Kommunales

Bei stark überforderten Familien ist ein besonderes Arbeitsbündnis von Hilfen nötig. (Foto: dpa)

15.05.2015

Kinder schützen bleibt Daueraufgabe

Regensburger Fachtagung zu "Frühe Hilfen"

Der Schutz von Kindern kann nicht früh genug beginnen. Alle Fachkräfte in Gesundheitswesen und Jugendhilfe, die mit psychisch kranken Eltern und deren Kindern bis zum Alter von drei Jahren zu tun haben, wollen daher gemeinsam ein breit angelegtes Netz von den „Frühen Hilfen“ aufbauen. Eine Fachtagung zum Thema „Frühe Hilfen“ brachte deshalb erstmals die wichtigsten Handlungspartner und Ideengeber zwei Tage lang in Regensburg an einen Tisch. Initiator war die medbo Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJP), der mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) und der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg (KJF) wichtige Kooperationspartner zur Seite standen.

Hintergrund: Seit einigen Jahren stehen die Kinder psychisch kranker Eltern im Blickpunkt der Fachöffentlichkeit. Projekte, die sich diesen Kindern zuwenden, deren Lebensbedingungen, Belastungen und Nöte erforschen, aber auch ihre Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten ausloten, sind bundesweit bekannt. Dabei hat sich der Fokus zunehmend von den Auswirkungen hin zur Förderung und Prävention dieser Kinder und deren Familien verschoben. Die Regensburger Fachtagung „Frühe Hilfen“ widmete sich wortwörtlich der Perspektive der ganz kleinen Kinder im Alter bis drei Jahren. Der Bezirk Oberpfalz und die medbo werden in den nächsten Jahren den Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie deutlich ausbauen. „In den nächsten fünf Jahren ist eine Fallzahlsteigerung von mindestens 30 Prozent zu erwarten. Der Bezirk Oberpfalz wird deshalb in den kommenden Jahren mit etwa 30 Millionen Euro die Versorgung mit Klinikneubauten und -erweiterungen forcieren“, betonte Bezirkstagspräsident Franz Löffler.
Dreijährige extrem abhängig
Unterstützt wurde die Tagung durch die bayerischen Staatsministerien für Gesundheit und Pflege sowie Arbeit und Soziales. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) unterstrich in ihrem Grußwort vor den fast 300 Teilnehmern der Fachtagung die Bedeutung der Frühen Hilfen im Präventionskonzept ihres Ministeriums: „Die große Herausforderung besteht darin, Hemmschwellen abzubauen und die Beratung von Eltern als etwas Selbstverständliches zu vermitteln. Gerade die ersten Lebensjahre sind entscheidend für die weitere Entwicklung eines Kindes, insbesondere, was Stresstoleranz, Bindungs- und Bildungsfähigkeit anbelangt. Frühe Hilfen leisten hier vor allem einen Beitrag zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz. Damit tragen sie maßgeblich zum gesunden Aufwachsen von Kindern bei und leisten einen elementaren Beitrag zur Chancen- und Bildungsgerechtigkeit.“

Besonders Dreijährige sind extrem abhängig



Gefördert wurde die Tagung durch die Bundesinitiative Frühe Hilfen. „Seit einiger Zeit kommen zunehmend auch Säuglinge in die KJP-Ambulanz. Deren Eltern machen sich häufig Sorgen um die Entwicklung ihrer Kinder, zum Beispiel in Bezug auf Schreien, Schlafen oder Kommunikation“, berichtet Christian Rexroth, kommissarischer Ärztlicher Direktor der KJP. „Immer häufiger fällt dem KJP-Team auf, dass die Ursache für das gestörte Bindungsverhalten des Kleinstkindes möglicherweise in einer psychischen Erkrankung der Eltern oder eines Elternteils begründet liegt.“
Gerade Kinder bis zu drei Jahren sind von der Versorgung ihrer Eltern abhängig. Wenn ein Elternteil durch eine psychische Erkrankung beispielsweise eine negative Haltung gegenüber dem Kind einnimmt, dessen Emotionen und Bedürfnisse nicht adäquat wahrnimmt oder mit der Betreuung überfordert ist, kann sich das auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Häufig kommen weitere Belastungen wie finanzielle Sorgen, partnerschaftliche Probleme oder Arbeitslosigkeit dazu. Daher ist es wichtig, den psychisch kranken Eltern(-teilen) und ihren Kindern rasch, kompetent und interdisziplinär im multiprofessionellen Team zu helfen. Eltern können sich in diesem Kontext unbürokratisch und kostenfrei an eine der zehn Erziehungsberatungsstellen der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg wenden.
Bei stark überforderten Familien ist ein besonderes Arbeitsbündnis von Hilfen nötig. Hier sind die Früherkennung und Anbahnung von Hilfen durch die angebotenen Anlaufstellen, etwa Geburtsklinik, Hebamme, Kinderarzt, Krippen und Tagesmütter sowie die Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi) erforderlich. „Die Erziehungsberatung stellt dann eine weitergehende intensive Hilfe zur Erziehung dar und ist häufig in der „zweiten“ Reihe für die pädagogisch-therapeutische Begleitung von Familien im Rahmen des Gesamtnetzwerkes von „Frühen Hilfen“ zuständig“, führte Hermann Scheuerer-Englisch, Leiter der Erziehungs-, Familien- und Jugendberatungsstellen der KJF, aus. (Lissy Höller)

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