Kultur

Sie ermitteln im Franken-"Tatort": Andreas Leopold Schadt, Dagmar Manzel und Eli Wasserscheid (von links). Am Sonntag läuft die Folge "Ich töte niemand". (Foto: Daniel Karmann/dpa)

09.04.2018

Authentischer "Dadord"

Die "Doode" wurde am "Dadord" "derschloong": Im ARD-"Tatort" aus Nordbayern fränkelt es kräftig - und eigentlich immer korrekt, sagt eine Sprachforscherin. Die Zuschauer sehen das nicht immer so

Das "Fränggische" im Franken-"Tatort" ist nach Einschätzung der Dialektforscherin Monika Fritz-Scheuplein sehr authentisch. Entgegen aller Kritik, die an der Mundart in dem ARD-Krimi geäußert wurde, sagt sie: "Ich habe mir viele Stellen sogar ein paarmal angehört. Ich habe nichts entdeckt, was nicht gepasst hätte. Es war alles richtig, wie es gesprochen wird." Es werde jedoch eher eine "gemäßigte Form des Dialekts verwendet", meint die Forscherin. "Denn der "Tatort" wird ja in ganz Deutschland geguckt und soll überall verstanden werden." Viele Zuschauer hatten die Sprache in den Krimis als unecht und künstlich kritisiert.

Fritz-Scheuplein von der Universität Würzburg erklärt sich dies so: In Franken gebe es nicht nur einen Dialekt, sondern "viele kleine Sprachräume mit ihren eigenen Besonderheiten". Die in der Forschung als "ostfränkische Dialekte" bezeichneten Mundarten, die in Ober-, Mittel- und Unterfranken gesprochen werden, seien "viel kleinräumiger gegliedert als die bayerischen Dialekte". So könne es gut sein, dass manche Leute in dem Film Sprachfärbungen vermissen, die es in einigen Regionen gibt.

"Dass sich nicht jeder Franke da wiederfindet, ist klar", sagt die Expertin. "Zu tief darf man in einem "Tatort" aber nicht in den Dialekt gehen. Sonst steigen die Leute aus, weil sie nichts verstehen." Die Kunst sei es, einen sprachlichen Kompromiss zu finden, der "typisch klingt, aber trotzdem verständlich bleibt".

Zuschauer protestieren und die Rolle wird ausgetauscht

Das gleiche gelte im Übrigen für den Münchner "Tatort": "Wenn die da richtig Bairisch sprechen würden, dann würde sich das auch nochmal anders anhören", sagt Fritz-Scheuplein. Der dort gebrauchte Dialekt werde bislang am häufigsten im Fernsehen verwendet. "Fränkisch war dagegen bisher nie so präsent. Es ist etwas Neues, daher wird auch mehr darüber gesprochen."

Die meisten Diskussionen gab es bislang über den angeblich falschen Dialekt einer Pförtnerin bei der Nürnberger Polizei im ersten Franken-"Tatort". Die Schauspielerin stammte aus Aschaffenburg und sprach daher Rheinfränkisch-Hessisch. Fritz-Scheuplein störte dies nicht: "Das ist doch ganz realistisch, warum soll die nicht in Nürnberg arbeiten?" Aufgrund zahlreicher Zuschriften von Zuschauern wurde die Rolle dennoch ausgetauscht.

Der im "Tatort" gesprochene Dialekt sei für die Zuschauer so wichtig, weil sich die Leute über die Sprache mit der Region identifizierten. Die Forscherin sagt: "Dialekt ist die Sprache der Nähe." Daher habe es beim ZDF-Mehrteiler "Tannbach" über das geteilte Dorf Mödlareuth, durch das die innerdeutsche Grenze verlief, auch einen Aufschrei gegeben. Dort wurde kein Fränkisch gesprochen, sondern laut dem Sender ein "vom Bayerischen inspirierter Dialekt". Fritz-Scheuplein kann das nicht nachvollziehen: "Wenn etwas in Franken spielt, will man auch die Sprache hören, die da gesprochen wird."

Schade: Heute gibt es im "Tatort" grundsätzlich weniger Dialekt

Früher sei im "Tatort" generell mehr Dialekt zu hören gewesen, sagt Fritz-Scheuplein und nennt als Beispiel den früheren Kommissar Bienzle aus Stuttgart, der breites Schwäbisch sprach. Seine Nachfolger tun das nicht mehr. "Das sprachliche Element ist in vielen "Tatorten" weggefallen. Nur an den Nebenrollen erkennt man noch, wo man ist."

Im Franken-"Tatort" gebe man sich große Mühe, die regionale Sprechweise einfließen zu lassen - über die aus Franken stammenden Darsteller Eli Wasserscheid (Bamberg), Andreas Leopold Schadt (Hof) und Matthias Egersdörfer (Nürnberg) und über das Drumherum - etwa im Biergarten oder Frisörsalon: "Da hört man das Fränkische gut durch."

Gut zu erkennen seien etwa das rollende "r" und die fränkische Konsonantenschwächung: Der "Tatort" wird so zum "Dadord" und die "Tote" zur "Dooden". Ebenso typisch fränkisch: Durch Nasal-Endung wird die "Woche" zur "Wochng" und das Opfer wird nicht "erschlagen", sondern "derschloong". Statt "bräuchte" sagt man "bräuched", und aus "gesagt" wird "gsochd". Ab und an werde es durch zu viel Fränkisch sogar etwas unrealistisch, sagt die Forscherin - beispielsweise wenn eine Stadträtin in einem Radio-Interview sehr starken Dialekt spricht: "Das würde eine reale Stadträtin wohl nicht machen."
(dpa)

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