Kommunales

Missbrauch: Oft reagieren die Ämter zu spät. (Foto: Bilderbox)

01.06.2012

Kinderschutz besser koordinieren

Eine Tagung in Fürth zeigt: Behördliches Engagement ist nicht optimal aufeinander abgestimmt

Wenn ein Kind in Gefahr ist und die Eltern ihm nicht helfen, muss der Staat eingreifen. So einfach dieser Grundsatz aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch klingt, so schwierig ist er umzusetzen – nicht zuletzt, weil so viele unterschiedliche Organisationen sich um das Wohl eines Kindes kümmern. Kindergärtnerinnen und Ärzte etwa, wenn es schlimmer wird, auch Jugendamt und Polizei.
Diese unterschiedlichen Stränge zusammenzuführen, war das Ziel eines Kinderschutzkongresses, der erstmals in Fürth stattfand. Teilnehmer und Referenten setzten sich dort zwei Tage lang zusammen, berichteten in Vorträgen aus ihren jeweiligen Bereichen, diskutierten in Workshops. Die Vorträge, die den Großteil des Kongresses ausmachten, gaben einen Einblick in die Probleme der einzelnen Arbeitswelten.
Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, erklärte, wie Jugendschützern mit schwierigen Eltern umgehen sollten. Wichtig sei, dass Rollenklarheit herrsche, sagte Maywald: „Eine Erziehungspartnerschaft mit den Eltern ist eine Partnerschaft gleichwertiger, aber ungleicher Partner.“ Er skizzierte verschiedenen Szenarien, in denen das Jugendamt eingreifen müsse. Je nach dem, wie stark das Kind gefährdet sei und wie kooperationswillig die Eltern, könnten die Helfer von reiner Hilfe über Kontrolle bis hin zum Sorgerechtsentzug gehen. Kindergärtnerinnen riet er, sich untereinander auszutauschen und mögliche Anzeichen für Gefahr stetig aufzuschreiben und auszuwerten. Gebe es einen Verdacht, sollten sie erst mit den Eltern, im Zweifelsfall aber auch direkt mit dem Jugendamt sprechen. Eine Ärztin des Instituts für Rechtsmedizin in München sprach ergänzend darüber, wie wichtig es sei, Missbrauchsspuren frühzeitig zu finden und zu sichern.´


Kooperation über Landesgrenzen hinweg


Der Tübinger Psychiater Michael Günter konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Ursachen von Gewalt. Insbesondere Jungen neigten dazu, später als Erwachsene selbst gewalttätig zu werden, wenn sie als Kinder Gewalt erführen, sagte er. Mädchen hingegen richteten ihre Aggressionen eher gegen sich selbst – bis hin zum Selbstmord. „Auf der anderen Seite dürfen soziale Rahmenbedingungen wie fehlende Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft nicht vernachlässigt werden“, sagte Günter. Die Zusammenarbeit zwischen den direkten Akteuren genüge also nicht, auch die Sozialpolitik sei gefragt. Der Psychiater Andreas Warnke ergänzte, die Zahl auffälliger Kinder sei nicht zuletzt dadurch hochgeschnellt, dass immer weniger Kinder in intakten Familien aufwüchsen.
Als Politikerin nahm die SPD-Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht am Kongress teil, die in ihrem Vortrag das neue Kinderschutzgesetz vorstellte. Das Gesetz, das vor allem auf Initiative Rupprechts zustande kam, ist seit Januar dieses Jahres in Kraft. Darin festgeschrieben ist unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Jugendämtern, auch über Bundeslandgrenzen hinweg, sowie lokale Kinderschutznetzwerke. Dieser Weg sei alternativlos, heißt es im Gesetz.
Anschließend an die Vorträge fanden sich Teilnehmer und Referenten in Workshops zusammen, in denen sie die Themen vertieften und über Elterngespräche, Netzwerke und polizeiliche Ermittlungsverfahren diskutierten. Aus so unterschiedlichen Bereichen die Teilnehmer kamen, zumindest in einem waren sie sich am Ende des Kongresses einig: Dass es weitere Treffen geben muss, damit jeder weiß, was der andere tut. Am Ende soll eine enge Zusammenarbeit stehen. Nur so, das war der Konsens, könnten Kinder in Zukunft noch besser geschützt werden. (K. Antonia Schäfer)

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