Bauen

Bauen mit Holz gilt als klimafreundlich, da Holz beim Wachsen Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnimmt und speichert. Das ist zwar richtig, aber ob die Klimabilanz tatsächlich positiv ist, hängt auch von der Herkunft ab. (Foto: Holz von Hier)

29.09.2015

Klima- und Umweltschutz mit Holz der kurzen Wege

Das Umweltzeichen "Holz von Hier"

Je mehr wir erkennen, dass die Menschheit mit Ressourcen verschwenderisch und gefährlich unachtsam umgeht, um so bedeutender wird die Nachhaltigkeit der Produkte und Materialien, die wir verwenden. Hier hat Holz eine Schlüsselposition, es ist gewissermaßen Spitzenreiter unter den nachhaltigen Produkten und Materialien. Denn, anders als viele Rohstoffe oder Produkte wie Öl oder Plastik steht Holz als nachwachsender Rohstoff zumindest theoretisch unbegrenzt zur Verfügung. Praktisch ist das aber nur der Fall, wenn Holz nachhaltig produziert wird. Die zertifizierte nachhaltige Forstwirtschaft hat hier eine wichtige Bedeutung, sowohl bei uns und vor allem auch in Ländern mit Primärwäldern, denn bisher sind in Asien, Afrika und Lateinamerika, also Ländern mit den letzten tropischen Primärwäldern nur ein bis fünf Prozent der dortigen Waldflächen mit nachhaltiger Forstwirtschaft ausgezeichnet.
Das alleine macht aber ein Holzprodukt noch nicht ganzheitlich nachhaltig und umweltfreundlich. Andere für die Nachhaltigkeit entscheidende Aspekte werden heute oft noch außer Acht gelassen: vor allem die Klima- und Umweltbelastung entlang der gesamten Verarbeitungskette insbesondere durch immer mehr zunehmende Transporte. Die junge bundesweite gemeinnützige Initiative HOLZ VON HIER setzt sich für eine umfassend nachhaltige, umwelt- und klimafreundliche Verwendung von Holz ein und will das Bewusstsein dafür schaffen, welche Bedeutung die Herkunft für die Umweltwirkung hat und dass es neben der wichtigen zertifizierten Waldwirtschaft, zudem auf die Klimabilanz und die kurzen Stoffströme auch bei Holzprodukten ankommt.
Holz von Hier steht ein nationales Kuratorium aus verschiedenen Stakeholdern wie zum Beispiel dem Deutschen Landkreistag, dem Deutschen Naturschutzring, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege, dem Bundesverband der Innenarchitekten, dem Vorsitzenden der Jury Umweltzeichen und anderen vor. Auch die Branche ist über gewählte Mitglieder aus verschiedenen Fachbeiräten vertreten. Holz von Hier hat inzwischen ein breites Partnernetzwerk aus über 80 Organisationen, Institutionen, Verbänden, Einrichtungen und anderem auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, die die Ziele von Holz von Hier unterstützen und mit kommunizieren. Um entsprechende Produkte aus heimischem Holz der kurzen Wege zu fördern wurde ein fremdüberwachtes gleichnamiges Klima- und Umweltlabel HOLZ VON HIER entwickelt, dass solche kurzen Stoffströme bei Holzprodukten und Holzgebäuden auszeichnet.
Welche Bedeutung die Transporte im gesamten Stoffstrom für die Ökobilanz von Produkten haben können soll kurz an einigen Beispielen gezeigt werden. Denn, der zunehmend globalisierte (Waren-) Verkehr ist die drittgrößte Ursache für den Klimawandel.
Im Bereich der Rohstoffe und Holzhalbwaren ist Deutschland der drittgrößte Importeur und gleichzeitig der drittgrößte Exporteur der Welt. Beim Schnittholzimport liegt Deutschland auf Platz vier und beim Export auf Platz sechs. Würde man solche gegenläufigen und quantitativ überflüssigen Warenströme vermeiden und stattdessen regionale Stoffkreisläufe schließen, lägen die CO2-Minderungspotenziale um das 10-fache über denjenigen des Ausbaus aller Kleinwasserkraftreserven in Deutschland. So stammt beispielweise mehr als 80 Prozent des Lärchenholzes, das bei uns für Fenster und Fassaden eingesetzt wird, aus Russland, obwohl qualitativ sehr gute Lärchenbestände auch bei uns vorkommen. „Sibirische Lärche“ findet sich jedoch als angebliches Qualitätsmerkmal immer noch hartnäckig in Ausschreibungen auch für öffentliche Gebäude. Zunehmend kommen aber auch die Rohstoffe für „KVH“ und andere Leimholzprodukte aus Skandinavien, Polen oder Russland.

