Bauen

Die Ortsumgehung von Puchheim. (Foto: Staatliches Bauamt Freising)

03.02.2012

Endlich fertig

Die neue Ortsumgehung von Puchheim im Zuge der B 2

Am 15. Oktober 2010 rollte der Verkehr der Bundesstraße 2 (B 2) erstmals über die neue Ortsumgehung Puchheim. Die Bauarbeiten waren jedoch mit der Verkehrsfreigabe der 2,3 Kilometer langen Umfahrung noch nicht abgeschlossen. Anschließend waren noch zahlreiche Umbauten an Anschlussbereichen und dem begleitenden Wegenetz erforderlich. Im Frühjahr 2012 werden die letzten Pflanzarbeiten an der Strecke durchgeführt, dann ist die neue Straße insgesamt vollendet.
Die B 2 ist eine der längsten und ältesten Bundesstraßen in Deutschland. Schon im Mittelalter verband die „Via Imperii“ Venedig, Innsbruck, Augsburg, Nürnberg, Leipzig und Stettin. Wegen der gewachsenen Bedeutung als Residenzstadt führte die B 2 später über München und damit auch durch Puchheim. Heute verbindet die B 2 die seit den 1950er Jahren stark gewachsenen überregionalen Zentren Augsburg und München.
Für Puchheim bestand eine besonders belastende Verkehrssituation, die sich aus der hier stattfindenden Überlagerung des Pendlerverkehrs auf der B 2 aus dem Raum Fürstenfeldbruck, mit über 12 000 Kfz/24h, mit dem Pendlerverkehr auf der Staatsstraße 2069 aus dem Raum Eichenau/Olching, mit 21 000 Kfz/24h, ergab. In den Morgen- und Abendstunden bildeten sich an dem ampelgeregelten Knotenpunkt B 2/St 2069 in Puchheim lange Staus. Die Ortsdurchfahrt selbst war mit über 23 000 Kfz/24h belastet.
Die Verlegung der B 2 im Bereich Puchheim weist eine lange Planungsgeschichte auf. Über die Möglichkeiten einer Umfahrung von Puchheim wurden erstmals 1980 Vorerhebungen durchgeführt. 1987 wurde von der Gemeinde eine Durchführbarkeitsstudie mit fünf Varianten in Auftrag gegeben. 1991 wurde die Umfahrung von Puchheim im Bedarfsplan für Bundesfernstraßen in den „vordringlichen Bedarf“ aufgenommen. Als mögliche Ortsumfahrungen von Puchheim wurden daraufhin 1994/1995 vom Straßenbauamt München mehrere Trassenvarianten im Süden von Puchheim mit unterschiedlich langen Landschaftstunneln beziehungsweise Grünbrücken sowie als Alternative hierzu, nördliche Umgehungsvarianten untersucht.
Das Ergebnis dieser Untersuchungen zeigte, dass eine Nordtrasse als Alternative zu einer Südtrasse wegen des um etwa 30 Prozent höheren Flächenverbrauchs, nicht in Frage kam. Die Gemeinde, auf deren Gebiet der Großteil der geplanten Trasse verläuft, hatte sich mehrheitlich für eine Südumgehung mit Grünbrücke am Parsberg ausgesprochen.
Durch ein Gutachten wurde die ökologisch erforderliche Länge der Grünbrücke inklusive Randbereiche mit 50 Metern festgelegt. Auf Wunsch und auf Kosten der Stadt Puchheim wurde die Grünbrücke dann auf 80 Meter verlängert.

Nach eineinhalb Jahren rollte bereits der Verkehr


Am 8. Juli 2008 erfolgte der Spatenstich zu der neuen Ortsumfahrung. Zunächst wurde ein Brückenbauwerk an der westlichen Anschlussstelle errichtet, bevor ab März 2009 die Hauptteile der Bauarbeiten mit der Grünbrücke und dem Streckenbau begannen. Nur eineinhalb Jahre später rollte dann der Verkehr erstmals auf der neuen Straße.
Nach der Verkehrsfreigabe standen jedoch noch umfangreiche Bauphasen an. Zunächst musste die Anschlussstelle im Osten der Umfahrung, Richtung Germering, vollständig hergestellt werden. Zur Verkehrsfreigabe stand hier lediglich das Brückenbauwerk, das die zukünftige Gemeindeverbindungsstraße von Germering nach Puchheim über die neue B 2 führen soll. Es mussten noch Rampen zu der Überführung und die Anschlüsse an die neue Straße hergestellt werden.
Die Bauphase mit dem größten verkehrlichen Eingriff wurde im Mai 2011 durchgeführt. Der östliche Anschluss der neuen Straße an den Bestand war zunächst provisorisch hergestellt. Um die Straße dort in die endgültige Lage zu bringen musste die Bundesstraße voll gesperrt werden. Der Verkehr der kompletten B 2 wurde an der nun funktionsfähigen neuen Anschlussstelle im Osten ausgeleitet und durch Germering wieder auf die B 2 geführt. Auch die Kreuzung der Staatsstraße 2069 mit der alten B 2 musste noch an die neue Verkehrssituation angepasst werden. Für den nun bevorrechtigten Verkehrsstrom auf der Staatstraße wurde eine stetigere Linienführung der Straße im Kreuzungsbereich ausgebildet.
Der Starkregen vom 29. auf den 30. Juni 2011 ging auch an der neuen Straße nicht spurlos vorüber. Hier wurde durch den Regen, der in solch einer Intensität nur alle 50 Jahre auftritt, die Böschung eines Versickerbeckens der Straßenentwässerung so stark durchnässt, dass diese abrutschte. Folglich musste hier nochmals baulich eingegriffen werden. Restliche Arbeiten wie die Herstellung des begleitenden Wegenetzes, die Fertigstellung des Geh- und Radweges von Puchheim nach Germering und die Herstellung von Zäunen komplettierten die Bautätigkeit für die Umfahrung im Jahr 2011.
Als letzter Schritt steht die Begrünung der Straßennebenflächen an. Hier werden noch bis Frühjahr 2012, 330 Bäume und 10 600 Sträucher gepflanzt. Für den Eingriff in Natur und Landschaft wurde als Ausgleichsmaßnahme ein Ackergrundstück in eine extensive Wiese, die die Wiesenbrüterpopulation stärkt, umgewandelt.
Die Baukosten der gesamten Umfahrung belaufen sich auf 10,8 Millionen Euro. Für den Grunderwerb wurden insgesamt 3,4 Millionen Euro ausgegeben.
(Christian Mattmann)

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