Wirtschaft

Thomas Gärtner und Petra Griebel. (Foto: mpa)

08.10.2010

"Wir sind Bayerns größtes Wohnzimmer"

Neu bei der Freizeitspaß hoch 3 ist heuer die interaktive Erlebnismesse FORSCHA – Entdecke die Zukunft

Vom 5. bis 7. November 2010 findet im Münchner M,O,C, die zweite Freizeitspaß hoch 3 statt. Entwickelt hat sich das von der Münchner Marketing und PR Agentur MPA konzipierte und von ihr veranstaltete Messetrio aus der Spielwies’n, eine der größten Veranstaltungen für Brett- und Gesellschaftsspiele im deutschsprachigen Raum. Die Bayerische Staatszeitung sprach mit den Machern der Freizeitspaß, Petra Griebel und Thomas Gärtner.

BSZ: Was versteht man unter dem Konzept einer Mitmachmesse?
Griebel: Wenn Sie auf eine normale Messe gehen, laufen Sie an Ständen vorbei, nehmen Informationsmaterial mit und/oder kaufen auch etwas. Wenn Sie jetzt aber auf unsere drei Mitmachmessen Spielwies’n, Creativmesse und FORSCHA gehen, dann haben diese Veranstaltungen als gemeinsame Basis, dass die Leute dort eben selbst zu Akteuren werden. Sie werden eingebunden, müssen selber etwas tun, was sie natürlich auch wollen, wie zum Beispiel basteln, experimentieren, spielen. Dadurch bekommen die Besucher einen ganz anderen emotionalen Bezug zu dem, was der Aussteller anbietet, weil sie ja mit allen Sinnen angeregt werden.
Gärtner: Und was bei allen drei Messen gleich ist, sind große Flächen, auf denen dem Besucher die Möglichkeit geboten wird, sich auszutoben. Das heißt, es gibt viele Spieltische, große Workshop-Flächen, um seinem Spiel-, Bastel- oder auch Forschertrieb freien Lauf lassen zu können.
Griebel: Und das ist das, was wir als Messeveranstalter unserem Publikum zur Verfügung stellen. Bei anderen Messen ist es ja so, dass jede freie Fläche verkauft wird. Wir aber wollen unserem Publikum ein anspruchsvolles Programm bieten, denn mittlerweile ist es ja auch so, dass wir uns ein anspruchsvolles Publikum herangezogen haben. Deshalb hat die Messe auch so viel Erfolg, weil die Leute alles in Ruhe ausprobieren können.

BSZ: Was verbirgt sich unter der Bezeichnung Freizeitspaß hoch 3?
Griebel: Eigentlich haben wir nach einem Dachbegriff für die drei Messen gesucht und dann gesagt, es gibt doch eine ganz simple Rechnung: drei Mitmachmessen mit hohem Spaß- und Lernfaktor, da gibt’s dreifach potenzierten Spaßfaktor.
Gärtner: Der Begriff ist die kommunikative Klammer.
Griebel: Unseren Besuchern soll sich erschließen, dass sie jetzt die Möglichkeit haben, zum Beispiel neben der Spielwies’n auch eine der beiden anderen Messen zu besuchen. Ferner hoffen wir, dass sich durch den Begriff für den Besucher erschließt, dass er die ganze Familie mitbringen kann.

BSZ: Wie lange halten sich die Besucher durchschnittlich auf der Freizeitmesse auf?
Gärtner: Die Verweildauer ist durchschnittlich sechs bis acht Stunden. Da der Messetermin seit einigen Jahren in die Herbstferien fällt, ist es eine wunderbare Möglichkeit, mit der Familie die Ferienzeit zumindest zum Teil dort zu verbringen. Man muss also nicht gegen Süden fahren, um Spaß zu haben.

BSZ: Wie setzt sich Ihr Publikum zusammen?
Griebel: Bei uns sind die Generationen total durchmischt, denn wir haben ein sehr aufgeschlossenes und neugieriges Publikum. Und das ist altersunabhängig.

BSZ: Letztes Jahr fand zum ersten Mal unter dem Dach der Freizeitspaß die Messe „Modellbahn“ statt. Heuer sucht man diese Messe vergebens im Repertoire der Veranstaltung. Was sind die Gründe?
Griebel: Die „Modellbahn“ sollte sowieso im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Aufgrund von Turbulenzen bei der IGEMA, der Industriegemeinschaft für Modellbahnausstellungen, dem Zusammenschluss der großen Herstellerfirmen, die quasi solche Messen durchführen, wissen wir aber nicht, wie es mit der „Modellbahn“ weitergehen wird.
Gärtner: Laut Aussage der Branche war die letztjährige „Modellbahn“ eine der schönsten Veranstaltungen, die sie jemals hatten, weil es tatsächlich einmal gelungen ist, auch junges Publikum anzuziehen, was für die Branche nicht üblich ist.
Griebel: Deshalb fanden sie es auch so toll, denn plötzlich waren Kinder da. Eine sehr angenehme Überraschung für Veranstalter und Aussteller, die sich ja eine Verjüngung ihrer Fangemeinde wünschen.
Gärtner: Was den Fortbestand der „Modellbahn“ angeht, können wir nichts Genaues sagen. Es ist schwierig, eine solche Modellbahnausstellung zu finanzieren, denn zum einen muss die Standfläche bezahlt werden und zum anderen bekommen die Modellbahnclubs Geld, wenn sie ausstellen. Das geht aber nur, wenn die Industriegemeinschaft der Modellbahnausstellungen, also die Hersteller, dahinter steht, es als PR sieht und bezahlt.

