Bayern forscht

Blühende Rapsfelder: Die Pflanze gewinnt immer mehr Bedeutung in der Energiewirtschaft, die Nutzung für die menschliche Ernährung könnte dadurch aber gefährdet sein. (Foto: DAPD)

09.12.2011

Die neue Kraft aus gelben Feldern

Die FH Coburg entwickelt mit „Diesel regenerativ“ einen Brückenkraftstoff für herkömmliche Fahrzeugtechnik

Sauerstoff hält uns am Leben und gibt uns dafür die nötige Energie. Dagegen entzieht uns die radioaktive Strahlung des Isotops Uran die Lebenskraft: Für Menschen hat der Kontakt mit dem Stoff unter Umständen tödliche Folgen. Oft können nur Chemiker den Wert der Elemente in der Natur oder im Reagenzglas (ein)schätzen, doch auch Elektrotechniker wenden sich vermehrt Forschungen zur Antriebskraft von Fahrzeugen zu. So erzeugt Kohlenstoff vor allem in seinen Verkettungen die Energie, um ein Auto in Bewegung zu setzen, bekannt sind die Namen Benzin und Diesel, seit März dieses Jahres auch E 10.
Wie jedoch aus dem Rohstoff Kohlenstoff die optimale Kraft geschöpft werden kann, ist noch unklar. Ob in Pferdestärken, Kilometer pro Stunde oder Ausstoß von schädlichen Abfallprodukten pro Kubikmeter Luft gemessen – bislang haben die Erdöl-Produkte schon gute Dienste geleistet. Doch nach bisherigen Schätzungen werden das umweltschädliche Erdöl in etwa 50 Jahren verbraucht sein.


Praxistest mit Ministerialen


Ganz unabhängig von fossilem Erdöl suchen Wissenschaftler der Fachhochschule Coburg nach alternativen Antriebsquellen: Sie wollen die Übersetzung von Kohlenstoff zu Energie verbessern – mit nachwachsendem Rapsöl und Biodiesel. In ihrem Pilotprojekt generierten die Coburger Wissenschaftler im Juli 2010 ein Gemisch aus 93 Prozent Rapsöl und sieben Prozent Biodiesel.
Die zum Praxistest betankten Fahrzeuge zeigten wie herkömmliche Benzin- oder Dieselautos ihre Leistung. Problemlos beförderten die vier Audis und sieben VWs ein Jahr lang Mitarbeiter des bayerischen Umweltministeriums sowie der Fachhochschule Coburg.
Der große Vorteil des neuen Kraftstoffs: „Wir konnten in unseren Forschungen eine umweltfreundlichere Alternative entwickeln“, bilanziert der Coburger Professor Jürgern Krahl, unter dessen Leitung der „Diesel regenerativ“ getestet wurde.
Denn die Reaktion des neuen Treibstoffs bei der Verbrennung im Motor verursacht bis zu 50 Prozent weniger Kohlendioxid im Vergleich zum fossilen Diesel. Deshalb erntet das Pilotprojekt auch politischen Lorbeer: Rainer Bomba (CDU) , Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und die bayerische Umweltstaatssekretärin Melanie Huml (CSU) freuten sich über die Praxistauglichkeit des Kraftstoffes, der damit in die neue Mobilitätsstrategie passt. Während andere Ansätze mit Wasserstoff oder Brennstoffzellen zur Gewinnung von Antriebsenergie noch nicht verfügbar sind, könnte der regenerative Diesel demnächst eine realisierbare Brückentechnologie liefern. So begleiten die Umweltministerien von Bund und Ländern die Fortschritte des Projektes „Diesel regenerativ“ seit dem Anfangsstadium. Dank Mitteln von der EU bezuschusste das bayerische Ministerium die Forschungsarbeit mit 120 000 Euro.
Aber bis in den Handel an den Zapfsäulen hat es der „Diesel regenerativ” derzeit noch nicht geschafft: Erst nach einem für mehr als zwei Millionen Euro geplanten Folgeprojekt soll der neue Kraftstoff marktfähig sein. Getestet werden soll nun zusätzlich seine Eignung für ältere und schon verbreitete Automodelle.
Und auch die Fehler bei der Einführung von E 10 will die Politik nicht wiederholen: Denn ganz ohne Kritik wird auch dieser regenerative Raps-Vorschlag nicht bleiben. Der dafür nötige massenhafte Anbau eines Nahrungsmittels zur Verwertung als Treibstoff widerspricht der Vorstellung einer optimalen Alternative. So setzt Rainer Bomba bei Treibstoff auf die Mitwirkung und Zustimmung der Endverbraucher – die Auto fahrenden Bürger. Die verbesserte Kraftausschöpfung aus den sonnengelben Rapspflanzen nach den Coburger Forschungsresultaten. (Barbara Schweigert)

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