Die Herkunft entscheidet über eine positive Klimabilanz

Bauen mit Holz gilt als klimafreundlich, da Holz beim Wachsen Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnimmt und speichert. Das ist zwar richtig, aber ob die Klimabilanz tatsächlich positiv ist, hängt auch von der Herkunft ab. So bindet ein Kubikmeter Nadelholz etwa eine Tonne CO2. Stammt das Holz dabei aus der Region, so entspricht dies nahezu der Nettobilanz. Wird dagegen sibirisches Holz verwendet, sind damit CO2-Emissionen von teils mehr als einer Tonne pro Kubikmeter Schnittholz verbunden - die Klimabilanz ist negativ. Wer nun sein Holzhaus aus Fichte von einem örtlichen Zimmerer bauen lässt, könnte meinen, dass dann auch das Holz aus der Region stammt - und irrt damit immer öfter. Insbesondere bei weiter verarbeiteten Leimholzprodukten beziehen immer mehr auch örtliche Produzenten das Rohmaterial hierzu von weit her. Der örtliche Zimmereibetrieb weiß oft meist nicht mehr, woher das Holz letztlich eigentlich stammt, das er verbaut. Nur mit einem entsprechenden Nachweis nach Holz von Hier kann sich ein Kunde daher sicher sein, dass das vom örtlichen Betrieb verbaute Holz auch geschlossen aus regionaler Verarbeitung stammt.
Auch bei Fenstern hat Holz seinen Platz. Moderne Holzfenster sind pflegeleichte High-Tech-Produkte mit besten Wärmedämmwerten. Sie haben zudem eine bessere Ökobilanz als Fenster aus PVC oder Aluminium. Allerdings kommt es hier auch sehr darauf an, woher das Holz stammt. Im Fensterbau kommt beispielsweise traditionell und heute immer noch vielfach die international gefährdete tropische Holzart Meranti zum Einsatz. Klassische heimische Alternativen sind Eiche, Lärche, Kiefer oder Fichte als Holz- oder Holz-Alu-Fenster. Jedoch auch hier kann das Holz ohne Herkunftsnachweis für kurze Wege im Stoffsrom sehr lange Transporte hinter sich haben, zum Beispiel mit Lärchenholz oder Fichte aus Russland. Weitere Alternativen sind Thermohölzer aus heimischer Produktion.

