Bauen

Blick in ein Patientenzimmer. (Foto: Bezirk Unterfranken)

04.03.2011

Fürstbischöfliche Zimmer

Umbau der Orthopädischen Spezialklinik Schloss Werneck

Lässt sich ein altehrwürdiges Schloss als Krankenhaus für Orthopädie nutzen? Widersprechen sich nicht denkmalgeschützte Bausubstanz und Nutzungsziel einer modernen Klinik? Welche Strukturen hat diese Bausubstanz und wie wird „Krankenhaus“ heute definiert? Ein großartiger Schritt des Bezirks Unterfranken, des Trägers, sich zu seinem Kulturgut Schloss Werneck und dem dort untergebrachten Krankenhaus für Orthopädie zu bekennen und ein mutiger Schritt der Regierung von Unterfranken ein zukunftsorientiertes Ziel neu zu definieren und mit zu finanzieren.
Vor 16 Jahren wurde das Architekturbüro Stich Ziegler Zirngibl beauftragt, im Schloss Werneck für die Krankenzimmer, die teilweise mit bis zu sechs Patienten belegt waren, Sanitärzellen mit WC und Dusche einzubauen. Nach aufwändigen Vorarbeiten und Analysen stellte sich schnell heraus, dass der Einbau nicht ohne beträchtlichen Bettenverlust einhergehen konnte. In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Bezirks und der Regierung von Unterfranken wurden durch die Architekten Konzepte zur Neuordnung der Orthopädie entwickelt: Auslagerung von zwei Stationen in einen Flügel des westlichen Vorschlosses; Neubau eines OP-Zentrums mit drei neuen OP-Sälen im ehemaligen Gartenhof sowie Umbau eines weiteren Flügels im Vorschloss für Notfallambulanz mit Eingriffsräumen, Intensivstation und Radiologie.
Erst nach Abschluss dieser drei Bauabschnitte konnte mit der eigentlichen Aufgabe im Hauptschloss begonnen werden. 2007 fiel der Startschuss für die eigentlichen Planungen am Hauptschloss. Wieder wurden umfangreiche Befunduntersuchungen fällig. Die große Herausforderung bestand jedoch darin, die Aufgabe „Neuordnung der Orthopädie“ den sich nunmehr deutlich veränderten Voraussetzungen anzupassen. Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor, der Bauverwaltung des Bezirks und den Fachingenieuren entwickelten die Architekten eine aufwändige Planung zum Umbau des historischen Schlosses unter der Berücksichtigung der kulturhistorischen Bedeutung des Bauwerks.
Das Entwurfskonzept verfolgt eine Annäherung oder Rückführung der Räume auf ein nachweisbares historisches Erscheinungsbild: Wiederherstellung historischer Raumgeometrien und Rückbau störender, fremder Ausbauelemente. Die Erhaltung und Restaurierung des Bestands sowie Freilegung der Raumschalen und farbliche Fassung oder im Einzelfall Teilrekonstruktion nach Befund unter Einbezug noch gut erhaltener Partien. Abnahme unsachgemäß ausgeführter oder schadhafter Überarbeitungen. Neuinterpretation alter Architekturelemente mit neuen Materialien.
Mit dem Baubeginn kamen die Überraschungen. Bausünden aus mehreren Jahrhunderten traten unter mehr oder weniger dicken Putzschichten zutage. Brandschutzmaßnahmen waren ein erheblicher Teil der Sanierungsmaßnahmen. Alte Kamine und Füchse, die für frühere Installationen der Haustechnik genutzt wurden, mussten freigelegt und saniert werden. Auswechselungen der historischen Holzbalkendecken waren statisch aufwändig zu ertüchtigen. Neue Brand- und Rauchschutztüren in filigraner Holz-/Glasoptik teilen Flure unauffällig in unterschiedliche Abschnitte.

Demontage aller Unterhangdecken


Die Wiederherstellung der alten Stuckaturen an den Decken und Wandsimsen waren nach Demontage aller Unterhangdecken wegen des schlechten Erhaltungszustands erheblich aufwändiger als die Voruntersuchungen erwarten ließen. In den Erdgeschossräumen wurden nach Rückbau der alten Röntgenabteilung historische Wandgemälde gefunden, diese wurden unter Putzschichten freigelegt und in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden restauriert und ergänzt. Es entstanden wieder die ursprünglichen großzügigen Raumgeometrien.
Das Entwurfskonzept der Architekten sah hier den Einbau von freistehenden Glasboxen als Nebenräume für die künftige Physiotherapie vor. Physiotherapie und Patientenzimmer erhielten diagonal verlegtes Würfelparkett in Eiche mit Nussbaum-Randfries. In den Fluren wurde ein Bodenbelag aus Bitu-Terrazzo mit farblich unterschiedlichen Randfriesen eingebaut. Die historischen Brüstungsbekleidungen in den Fluren wurden durch Glaspaneele neu interpretiert. Die Schwesternkanzeln der Stützpunkte nutzen historische Wandöffnungen und gewähren Überblick in die Flure und auf die Eingänge der Patientenzimmer. Die überbreiten Krankenhaustüren mit mittigem Nussbaumeinleger und Messingbeschlägen interpretieren die Proportionen der historischen Türen. Diese wurden, soweit vorhanden, restauriert und den heutigen Standards angepasst.
Die Patienten dürfen sich über großzügige Nasszellen freuen. In diesen wurden die Pflege- und Patientenschränke integriert und mit Raum hohen Glaselementen bekleidet. Zur Decke hin sind diese voll transparent und die umlaufende Stuckleiste mit LED-Beleuchtung lässt die ursprüngliche Raumgeometrie sichtbar werden. Lederne Wandbespannungen und Bekleidungen im Türbereich verbergen auf Putz verlegte Krankenhaustechnik und interpretieren barocke Wandgliederungen mit Supraporte neu. So erwartet den Patienten in fürstbischöflichen Räumen mit vier bis fünf Metern Raumhöhe über die Architekturelemente hinaus: Parkblick, Großbild-TV, Soundsystem mit iPod-Dock.
Die Eingangsfrage beantwortet Christian Hendrich, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Orthopädischen Krankenhauses: „Krankenhausneubauten haben vielleicht kürzere Wege – wir haben eine topmoderne Orthopädische Spezialklinik in einem Barockschloss, das ist weltweit einzigartig. Endlich können wir unsere Spitzenmedizin und Top-Pflege auch in einem passenden Ambiente anbieten.“ (Ottmar Zipperich)

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