Bauen

Der neue Bootshafen für die Würzburger Feuerwehrschule. (foto: Staatliches Bauamt Würzburg)

27.06.2014

Neben Grillplatz und Skateranlage

Neuer Bootshafen für die Feuerwehrschule Würzburg

Der neue Bootshafen für die Feuerwehrschule Würzburg ist direkt an die Bundeswasserstraße, den Main, angegliedert und damit nur etwa 400 Meter Fußweg vom Zentrum der Feuerwehrschule entfernt. In der Mainaue neben einem Grillplatz und dem Skaterplatz gelegen bereichert er als weitere Facette das Naherholungsgebiet und integriert sich so in das städtebauliche Gesamtkonzept des Stadtbilds Zellerau.
Im Jahr 2010 erhielt das Staatliche Bauamt Würzburg den ungewöhnlichen Planungsauftrag für ein Wasserbauwerk, einen Bootshafen für die Feuerwehrschule auf dem Grund des Freistaats Bayern sowie der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu konzipieren. Start der umfangreichen Voruntersuchungen und Planungsüberlegungen waren eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung in der biotopgeschützten Mainaue, ökologische Bestandserhebungen sowie eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, die umfangreiche Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen wie Neupflanzungen und die Anlage einer Streuobstwiese auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) bewirkten.
Die sondengestützte Überprüfung des Geländes auf Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg ergab, dass wegen der Fülle von Störpunkten eine baubegleitende Kampfmittelüberwachung und -räumung notwendig war. Bodenerkundungen ergaben, dass die schwach belasteten Auffüllungen und der Ablagerungsschutt aus der Nachkriegszeit auf dem Muschelkalkfels höhere Entsorgungskosten bewirken.
In hydrologischen Berechnungen im Abfluss- und Überschwemmungsbereich des Mains konnte gezeigt werden, dass mit dem geplanten Bauwerk nur unwesentliche und örtlich eng begrenzte Veränderungen der Wasserstände hervorgerufen werden. Lärmberechnungen im Plangenehmigungsverfahren ermittelten, dass der Immissionsrichtwert nur durch die Großgeräte des Baustellenbetriebs, nicht aber durch den Bootsbetrieb überschritten wird.
Das Gelände für den Hafen wird begrenzt von zwei großen Abwasserkanälen zum Main und einer Schrebergarten-Kolonie, die zum Hafengebiet mit dem Mainwander- und dem Mainradweg (unter letzterem ist eine 110 kV-Leitung verlegt) abschließt. Auf der Mainseite muss der Sicherheitsabstand zur Schifffahrtsstraße eingehalten werden. Diese Vorgaben definierten die mögliche Hafengröße.
Über einen begrünten Weg aus Rasenwaben kann das etwa 100 Meter lange und 25 bis 27 Meter breite Hafenbecken angefahren werden. Die Größe ist für fünf acht Meter lange Boote ausgelegt, die über eine Sliprampe in das zwei Meter tiefe Wasserbecken eingebracht werden. Eine etwa 72 Meter lange Mole grenzt das Hafenbecken von der Bundeswasserstraße ab und sorgt für eine geschützte Wasserfläche.
Die Boote können von der Kaimauer und der Mole bestiegen, beladen und auch verlassen werden. Der Fußweg wurde barrierefrei an das Hafenbecken herangeführt. Dort können Spaziergänger auf zwei Sitzstufenanlagen aus Muschelkalkblöcken Pause machen und die Feuerwehrübungen beobachten. Ein schlichtes Geländer ermöglicht den freien Blick auf Hafenbecken sowie Mole und gewährleistet zugleich die Verkehrssicherheit. Eine Informationstafel vermittelt den Bürgern die Aufgaben der Feuerwehr auf dem Wasser.
Das statische Stützgerüst des Bootshafens bilden die etwa 400 überschnittenen Großbohrpfähle mit einem Durchmesser von 0,75 Metern, die in den Felsen eingebunden sind. Vor die Großbohrpfähle sind Fertigteilwände gestellt, die zwei Meter in den Wasserkörper eintauchen und einen vertikalen Abschluss zur Wasserfläche bilden.
Auf den Bohrpfahlköpfen liegen die Übungsplattformen mit etwa 1,50 Meter Breite und ermöglichen sowohl auf der Kaimauer als auch auf der Mole den Zustieg. Die Kaimauer bildet den Übergang zum etwa 1,0 bis 1,7 Meter höheren Gelände. Sie ist mit einer Bruchsteinmauer aus gesägten Muschelkalksteinen im unregelmäßigen Schichtenmauerwerksverband verkleidet und soll sich zusammen mit den Muschelkalkblöcken der Sitzstufen und der Mole in das Landschaftsbild integrieren.
Wasserbausteine sichern die Mole gegen Wellenschlag und bilden mit ihren Hohlräumen gleichzeitig Unterschlupf für die Fische. Im Bereich der Gewässersohle an der Hafeneinfahrt wurden auf Anraten der Fischerei zusätzlich Steinschüttungen angelegt, um Fischen im Winter weitere Rückzugsmöglichkeiten und Laichgebiete anzubieten.
In einem Kunstwettbewerb konnten einheimische Künstler mit ihren Ideen und Interpretationen zum Bootshafen das Thema „Feuerwehr auf dem Wasser“ bereichern. Der Preisträger Matthias Engert aus Würzburg hat sein Kunstwerk mit dem Titel „Bug, Wellensäule und Flammen“ auf die Molenspitze gestellt. Von dort grüßt es zukünftig als markantes Erkennungszeichen des neuen Bootshafens die vorbeifahrenden Schiffe, aber auch die Spaziergänger und Radfahrer entlang des Mains.
Der Bau des Hafens musste außerhalb des Winters mit seinen regelmäßig wiederkehrenden Winterhochwassern stattfinden, da bereits bei einem leichten Anstieg des Wasserstands die Baustelle vollständig geflutet worden wäre und es zu Abschwemmungen und Eintrübungserscheinungen im Main hätte kommen können. Allerdings hat eines der seltenen Sommerhochwasser die Baustelle überrascht. Glücklicherweise konnte dank der Warnung des Hochwassernachrichtendienstes alles Gerät rechtzeitig und umsichtig geräumt werden, sodass kein wesentlicher Schaden entstand.
Die Gesamtkosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro wurden eingehalten und das Bauwerk termingerecht zum ersten Kurs der Bootsführerausbildung im Jahr 2014 fertiggestellt und übergeben. (BSZ)

(Die Gesamtkosten für den neuen Bootshafen betrugen 3,3 Millionen Euro; Kunst am Bau: "Bug, Wellensäule und Flammen" - Fotos: Staatliches Bauamt Würzburg)

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