Bauen

Der zweigleisige Streckenabschnitt zwischen Mühldorf und Tüßling. (Foto DB/Liese)

06.12.2017

Ein Nadelöhr ist beseitigt

Der zweigleisig ausgebaute Streckenabschnitt Altmühldorf-Tüßling ist fertiggestellt

Die Deutsche Bahn AG hat in diesem Jahr zwei Meilensteine im Bauablauf entlang der Ausbaustrecke (ABS) 38 München-Mühldorf-Freilassing erreicht. Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 werden der zweigleisig ausgebaute Streckenabschnitt Altmühldorf-Tüßling und das dritte Gleis Freilassing-Salzburg offiziell in Betrieb genommen.

Bereits seit 2016 ist der ausgebaute 3,9 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Altmühldorf und Mühldorf in Betrieb. Für die daran anschließende 7,3 Kilometer lange Strecke zwischen Mühldorf und Tüßling wurden bereits im Mai dieses Jahres die Hauptbaumaßnahmen nach vier Jahren Bauzeit vorzeitig abgeschlossen und die bautechnische Zweigleisigkeit hergestellt.

Der bislang eingleisige Streckenabschnitt galt als Nadelöhr im ostbayerischen Bahnverkehr. Bis zu 140 Züge teilten sich hier ein Gleis. Vom zweigleisigen Ausbau profitieren sowohl der Personen- als auch Güterverkehr. Für zahlreiche Linien der Südostbayernbahn – in Mühldorf kommen acht verschiedene Bahnstrecken zusammen – kann der Betrieb flexibler gestaltet werden und Verspätungen auf einer Strecke wirken sich nicht mehr auf alle angrenzenden Linien aus. Zudem kann die Streckengeschwindigkeit auf dem zweigleisigen Abschnitt auf bis zu 160 km/h angehoben werden. Für das bayerische Chemiedreieck als eine der wichtigsten Industrieregionen im Freistaat bringt der Ausbau dringend benötigte Kapazitätssteigerungen.

Teil des 150-Millionen-Euro schweren Ausbauprojekts ist auch die Modernisierung zweier Bahnhöfe. Der Bahnhof Tüßling wurde mit dem barrierefreien Neubau des Bahnsteigs 1 und dem Mittelbahnsteig komplett neu errichtet. Auch der Bahnhof Mühldorf wurde ausgebaut und erhielt neue Einfahrtsbereiche aus Richtung München sowie Burghausen und Freilassing. Damit wurden die Bahnsteiganlagen für den künftigen europäischen Fernverkehr vorbereitet.

Als Teil des Projekts wurden beachtliche Brückenbauarbeiten durchgeführt. Sowohl die Innbrücke bei Ehring als Vorabmaßnahme wie auch der Brückenschlag über den Innwerkkanal am Bahnhof von Mühldorf sind ingenieurmäßige Meisterleistungen. Auch zahlreiche Straßen- und Eisenbahnüberführungen sowie etwa 7,3 Kilometer Schallschutzwände wurden neu errichtet. Während der Bauarbeiten wurde die Anbindung von Mühldorf nach München so kurz wie nötig unterbrochen, was allen Baubeteiligten Höchstleistung abverlangte. Sperrzeiten beschränkten sich auf das Nötigste, sodass an einzelnen Feier- und Brückentagen in den vergangenen Jahren Maximales geleistet wurde.
In einem nächsten Schritt soll der Streckenabschnitt elektrifiziert werden.

Ebenfalls zum Fahrplanwechsel 2017 startet der Betrieb des dritten Gleises zwischen Freilassing und Salzburg. Der dreigleisige Ausbau ermöglicht einen verdichteten Verkehr der S-Bahn der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die künftig unabhängig vom Personenfern- und Güterverkehr zwischen Freilassing und Salzburg verkehrt. Damit entzerrt sich der Schienenverkehr der bislang zweigleisigen Strecke am wichtigen Grenzübergang zwischen Deutschland und Österreich, den weit mehr als 200 Züge täglich passieren.

Das Bauprojekt „Drittes Gleis Freilassing-Salzburg“ der DB Netz AG ergänzt den seit vielen Jahren laufenden Netzausbau der ÖBB Infra für das Salzburger S-Bahn-Netz. Auf österreichischer Seite wurden die Arbeiten bereits 2013 abgeschlossen. Bei der letzten Schienenschweißung am 24. August 2017 wurden die Schienen der DB Netz AG auf der neu gebauten eingleisigen Brücke über die Saalach an die Anlagen der ÖBB Infra angeschlossen. Die neue Brücke entstand parallel zur denkmalgeschützten Brücke über die Saalach.

Seit Baubeginn im Jahr 2012 wurden auf der etwa 1,8 Kilometer langen Baustellenstrecke zwischen dem Bahnhof Freilassing und der Grenzbrücke über die Saalach knapp 35 000 Kubikmeter Bodenmaterial für die Errichtung eines Damms aufgeschüttet. Etwa 1,6 Kilometer neues Gleis wurden verlegt und eine Schutzstrecke zur Trennung des deutschen und österreichischen Stromnetzes errichtet. Dazu mussten Signale von der deutschen auf die österreichische Seite verlegt werden.
Entlang der Baustellenstrecke sorgen neue Schallschutzwände auf einer Länge von insgesamt etwa 1,8 Kilometern für eine deutliche Lärmminderung. Sie haben eine Höhe zwischen einem Meter auf der Grenzbrücke und bis zu sechs Metern im Bahnhofsbereich. In Freilassing hat die DB Netz AG eine Eisenbahnüberquerung als Kreuzungsmaßnahme mit der Stadt komplett neu gebaut und damit ein Nadelöhr im Straßenverkehr beseitigt. Während der Brückenerneuerung an der Reichenhaller Straße waren nur minimale Sperrpausen im Zugverkehr nötig, da die meisten Arbeiten unter laufendem Betrieb stattfanden. Eine Hilfsbrücke sorgte dafür, dass der Zugverkehr weiterlief während die neue Brücke darunter eingeschoben wurde. Zwei weitere Eisenbahnüberquerungen in Freilassing wurden für das dritte Gleis erweitert.

Der erfolgreiche Abschluss der beiden Projekte ist ein wichtiger Baustein für die Schieneninfrastruktur in Südostbayern. Alle weiteren Maßnahmen, die im Projekt ABS 38 geplant sind, knüpfen an die Projekte an. (BSZ)

(Neubau für das dritte Gleis neben der denkmalgeschützten Grenzbrücke über die Saalach - Foto: DB/Raczinski; der neue Bahnsteig für die S-Bahn im Bahnhof Freilassing - Foto: DB/Pfleiderer; Einhub des mittleren Überbaus an den Innkanabrücken - Foto: DB/Schreiber)

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