Bauen

Das Mannheimer Schloss. (Foto: Neumann)

02.10.2014

Wieder aufgebautes Palais

In Mannheim steht das zweitgrößte Barockschloss Europas

Nur wenige wissen es: Mannheim hat die zweitgrößte geschlossene Barockanlage Europas. Platz 1 belegt Schloss Versailles in der Nähe von Paris. Und damit es auch den kleinen feinen Unterschied zu den Franzosen gibt, hat das Mannheimer Barockschloss exakt ein Fenster mehr als die Anlage in Frankreich. Noch eine Besonderheit gibt es in Mannheim: Vom Barockschloss ausgehend – und exakt auf dieses immer wieder hingerichtet – sind die so genannten Mannheimer Quadrate. Das heißt, die Innenstadt wurde nach Häuserblöcken und nicht – wie sonst in Deutschland üblich – nach Straßenzügen eingeteilt.
Die Schloss-Anlage ist sehenswert: Am gesamten Gebäude wurde das rechtwinklige, gleichmäßige Bauprinzip dieser Quadratestadt architektonisch aufgegriffen. Zu beiden Seiten hin sind im mittleren Baukomplex – jeweils im rechten Winkel – langgestreckte Flügel angefügt. Die Hauptfront läuft exakt parallel zu den gegenüberliegenden Stadtquadraten. Die zur Innenstadt liegende Schlossseite ist 440 Meter lang und auch der Endpunkt von insgesamt sieben Parallelstraßen.
Das Barockschloss in Mannheim wurde zwischen 1720 und 1760 erbaut. Die Barockkunst hat keine starren Formen, sie wirkt heiter bis verspielt. Alle strengen Formen der Renaissance sind hier aufgelöst worden: Kuppeln, Giebel, Säulen und Fenstergruppen wurden reich verziert. Lichteffekte werden zusätzlich effektvoll genutzt.

Dreistöckige Fassade


Das Mannheimer Schloss hat mehrere Flügel: Ostflügel, Ehrenhof-Ost, Mittelbau, Ehrenhof-West, Süd- und Westflügel. Die meist dreistöckigen Fassaden sind langgestreckt. Die in dem Barockbau eingefügten vierstöckigen Pavillons beleben das Bild und lockern so die vorherrschende Strenge der rechtwinkeligen Architektur wieder auf.
Die historische Innenausstattung des Hauptgeschosses galt als Gesamtkunstwerk von europäischem Rang. Zu dem Ensemble gehören auch Schlosskirche und Bibliothek. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört und sollte abgerissen werden. 1947 hatten es sich die Stadtverantwortlichen aber anders überlegt; man begann mit dem Wiederaufbau, der 2007 mit der Einweihung des neuen Schlossmuseums beendet werden konnte.
Nach der Barockzeit folgte der Klassizismus, der sich auch in dem Zeughaus widerspiegelt. Dieses Gebäude stammt aus dem Jahr 1779. Der Übergang von spätbarocken Formen zum Klassizismus wird in der deutschen Kunstgeschichte oft auch als Zopfstil bezeichnet – barocke Blumengirlanden wurden zu einem dünnen Band „geflochten“. Der Klassizismus in der Architektur beinhaltet Formen des griechischen Tempelbaus; lehnt sich aber auch an die Elemente der italienischen Frührenaissance an. Griechische und römische Vorbilder standen im Mittelpunkt. Ab 1790 wurde der Klassizismus – da wuchtige Formen bevorzugt wurden – auch gerne als Revolutionsstil bezeichnet.
Und wer gerne während seines Mannheim-Aufenthalts in einem unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Neo-Renaissance-Stil übernachten möchte, der ist im Maritim Parkhotel genau richtig. Dieses Gebäude ist das älteste Hotel der Stadt und wurde 1901 erbaut. Es liegt zentral am Friedrichsplatz, umgeben von Jugendstilbauten und direkt gegenüber vom Wasserturm, dem Wahrzeichen der Stadt.
Im Zweiten Weltkrieg war das Haus stark beschädigt worden und auch hier hatte man überlegt, es abzureißen. Es kam aber anders: 1980 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und nach aufwendigen Renovierungsarbeiten 1984 als Maritim Parkhotel eröffnet. 2001 musste nochmals renoviert werden; die Eingangshalle im Jugendstil wurde wieder komplett hergestellt. Heute hat das historische Gebäude für seine Gäste 173 elegant eingerichtete Zimmer.
Die Neo-Renaissance, die sich an diesem Ort widerspiegelt, ist eine Form des Historismus. Ihre Blütezeit hatte die Neo-Renaissance zwischen 1870 und 1885. (Sabine Neumann)

(Das Maritim-Parkhotel ist im Stil der Neo-Renaissance erbaut - Foto: Neumann)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 2 (2018)

Sind obligatorische Alterstests für jugendliche Flüchtlinge sinnvoll?

Umfrage Bild
 
arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2017

Ausgabe vom
24. November 2017

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 18 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.