BSZ: Wie sieht es dann mit der Finanzierung der drei Messen insgesamt aus?
Gärtner: Die Spielwies’n kann auch nur funktionieren, wenn die Spielehersteller dahinter stehen und sagen, wir sind da. Denn diese riesigen Spielflächen müssen ja finanziert werden. Generell ist es sehr, sehr schwer, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, wenn die Industrie nicht geschlossen mitzieht und sie als PR sieht. Die kleinen Aussteller, das Salz in der Suppe der Messe, zahlen bei uns fast gar nichts und das fast gar nichts ist für sie schon zu viel.
Griebel: Die Finanzierung ist deshalb so schwierig, weil wir auch die Hochwertigkeit der Veranstaltung behalten wollen. Ramsch wollen und haben wir nicht. Bei der neuen Messe FORSCHA müssen wir einen großen Teil der Finanzierung selbst stemmen. Noch sagt das Gros der potenziellen Aussteller, super Idee, aber vielleicht nächstes Jahr.

BSZ: Statt der „Modellbahn“ gibt es die Mitmachmesse „FORSCHA – Entdecke die Zukunft!“ Was darf man sich darunter vorstellen?
Gärtner: Die FORSCHA ist aus der mobilen Bildungsinitiative „klima on ... s’cooltour“ entstanden. Da gehen wir mit spannenden und gut aufbereiteten Experimenten und Themen in die Schulen. Das macht den Schülern Spaß und gibt den Lehrern neue Impulse. Die s’cooltour ist jedes Jahr voll ausgebucht. So kamen wir auf die Idee, was an den Schulen funktioniert, könnte man auch als Messe konzipieren. Und das, wo die deutsche Wirtschaft doch händeringend naturwissenschaftlichen Nachwuchs sucht. Hierfür muss aber erst der Funke entzündet werden. Die FORSCHA wird eine tolle Veranstaltung, die aber fast komplett, wie bereits kurz ausgeführt wurde, von uns selbst finanziert wird, da die Wirtschaft noch nicht ganz so weit ist zu sehen, dass es eine Veranstaltung mit einer Menge Potenzial ist. Aber nachdem wir wollen, dass es eine tolle Geschichte wird und wir auch tolle Partner haben, muss man dies eben erst einmal anstoßen.
Griebel: Vor allem wollen wir den Besuchern kein mieses Programm bieten, schon gar nicht bei unserer Premiere. Die Leute sollen sehen, das hat die selbe Qualität wie die Spielwies’n und die Creativmesse. Dieser Anspruch kostet halt dann etwas.
Gärtner: Das Ganze steht und fällt aber mit der Finanzierung, das heißt, ohne Beteiligung der Wirtschaft wird es sehr schwer werden, wieder eine FORSCHA auf die Beine zu stellen.

BSZ: Wie sieht es mit Fördermitteln der Stadt, des Landes, des Bunds oder der EU aus?
Gärtner: Wir versuchen schon Fördermittel zu bekommen. Schließlich tun wir ja auch etwas für die Zukunft Deutschlands.
Griebel: Es gibt auch Messeunternehmen, die aus dem europäischen Sozialfonds Zuwendungen ohne Ende bekommen und wir zahlen dem Staat noch die Standgebühren.
Gärtner: Es gibt zwar Mittel von Stadt und Land, aber es geht leider nicht von heute auf morgen. Man bräuchte fast eine eigene Abteilung dafür. Obwohl Oberbürgermeister Christian Ude und Kultusminister Ludwig Spaenle Schirmherren der Veranstaltung sind, heißt das noch lange nicht, dass wir von der Stadt oder vom Kultusministerium Geld bekommen. Das Kultusministerium ermöglicht uns durch die Verwendung seines Logos, dass wir auch in den Schulen mit unseren Werbemitteln vertreten sein dürfen, weil wir ja auch was für den Nachwuchs tun. Das ist schon ganz gut.

