Kultur

Wie dieser Elephant sind die Gestalten von Barbara Lenz als kleine Kostbarkeiten aus lauter alltäglichen Fundstücken zusammengefügt. (Fotos: Museum/Udo Schmidt)

16.01.2015

Exotische Fabelwesen

Aus Alltäglichem und Abfall zaubert Barbara Lenz eine feinmechanische Figurenmenagerie

Ein Spiel mit Fantasie und Realität, mit Mensch und Natur vollführen die Fabelhaften Wesen der Würzburger Künstlerin Barbara Lenz im Mainfränkischen Museum. Es sind 65 geheimnisvolle Figuren, die da in kleinen Szenen Geschichten zu erzählen scheinen. Allesamt wirken diese Geschöpfe exotisch und kostbar. Dabei sind sie aus Tierpräparaten, Pflanzenresten, Muscheln, Federn, winzigen Perlen, Strass und Modelliermasse und vielem, was oft achtlos als Abfall weggeworfen wird, erschaffen. Sie scheinen gerade eben erstarrt in einer Bewegung oder erfasst in einer Tätigkeit aus dem Zauberreich des Artifiziellen als Akrobaten, Hochradkünstler, Torero oder Flieger. Aber da gibt es auch einen Drachen, der Rauch ausstößt, weil er von Teufelchen getratzt wird.
Diese wunderbar perfekten Figuren führen ein Eigenleben und entführen den Betrachter ins Reich des Imaginären – behalten aber die Realität im Auge: Und zwar dadurch, weil sie menschliches Verhalten nachahmen, wenn auch in verkleinerter bzw. tierischer Gestalt. So erinnern sie in manchem an die Zeichnungen von Grandville.

Raffinierte Spieluhren

Viele dieser Figuren geben auch Töne von sich – als Spieluhren mit einer Mechanik im Sockel. So zum Beispiel der zarte, weiße, zerbrechlich wirkende Nikiphino, der Geige spielt, und bei dem sich zur Melodie ein kleiner weißer Pudel zu seinen Füßen dreht.
Besonders raffiniert ist eine Figur, die winzige Seifenblasen ausstößt, außerdem ein Husar, der Flöte bläst, sodass um ihn herum winzige Schlittschuhläufer in rasante, kreiselnde Bewegung versetzt werden. Dann ist da auch noch ein Seiltänzer, der an der Balancierstange Mäuschen kopfüber im Gleichgewicht hält. Und ein Krokodilkönig, dem mit einem Fächer Luft zugefächelt wird, hält Hof. Äußerst aufwendig ist die „Bäckerei Seidenpfote“ bis ins Detail gebildet: Da glänzt alles verspiegelt, die Chefin kann die Haube über dem Kuchen hochheben, während der kleine Schlingel versucht, Süßes zu stibitzen, und die Uhr über diesem blitzblanken Reich der Köstlichkeiten wirklich geht. Oft besitzen diese Fabelwesen einen skurrilen Einschlag, manchmal lassen sie aber einfach staunen, etwa wenn ein Mäuse-Kapitän mit einem großen Fesselballon fortfliegen will, eine japanische Landschaft im Miniformat zu sehen ist oder eine Kamelgruppe mit Reiter fremdartige Exotik verbreitet.
All diese perfekten Wunderwerke kommen nicht von ungefähr: Barbara Lenz ist gelernte Feinmechanikerin und Architektin. Aufgewachsen ist sie in einem Künstlerhaushalt, in dem zu den Familienfesten Selbstgebasteltes geschenkt wurde. Ihre kleinen Kunstwerke im Miniformat benötigen oftmals Monate bis zu ihrer Fertigstellung.

Reminiszenz an die Heimat

Sich selbst hat die Künstlerin auch manchmal in den Szenen verewigt: etwa als bohrende Maus mit Zopf. Der heimischen Umgebung hat Barbara Lenz ebenfalls ein Denkmal ihrer Fantasie gesetzt, wenn aus den Schießscharten des barocken Würzburger Maschiculi-Turms eine Krake ihre Tentakeln streckt. Praktisches gibt es auch aus ihrer Kunstwerkstatt: Großfiguren aus Muscheln können als Wasserspeier im Garten platziert werden. (Renate Freyeisen)

Bis 1. März. Mainfränkisches Museum, Festung Marienberg, Oberer Burgweg, 97082 Würzburg.
Di. bis So. 10 – 16 Uhr.
www.mainfraenkisches-museum.de

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