Bauen

Der 1. Platz ging an die Erneuerung des Wertachtalübergangs bei Nesselwang. (Foto: Dr. Schütz Ingenieure)

13.02.2015

Kreativ und innovativ

Ingenieurpreis 2015 wurde im Rahmen des 23. Ingenieuretags verliehen

Neue Anforderungen und neue Entwicklungen brauchen auch neue Impulse und neue Lösungen, erklärte der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Heinrich Schroeter, im Rahmen des 23. Ingenieuretags, in dessen Verlauf auch der Ingenieurpreis 2015 verliehen wurde. Vor diesem Hintergrund, so Schroeter, gewinnen herausragende Ingenieurleistungen und technische Innovationsstärke weiter an Bedeutung.
„Wenn es um Innovationen geht, sind wir Ingenieure Spitzenklasse.“ Und genau darum ging es auch bei der Vergabe des Ingenieurpreises. Aus diesem Grund hat die Kammer dieses Mal das Thema „Ingenieure setzen Maßstäbe“ gewählt. „Denn wir Ingenieure setzen Maßstäbe: Für eine funktionierende Infrastruktur und für die Sicherheit von Bauwerken; für ein zukunftsfähiges und verantwortungsvolles Planen und Bauen sowie für einen Wettbewerb bei Qualität und Innovation.“
Der Berufsstand der Bauingenieure leistet nach den Worten des Kammerpräsidenten einen wertvollen Beitrag zur ökonomischen und baukulturellen Entwicklung. „Wir setzen bedeutende Impulse für Zukunftsfähigkeit, Innovation und wirtschaftlichen Erfolg. Eben: Wir Ingenieure setzen Maßstäbe.“

Ein neu
entwickelter Bauvorgang


Mit dem mit 6000 Euro dotierten ersten Platz des Ingenieurpreises 2015 wurde das Ingenieurbüro Dr. Schütz Ingenieure aus Kempten mit der „Erneuerung des Wertachtalübergangs bei Nesselwang – Neuartiger Bauvorgang durch gleichzeitigen Verschub des neuen und des alten Überbaus“ ausgezeichnet. Das Besondere des Projekts war: Durch einen neu entwickelten Bauvorgang war der gleichzeitige Verschub des neuen und der Ausschub des alten Überbaus möglich. In der Jurybegründung heißt es daher:
„Das Bauverfahren und die Ausführungsplanung zur Teilerneuerung der Wertachtalbrücke im Zuge der B 309 erfüllen in optimaler Weise die Anforderungen, die durch den Bauherren vorgegeben waren. Insbesondere werden die Eingriffe in den schutzwürdigen Talraum weitestgehend vermieden.
Das Herausschieben des alten Überbaus, gekoppelt mit dem neuen, ist eine Innovation, durch die auf den Einsatz eines Vorbauschnabels verzichtet werden konnte. Dadurch wurde eine sehr wirtschaftliche, umweltverträgliche Lösung erreicht, die auch eine relative kurze Bauzeit ermöglichte.“ Die Originalität des Bauverfahrens bestand für das Preisgericht darin, „dass ein im Neubau gängiges Verfahren unmittelbar auch für den Rückbau mitgenutzt wird. Die Nutzung des bestehenden Überbaus als Vorbauschnabel trägt durch die reduzierte Überbaubeanspruchung im Bauzustand zu einer Ressourcenschonung bei. Ressourcen werden im Übrigen auch dadurch eingespart, dass bei der neuen Überbaukonstruktion auch Teile des alten Überbaus mitverwendet werden.“ Das Verfahren habe Potenzial, auch bei künftigen Bauvorhaben mit vergleichbaren Rahmenbedingungen genutzt zu werden. Die Innovation des Bauverfahrens, die erzielbare Ressourcenschonung und das Potenzial für künftige Nutzungen wurden daher mit dem ersten Preis des ausgelobten Bayerischen Ingenieurpreises 2015 gewürdigt.

Eine eher kleine, fast unscheinbare Lösung


Der zweite Platz, dotiert mit 4000 Euro, ging an inrotec Ingenieurbüro für Innovative.Rohr.Technologie GmbH aus Markt Erlbach (Mittelfranken) für die „Neuerrichtung der Schiffsanlegestelle für die Regensburger Kristallflotte“. Bei der mit dem zweiten Preis ausgezeichneten Arbeit handelt es sich auf den ersten Blick um eine eher kleine, fast unscheinbare Lösung, die jedoch, so die Begründung der Jury, die geforderten Kriterien des Bayerischen Ingenieurpreises (unter anderem Originalität und Kreativität, Innovationskraft und Nachhaltigkeit) „in beinahe exemplarischer Weise erfüllt“. Die zum Gebrauchsmusterschutz angemeldeten „System-Schwimm-Dalben“ ermöglichen die Errichtung einer neuen Schiffsanlegestelle inmitten der Altstadt von Regensburg, ohne die Silhouette des UNESCO-Welterbes in irgendeiner Form zu beeinträchtigen.
Unter Dalben versteht man die Verbindung von mehreren Pfählen zum Beispiel aus Holz, Stahl oder Beton, an denen Schiffe festgemacht werden.
Basierend auf einer zweiteiligen Konstruktion aus Schwimm- und Fest-Dalbe, deren Funktionsweise allein auf dem archimedischen Prinzip gründet, kommt es ohne Hydraulik aus und gewährleistet insofern die Realisierung eines ebenso dauerhaften wie wirtschaftlichen Elements, das sich für den Einsatz bei ähnlichen Aufgabenstellungen auch an anderen Orten empfiehlt.
Einen Sonderpreis erhielt die AJG Ingenieure GmbH aus München für die „Errichtung einer Überdachung für den Großmengenwertstoffhof an der Mühlangerstraße in München“. Um die Recyclingquoten zu erhöhen, entwickelte der Abfallwirtschaftsbetrieb München das Konzept von Großmengenwertstoffhöfen. Die Münchner Bürger können in zwei „Wertstoffhof plus“ genannten Großmengenwertstoffhöfen größere Mengen von Abfall anliefern. Die notwendige Tragwerksplanung für die beiden Großmengenwertstoffhöfe übernahm die AJG Ingenieure GmbH. Dazu gehörten auch die Planungen für die wettergeschützte Überdachung der Containeraufstellflächen.
Der Wettbewerbsbeitrag zeigt laut Jury beispielhaft, wie eine alltägliche Aufgabe durch kongeniale Zusammenarbeit von Bauherr und Planern kreativ und großzügig gelöst werden kann, ohne die gebotene Wirtschaftlichkeit in Frage zu stellen. Obwohl nicht alle Kriterien der Auslobung erfüllt waren, zeichnete das Preisgericht den Beitrag mit einer lobenden Erwähnung aus. (Friedrich H. Hettler)

(Die neue Schiffanlegestelle für die Regensburger Kristallflotte wurde mit dem 2. Platz ausgezeichnet; den Sonderpreis gab es für die Überdachung des Großmengenwertstoffhofs an der Mühlangerstraße in München - Fotos: inrotec Ingenieurbüro/AJG Ingenieure) 

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