Kommunales

15.07.2011

Nein zum Nationalpark, aber ja zum Weltnaturerbe

Steigerwald soll weiterhin wirtschaftlich nutzbar sein

„Die Staatsregierung vergibt sich eine Chance, wenn sie unsere Bemühungen nicht unterstützt, den Steigerwald von der Unesco als Weltnaturerbe anerkennen zu lassen“, sagt Bambergs Landrat Günther Denzler (CSU) zur Staatszeitung. Er könne damit leben, dass laut aktuellem Kabinettsbeschluss der Steigerwald kein Nationalpark werden soll. „Ein Nationalpark Steigerwald kommt vielleich einmal, wenn ich schon lange nicht mehr Landrat bin.“ Aber für die Aufnahme des Waldes ins Weltnaturerbe der Unesco ist gar kein Nationalpark nötig.
Schon die Ausweisung eines Schutzgebietes würde genügen. Derzeit stehen laut Denzler 400 Hektar unter Schutz. „Wenn der Freistaat jetzt noch bis zu 700 Hektar hinzugibt, steht dem Weltnaturerbe nichts mehr im Weg“, meint Denzler. Denn Bayern habe sich auf Bundesebene zur Biodiversität verpflichtet, und wenn er 5 Prozent aus der kommerziellen Waldnutzung herausnehme, entstehe kein wirtschaftlicher Schaden für den Freistaat. „Man gibt ja auch ohne Not einmal 30 Millionen Euro für eine Olympiabewerbung aus“, meint der Landrat.
Wie bedeutend der Buchenbestand im nördlichen Steigerwald ist, unterstreicht Denzler anhand des Gutachtens der Unesco, die diesen wertvollen Baumbestand an dritter Stelle weltweit sehe. Diese Chance sollte sich Bayern nicht vergeben, so seine Auffassung. Dass dies die Verantwortlichen im Forst- und im Umweltministerium ebenso sehen, zeigt der aktuelle Kabinettsbeschluss, bis 2013 im Steigerwald ein „Zentrum Nachhaltigkeit Wald“ zu etablieren. Es soll laut Forstminister Helmut Brunner (CSU) umweltschonende Waldbewirtschaftung erleb- und begreifbar machen: „Wir wollen am Beispiel des Steigerwalds zeigen, dass der Wald in Bayern mehr ist als eine Holzfabrik oder idealisierte Wildnis.“
Die Landtags-SPD unterstützt jedenfalls Denzlers Bemühungen, die bis zu 300 Jahre alten Buchenwälder als Unesco-Weltnaturerbe anerkennen zu lassen. Hierfür braucht man aber neben dem Schutzgebiet auch eine Verwaltungseinheit. Dies wäre das von Denzler seit Jahren in die Diskussion gebrachte „Haus der Buchen“. Dieses könnte sogar im Landratsamt Bamberg etabliert werden, wenn von München keine Unterstützung komme.
Beistand für das „Haus der Buchen“ bekommt Denzler jedenfalls auch vom Bund Naturschutz in Bayern und von den Landtags-Grünen. Deren umweltpolitischer Sprecher, Christian Magerl, kritisiert die Kabinettsentscheidung, weil das geplante Nachhaltigkeitszentrum den Schwerpunkt auf die Nutzung des Waldes lege.

„Der Steigerwald ist eine Kulturlandschaft“


Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) betont dagegen, dass der Steigerwald keineswegs Urwald sei, sondern das Ergebnis langer menschlicher Aktivität. „Der Steigerwald ist eine Kulturlandschaft, die nur so ist, wie sie ist, weil sie seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet wird.“ Das geplante Informationszentrum soll einerseits den Tourismus fördern, andererseits der Fortbildung dienen und eine überregionale Attraktion werden.
Landrat Denzler ist sich jedenfalls sicher, dass zumindest die Metropolregion Nürnberg das Weltnaturerbeprojekt unterstützen würde. Denn warum sollten die Ballungsraumbewohner aus Nürnberg, Fürth und Erlangen über 150 Kilometer in den Bayerischen Wald fahren, wenn sie sich nur 60 Kilometer weit Richtung Nordwesten aufmachen müssten, um in einem Weltnaturerbe wandern zu können? (Ralph schweinfurth)

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