-Engineering gestartet werden. Das wird sicher eine Herausforderung für das Handwerk. Eine zentrale Aufgabe wird es auch sein, weiterhin unsere Bildungszentren in Oberfranken zu stärken und dabei auf Querschnittstechnologien zu setzen. Die Umwelttechnik gehört dazu genauso wie der Bereich Multimedia oder alles, was mit Energieeinsparung zu tun hat.

BSZ: Sie sind erst der sechste Hauptgeschäftsführer in über 100 Jahren. Wie erklären Sie sich diese Kontinuität bei der oberfränkischen Handwerkskammer?
Koller: Das ist sicher ungewöhnlich und hat etwas mit der Philosophie zu tun, die auch ich seit 1988 bei der Kammer erleben durfte. Hauptgeschäftsführer Horst Eggers und sein Vorgänger Veit Holzschuher haben stets langfristig und geradlinig geplant. Sicher gehört auch eine glückliche Hand dazu.

BSZ: Im Gegensatz zu manch anderen Wirtschaftszweigen ist das Handwerk erstaunlich gut über die Krise gekommen. Woran liegt das?
Koller: Durch die Krise ist erst richtig deutlich geworden, welche Bedeutung der Binnenmarkt für die Stabilität der Gesamtwirtschaft hat. Der Export ist ohne Frage ein wichtiger Baustein, aber eben nur ein Baustein, der bislang von den Wirtschaftsforschungsinstituten eher überbewertet war. Erst mit der Krise hat man dort wahrgenommen, dass die Rolle der kleinen und mittleren Unternehmen bislang etwas unterschätzt wurde. Dazu kommt, dass die Konjunkturpakete der Bundesregierung hoch intelligent waren. Dinge wie die kommunalen Investitionsprogramme oder das CO2-Gebäudesanierungsprogramm waren geradezu explizit auf das Handwerk zugeschnitten.

BSZ: Wie werden sich Betriebe und Beschäftigung im oberfränkischen Handwerk in den kommenden Jahren Ihrer Einschätzung nach entwickeln?
Koller: Ich bin ja nicht gerade ein Freund langfristiger Prognosen, da es immer wieder so viele Unwägbarkeiten gibt. Für 2011 bin ich aber schon zuversichtlich. Die Zahl der Betriebe wird sicher weiter leicht steigen, und auch bei der Zahl der Beschäftigten gab es ja schon 2010 wieder ein leichtes Wachstum. Das zeigt, dass das Handwerk ein Garant für Stabilität ist. Gerade was Ausbildung und Beschäftigung angeht, werden wir auch in Zukunft ein verlässlicher Partner sein. Allerdings laufen 2011 auch schon wieder einige Konjunkturpakete aus, das könnte sich durchaus in der Auftragslage widerspiegeln.

BSZ: Dank der Imagekampagne ist das Handwerk optisch und inhaltlich seit einem Jahr stärker präsent als vorher. Welche Bilanz über die Kampagne ziehen Sie nach diesem Jahr speziell für Oberfranken?
Koller: Wir haben in Oberfranken einen guten Start hingelegt und nicht zuletzt mit dem Deutschen Handwerkstag ein Zeichen gesetzt. Auch bundesweit ist die Kampagne ein voller Erfolg. Allein auf MySpace wurde der Imagefilm fast 600.000-Mal angeklickt. Und auch die Sprüche sind wirklich super, wenn auch manchmal etwas provokant. Allerdings braucht eine derartige Kampagne einen langen Atem. Steter Tropfen höhlt den Stein. Insofern bin ich froh, dass die Kampagne insgesamt auf fünf Jahre ausgelegt ist. Gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels kam die Kampagne aber speziell für Oberfranken genau zur richtigen Zeit.

BSZ: Inwiefern ist ihr Handeln von der katholischen Soziallehre geprägt? Sie haben ja Ihre Schulzeit im Internat bei den Salesianern im Kloster Ensdorf verbracht.
Koller: Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen, dieser Leitspruch des Ordensgründers Don Bosco ist auch mein Leitspruch. Durch die drei Jahre Klosterschule in Ensdorf und die Zeit danach im Internat der Salesianer in Burghausen habe ich immer Gemeinschaft erlebt. Daher kommt auch, dass ich gerne Verantwortung übernehme.

BSZ: Sie haben in Bayreuth Wirtschaftsgeographie studiert. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Koller: Aktives Handeln und unternehmerisch tätig zu sein, das hat mir Professor Jörg Maier in seinen Projektseminaren sehr gut vermittelt. Auch die Querschnittsorientierung des Geographie-Studiums gab mir sehr viel für den Beruf mit. Nicht zuletzt habe ich auch deshalb sehr gute Erinnerungen an das Studium in Bayreuth, da ich hier meine Frau Pia kennen gelernt habe.

BSZ: Über ein Seminar „Die Bedeutung des Handwerks für die Regionalentwicklung im Landkreis Forchheim“ sind Sie mit dem Handwerk in Berührung gekommen. Worum ging es in dem Projekt?
Koller: Wir haben schon damals festgestellt, dass im Handwerk ein unglaubliches Innovationspotenzial steckt. Es war aber eher ein Zufall, dass die Wahl damals auf Forchheim fiel. Es war aber auch mein erster Anknüpfungspunkt zur Handwerkskammer. Gleich danach habe ich hier ein Praktikum absolviert und nach meiner Diplomarbeit habe ich mich dann bei der Kammer beworben.
(Interview: Stephan Herbert Fuchs)

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