BSZ: Was bietet die interaktive Mitmachmesse FORSCHA den Besuchern?
Griebel: Die FORSCHA will junge Menschen ab dem Kindergartenalter spielerisch für MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – begeistern. Die neue Messe macht greifbar, dass Naturwissenschaft und Technik kein bisschen dröge sind, sondern dass es cool und spannend ist, zu begreifen, was die Welt bewegt und was sie verändern wird.
Gärtner: Das Ganze läuft spielerisch und soll Spaß machen, den Dingen selbst auf den Grund zu gehen und nebenbei auszuloten, was interessant ist und was man selbst besonders gut kann. Zum Beispiel ist die TU München mit vielen Experimentierstationen vor Ort, wo die Besucher spielerisch lernen, eigene Spielprogramme zu entwickeln. Allerdings war es zunächst sehr schwierig die TU mit ins Boot zu bekommen, da wir da unter unserem Namen Freizeitspaß sehr leiden mussten. Denn was hat Freizeitspaß mit seriöser Wissenschaft zu tun? Wir haben klar gemacht, dass wir das Thema anders angehen, wir nicht die Wissenschaftstage sind und auch keine Bildungsmesse.
Griebel: Wobei wir aber eigentlich schon eine Bildungsmesse sind, denn wir wollen zeigen, dass Naturwissenschaften und Technik sogar in der Freizeit Spaß machen, weg von Uni und Schule.

BSZ: Was ist weiter geboten?
Gärtner: Das Kinder- und Jugendmuseum ist mit einem Chemielabor vertreten. Ferner gibt es eine eigene Melkstation, wo die Kinder lernen zu buttern und sich danach ihr eigenes Butterbrot schmieren können.
Griebel: So wird das Ganze nämlich deutlicher, was Naturwissenschaft und Technik miteinander zu tun haben. Wir haben die FORSCHA „Das aufregendste Klassenzimmer Deutschlands“ getauft. Sie ist eine interaktive Erlebnismesse, die sich speziell mit den Themen MINT befasst, weil wir in Deutschland einen wachsenden Nachwuchsmangel genau in diesen Bereichen haben. Das heißt, es ist wichtig, schon frühzeitig möglichst viele Jugendliche für diese Thematik zu begeistern. Und die Faszination erschließt sich über experimentieren und forschen.

BSZ: Welche Zielgruppe versuchen Sie mit der FORSCHA anzusprechen?
Griebel: Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche. Wir wollen durchaus auch schon mal ein Samenkorn säen, damit später jemand mal sagt, ich will Ingenieur werden. Aber auch interessierte Erwachsene werden sich angesprochen fühlen. Wir planen auch Lehrergespräche mit den Experten, damit es nicht ein Einmalerlebnis bleibt, sondern die Lehrer Anregungen mitnehmen für ihren eigenen Unterricht, damit die naturwissenschaftlichen Fächer vielleicht auch in der Schule spannender gestaltet werden.

BSZ: Wie kam es zu dem Begriff FORSCHA?
Gärtner: Wir haben uns einiges überlegt, wurden aber letztlich von dem Lied „Monsta“ der Gruppe Culcha Candela inspiriert. Aus „Monsta“ wurde schließlich FORSCHA.

BSZ: War es schwierig, Kultusminister Spaenle und Oberbürgermeister Ude als Schirmherren für die FORSCHA zu gewinnen?
Griebel: Überhaupt nicht. Wir haben sofort die Zusagen erhalten. Es ist ja auch ein Anliegen Spaenles, dass auf diesem Feld etwas passiert, und Ude ist daran interessiert, dass der Wirtschaftsstandort Großraum München sich als leistungsfähige Region darstellt, die auch innovative Bildungskonzepte fördert.

BSZ: Nennen Sie noch ein paar Zahlen zu den Besuchern, Ausstellern und der Fläche.
Griebel: Wir haben rund 200 Aussteller auf 14 000 Quadratmetern und erwarten wieder 50 000 Besucher, so wie letztes Jahr.
Gärtner: Wobei wir natürlich schon gespannt sind, ob wir die 50 000er Marke wieder knacken, da die „Modellbahn“ letztes Jahr schon rund 10 000 Besucher zusätzlich anlockte. Wir sind natürlich schon zum Erfolg verdammt, weil es dann gleich heißt, aha, jetzt sind es weniger Besucher als 2009.

BSZ: Welche weiteren Neuerungen gibt es bei der Freizeitspaß hoch 3 in diesem Jahr sonst noch?
Griebel: Bei der Spielwies’n ist alles wie gehabt. Die „Lange Nacht der Spiele“ steht unter dem Motto „Jungle Night“, weil wir einen Spielwies’n-Cup veranstalten mit dem Spiel „Jungle Speed“. Ferner findet noch eine Fingerboard-Challenge statt. Bei der Creativmesse kommt hinzu, dass wir eine Sonderfläche haben: „kunsthandwerk meets design“ und zwar für Nachwuchskünstler und etablierte Kunsthandwerker. Diese Sonderfläche soll auch ein Forum sein für flippige Nachwuchskünstler, um auch junges Publikum für diese Messe zu begeistern. Ferner findet auf der Creativmesse heuer ein Benefizturnier statt. Der Erlös geht an die Münchner Elterninitiative krebskranker Kinder.

BSZ: Wie würden Sie abschließend kurz die Freizeitspaß hoch 3 beschreiben?
Griebel: Wir sind Bayerns größtes Wohnzimmer.                                    (Interview: Friedrich H. Hettler)

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