Bauen

Das Moesgaard Museum. (Foto: Wiegand)

30.11.2016

Das Gegenteil von 08/15

Bauboom in Aarhus, der Kulturhauptstadt Europas 2017

„Rethink“ lautet das Motto von Aarhus, Kulturhauptstadt Europas 2017. Neu denken und Neues wagen ist das Ziel. Das ist nötig, denn Aarhus, zweitgrößte Stadt Dänemarks, wächst deutlich. 330 500 Menschen leben dort, davon 60 000 Studierende, und ihre Zahl steigt. Im Zentrum begrüßt ein gespanntes Tuch 12 000 neue Studenten. Was das Bauen betrifft, begann das Neudenken und Neumachen vor Jahren. Siehe den Stadtteil Aarhus Ø auf dem früheren Hafengelände, wo die Bauten wie Pilze aus dem Boden schießen und schon 5000 Menschen wohnen. Bis 2018 sollen es 10 000 sein. Das bisher Gebaute zeigt sich einfallsreich. 08/15 ist im Designland Dänemark nicht gefragt.
Rund oder spitz, filigran oder robust, glatt oder wellig – alles darf sein. Der Komplex „Isbjerget“ (Eisberg) gilt bereits als Architektur-Ikone. Die willkürlich erscheinende Platzierung der weißen Häuser mit ihren Spitzdächern erinnert tatsächlich an schwimmende Eisberge, bringt aber fast allen Bewohnern Meeresblick. Witzig wirken die schlichten Holzkisten inmitten all’ der Moderne, Minigärten mit Blumen und Gemüse.

Die neueste Architekturperle ist das zentrumsnahe Dokk1-Gebäude, das das Bürgeramt und die größte Bibliothek Skandinaviens beherbergt. Eine breite Freitreppe führt hinauf zum Eingang und auf die verglaste Terrasse. Drinnen arbeiten die Organisatoren des Kulturhauptstadtjahrs Aarhus 2017, das auch die Region Mitteljütland umfasst. Studenten sitzen vor den Fenstern mit Stadtblick. Rundherum auch hier Hafen-Ambiente. Neben Dokk1 schunkeln einige Oldtimer-Yachten, in der Ferne leuchtet Navitas, die neue technische Ingenieurschule, geplant von Kjaer & Richter, Christensen & Co Arkitekter. An der Verbindung zwischen Dokk1 und Navitas wird noch gewerkelt. Hier entsteht eine Promenade am Wasser entlang. Fleißige Hände verlegen gerade die Trasse für die neue elektrische Straßenbahn. 2017 soll alles fertig sein, vielleicht schon zur feierlichen Eröffnung des Kulturhauptstadtjahrs am 21. Januar.
Kommunikationsleiter Bent Sørensen spricht von mehr als 350 Veranstaltungen und die wichtigsten nutzen die modernen Bauten. Das zeitgenössische Ballett „Tree of Codes“ zieht ins 2008 von Kjaer & Richter + C.F. Møller erweiterte Musikhuset (Konzerthaus). Der geradlinige Bau mit der Glasfassade grenzt ans Kunstmuseum AroS und das ist selbst eine Attraktion. Vor allem wegen des Regenbogen-Rundgangs, geschaffen von Olafur Eliasson. Der farbige Dachreifen ist zu Aarhus’ Wahrzeichen geworden.

Ein Mega-Event, das Wikinger Epos Röde Orm – Open Air aufgeführt vom 24. Mai bis 1. Juli – hat sich ein weiteres Meisterwerk der Moderne als Tatort gewählt, das in die Natur eingebettete Moesgaard Museum von 2014, konzipiert von Henning Larsen Architects. Das Stück wird auf dem begrünten Dach gespielt, auf das dann 3500 Sitzplätze gestellt werden. Ohnehin ist dieses prähistorische Museum ein Ziel von Jung und Alt sowie Besuchern aus aller Welt.

Nach wie vor stolz ist Aarhus auch auf das 1941 eingeweihte Rathaus, ein funktionalistischer Bau von Arne Jakobsen (1902 bis 1971), dem bekanntesten Architekten und Designer Dänemarks. Die schnörkellos-praktische Innengestaltung überzeugt noch heute. Überzeugend ist auch das Miteinander von einst und jetzt. Vom AroS sind es nur wenige Schritte bis zu den bunten, liebevoll gepflegten Häuschen von 1750 im Viertel Møllestien und zu den Altstadtgassen mit ihren Designerlädchen.
Unangefochtener Mittelpunkt der um 770 von den Wikingern gegründeten Stadt ist jedoch die St. Clemens-Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Von 1450 bis 1520 wurde aus ihr ein gewaltiger gotischer Backsteinbau, die größte „Domkirke“ Dänemarks.

Das älteste Gotteshaus ist jedoch die romanische Krypta von 1060 unter der Frauenkirche, ein stiller Ort zum Nachdenken im Trubel des Kulturhauptstadtjahrs. (Ursula Wiegand)

(Der Komplex Eisberg und das Dokk1 - Fotos: Wiegand)

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