Bauen

Das neue Wunsiedeler Biomasse-Heizkraftwerk. (Foto: SWW Wunsiedel)

30.03.2012

Öko-Strom für 2000 Haushalte

Neubau eines Biomasse-Heizkraftwerks sowie eines Pelletwerks in Wunsiedel

Die WUB-Bioenergie GmbH hat in der oberfränkischen Stadt Wunsiedel ein Biomasse-Heizkraftwerk mit angeschlossenem Pelletwerk errichtet. Die Anlagen wurden am 5. März 2012 offiziell in Betrieb genommen. Gesellschafter der WUN-Bioenergie GmbH sind die Stadtwerke Wunsiedel (SWW), die GELO Holzwerke aus Weißenstadt, German Pellets und die beiden regionalen Waldbauernvereinigungen. Das Biomasse-Heizkraftwerk wird aus 14 000 Tonnen Holzhackschnitzeln sechs Millionen kWh Strom und 16 Millionen kWh Wärme im Jahr erzeugen.
Der gewonnene Strom wird in das Netz der SWW Wunsiedel eingespeist und kan rein rechnerisch den Bedarf von 2000 Durchschnittshaushalten decken. Mit Hilfe der anfallenden Wärme werden aus den Holzspänen Pellets hergestellt, die wiederum etwa 5000 Haushalte mit Wärme versorgen können. Die mögliche regionale Wertschöpfung bezifferte Wunsiedels Erster Bürgermeister Karl-Willi Beckm bezogen auf den aktuellen Rohölpreis, auf rund elf Millionen Euro im Jahr, die in der Region verbleiben und für zusätzliche Kaufkraft sorgen.

Produktionskapazität
von 35 000 Tonnen


Das Pelletwerk in Wunsiedel verfügt über eine Produktionskapazität von jährlich 35 000 Tonnen. Das oberfränkische Projekt setzt ausschließlich auf eine regionale Wertschöpfung. Holz und Sägespäne für das Biomasse-Kraftwerk und die Pelletproduktion kommen aus dem waldreichen Fichtelgebirge und ansässigen Sägewerksbetrieben.
German Pellets hat dafür unter anderem mit dem Hauptanteilseigner, der SWW Wunsiedel, einen langfristigen Exklusivpartnervertrag geschlossen. Der regionale Energieversorger setzt neben konventionellen Energiequellen zunehmend auch auf erneuerbare Energien und betreibt mehrere Pelletheizanlagen in der Region, weitere sind in Planung. Diese werden mit den Pellets aus Wunsiedel beliefert. Die Stadtwerke Wunsiedel werden künftig auch selbst als Pellethändler im Fichtelgebirge tätig sein. Nach Ansicht von German Pellets besitzt die Projektpartnerschaft auch Modellcharakter für weitere Joint Ventures mit regionalen Energieversorgern.
Das Biomasse-ORC-Heizkraftwerk ist ganzjährig rund um die Uhr in Betrieb, bis auf die Revisionszeiten. Der Werks- und Lieferverkehr sowie sonstiger Nebenverkehr erfolgt per Lkw beziehungsweise Pkw. Die Anlieferung des Brennstoffs erfolgt ganzjährig durchgehend.

Thermoöl als Wärmeträgermedium


Das Heizkraftwerk hat eine maximale Feuerungswärmeleistung von 4,8 Megawatt (MW). Die elektrische Leistung der ORC-Turbine im Nennbetrieb beträgt rund 0,8 MW. Die nutzbare thermische Leistung des Heizkraftwerks liegt bei 3,2 MW. Die im Normalfall bereits zerkleinerten Holzhackschnitzel werden nach der Maipulation und Zwischenlagerung auf einer automatischen Vorschubrostfeuerung verbrannt.
Die dadurch erzeugten, rund 950 Grad Celsius heißen Rauchgase erwärmen ein synthetisches Thermoöl in einem Thermoöl-Anhitzekessel mit Economiser von 255 auf 312 Grad Celsius. Das erhitzte Thermoöl dient als Wärmeträgermedium und wird dem ORC-Modul zugeführt. Die ORC-Anlage produziert durch einen Kreisprozess nach dem Prinzip des Organic Rankine Cycle auf Basis eines organischen Fluides (Silikonöl) elektrischen Strom und Niedertemperaturwärme. Die Niedertemperaturwärme, die am Kondensator der ORC-Anlage anfällt, wird den Wärmeverbrauchern (Spänetrockner und interne Gebäudeheizung) über ein Wärmeverteilnetz zugeführt.
Das Pelletwerk verarbeitet naturbelassne Sägewerksnebenprodukte (Sägespäne und Hackschnitzel) zu Holzpellets. Es werden fast ausschließlich Nadelhölzer eingesetzt.
In der Trocknungsanlage werden die Sägewerksnebenprodukte getrocknet. Die nassen Späne und Hackschnitzel (Wassergehalt = 50 Prozent) werden mittels Zugboden in die Nassspanaufbereitung befördert, wo sie gesiebt, bei Bedarf mechanisch zerkleinert und zum Bandtrockner weitergefördert werden. Der Niedertemperatur-Bandtrockner nutzt den Großteil, der im Biomasse-ORC-Heizkraftwerk erzeugten Wärme zur Trocknung der Späne.
Nach der Trocknung auf einen Wassergehalt von rund zehn Prozent werden die Späne zu Pufferung und weiteren Homogenisierung in das Trockenspansilos transportiert. In der anschließenden Pelletierung werden die Späne unter definiertem Zusatz von Wasser, Bindemittel (Stärke) und Fett zu Holzpellets verpresst, welche wiederum in den Pelettsilos bis zur Verladung eingelagert werden. (BSZ)

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