Holz im Innenausbau und Möbelbau

Auch im Innenausbau und Möbelbau spielt Holz eine wichtige Rolle und über Art und Herkunft des verwendeten Holzes kann der Kunde oder Bauherr einen großen Einfluss auf die Umweltwirkung nehmen. Gerade Hölzer für den Innenausbau stammen oft aus Import und fragwürdigen Quellen, wie etwa die 70 verschiedenen tropischen Holzarten, die für unterschiedliche Zwecke auf den deutschen Markt gelangen. Hiervon sind alleine 30 international gefährdete Baumarten (Analyse Holz von Hier auf der Basis der Internationalen Roten Liste von IUCN). Hierunter fallen zum Beispiel Bongossi, Dibetou, Ebenholz und Zebrano und viele andere (siehe Holz von Hier Holzeinkaufsratgeber unter www.holz-von-hier.de/downloads). Nur zehn (von 70) dieser tropischen Hölzer, die nicht international gefährdet sind, sind gleichzeitig mit einem Nachhaltigkeitszertifikat erhältlich. Es lohnt sich daher, über nachweislich heimische Alternativen nachzudenken. Etwa 60 verschiedene heimische Baumarten kommen hier in Frage, die teils Tropenhölzern in Schönheit in nichts nachstehen und aus denen sich Fußböden und hochwertige Möbel fertigen lassen.
Gerade auch Holz im Garten und Außenbereich ist oft ein klassischer Einsatzbereich für Tropenhölzer. Vielfach entspringt diese Nachfrage jedoch dem verbreiteten Irrtum, Tropenholz sei dauerhaft und heimische Hölzer seien dies nicht. Dabei gibt es heimische Holzarten, die auch unbehandelt die Haltbarkeit mancher tropischer Terrassenhölzer sogar übertreffen. Robinie und Edelkastanie schaffen dies und Eiche zieht zumindest mit vielen Tropenhölzern gleich. Auch Kiefer, Lärche, Tanne und Douglasie eignen sich für den Außenbereich oder für Fassaden. Gerade im Außenbereich kommt dem Thermoholz eine besondere Bedeutung zu. Es eignet sich hervorragend für Terrassen oder Fassaden und weist eine deutlich bessere Umweltbilanz auf, als Tropenholz. So sind mit Schnittholz für 25 Quadratmeter Terrassendielen aus Bangkirai so viele Kohlendioxidemissionen verbunden, wie sie ein Bundesbürger im Durchschnitt durch ein Jahr Autofahren verursacht. Jedoch auch für die heimischen Holzarten für den Außenbereich und für Thermoholz ist der Herkunftsnachweis Holz von Hier wichtig, denn diese Hölzer stammen heute alle auch aus Importen, teils mit unsicherer Herkunft.

Warum ein Herkunftsnachweis?

Einem Holzprodukt sieht man aber natürlich nicht an, woher das Holz stammt und welche Entfernungen es hinter sich hat. Auch die Nachfrage nach Holzarten, die potentiell bei uns wachsen, sichert noch keinen Klimaschutz, denn alle heimischen Holzarten werden ebenso importiert. Zu diesem Zweck wurde das bundesweit einheitliche Zertifikat „HOLZ VON HIER“ entwickelt. Es gibt den ökologischen Fußabdruck von Holzprodukten wieder und es garantiert und dokumentiert kurze Transporte entlang der gesamten Verarbeitungskette vom Wald an. Mit einem gezielten Einkauf von Produkten mit dem Nachweis HOLZ VON HIER kann man selbst ganz praktisch viel zum Klimaschutz beitragen. Anbieter und Hersteller entsprechender Produkte finden sich unter www.holz-von-hier.de/Betriebe oder auf der Holz von Hier-APP. Verbraucher können ihren Lieferanten oder Handwerksbetrieb gezielt nach einem Zertifikat von Holz von Hier für das gelieferte oder verbaute Holz fragen.
Aber auch für die öffentliche Hand ist das Umweltlabel Holz von Hier von Bedeutung, da die zugrunde liegenden Kriterien auch in öffentlichen Ausschreibungen integriert und gefordert werden können. Hierdurch haben öffentliche Beschaffer und Bauherren die Möglichkeit, nicht nur einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten sondern auch noch die Wertschöpfung in den Regionen zu unterstützen. Ein "Praxisleitfaden nachhaltiges Bauen und Beschaffen mit Holz" (http://bit.ly/hvh-Praxisleitfaden) weist kommunalen uns sonstigen Entscheidern wie auch Planern und Architekten einen konkreten Weg. Holz von Hier berät Kommunen kostenfrei in Fragen der konkreten Umsetzung nachhaltiger Beschaffung und nachhaltigen Bauens bei Ausschreibung, Markterkundung. Hierfür steht Holz von Hier ein Expertennetzwerk mit namhaften Experten in den Bereichen Vergabe und Ausschreibung, Architektur und Holzbau zur Seite. (BSZ)

(Das Logo von "Holz von Hier" und die Anlieferung von Holzfertigteilen für den Hausbau - Fotos: Holz von Hier)

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