Kultur

Temperamentsbündel mit Taktstock: Andrés Orozco-Estrada aus Kolumbien begeistert beim Festivalschluss in Ingolstadt. (Foto: Audi AG)

28.07.2015

Bejubeltes Festivalfinale

Mit Drive am Pult: Andrés Orozso-Estrada begeistert beim Finale der Audi-Sommerkonzerte

Natürlich bekommt Audi für seine 25. Sommerkonzerte in Ingolstadt auch wieder das Salzburg-Zuckerl: als Sponsor hier wie dort und als einziger „Automobilkonzert, der ein eigenes Festspiel veranstaltet“, wie die Salzburg-Botschafterin anerkennend anmerkte. Was im Rahmen der Salzburger Festspiele Teil der „Ouverture spirituelle“ und der „Mozart-Matinéen“ war, brachte es auch in Ingolstadts Theaterfestsaal zu Ovationen: ein Festivalfinale mit dem Mozarteum-Orchester, dem Salzburger Bachchor, mit Mozart und Schubert.

Und mit einem der neuen Stars am Pult: Andrés Orozco-Estrada aus Kolumbien, inzwischen aber mit künstlerischer Heimat in Frankfurt, London und Houston - ein südamerikanisches Energiebündel vom Schlage seines venezolanischen Kollegen Dudamel. Er unterhält sein Publikum mit agilem Hüftschwung, lenkt sein Orchester mit energischem Drive, kümmert sich auch noch um den kleinsten Streichereinsatz, setzt heftige Akzente wie auf des Messers Schneide. So wirkte Mozarts „Jupiter“-Symphonie  auf Hochglanz poliert, es gab ein bisschen düsteren Höllensturz, alles blieb  durchsichtig, fein strukturiert im Andante oder heftig polternd im Menuett. Mit Hilfe der Naturhörner und –trompeten war alles deutlichst akzentuiert – und keine Spur fad.

Nur in Ingolstadt gibt es dieses jährliche Salzburg-Gastspiel, ansonsten müsste man sich wie Mailand oder Shanghai schon eine ganze Opernproduktion kaufen. Ein bisschen nach Oper, aber noch mehr nach Romantik klingt auch Franz Schuberts As-Dur-Messe, seine „Missa Solemnis“  nach (und doch nicht erreichtem) Beethoven-Vorbild.

Chor und Orchester präsentieren sich  nach einschmeichelndem Beginn mit großer Geste und vokalem Aplomb, was Orozco-Estradas Temperament  durchaus  entgegenkommt. Beste Artikulation beim Chor mit seinen enormen Klangreserven, vor dieser auftrumpfenden Kulisse die vier Solisten mit eher kleinen Aufgaben und ohne „richtige“ Arie: allen voran Anna Lucia Richter mit jugendlich-naivem, strahlenden Sopran oder der Tenor Julian Prégardien, sonst eher unterbeschäftigt, aber mit einem anrührenden „Agnus Dei“. 

Deutsch und romantisch (und gar nicht nach des Kaisers Geschmack) sollte diese lateinische Messe mit Hörnerklang, Trompetengeschmetter sein - Orozco-Estrada malt manches in schwerem Öl oder mit idyllischen Singspieleffekten. Die Ingolstädter wollten die Salzburger Gäste gar nicht mehr ziehen lassen. Dabei ließen auf dem Parkplatz schon die Giga-Busse die Kühlung anlaufen. (Uwe Mitsching)

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