Kultur

„Nuhr“ schön, mehr nicht: griechisches Stillleben, fotografiert von Dieter Nuhr. (Foto: Nuhr)

04.05.2012

Humorlose Fotos

Der Kabarettist Dieter Nuhr stellt in der Städtischen Galerie Regensburg aus

Sein Name reizt zur Plattitüde: Dieter Nuhr macht alles „nuhr“ und so hat er Nuhr fotografiert, wie die Ausstellung in der Städtischen Galerie Leerer Beutel in Regensburg überschrieben ist, in der er Arbeiten seiner fotografischen Reisen durch die Welt präsentiert. In zwei großen Ausstellungssälen sind rund hundert seiner Aufnahmen zu sehen.
Dieter Nuhr (Jahrgang 1960) ist derzeit jedoch vor allem als mehrfach ausgezeichneter Kabarettist und Autor bekannt – doch „man kann ja nicht den ganzen Tag lachen“, kommentiert er, der an der Gesamthochschule Essen Geschichte und Kunstpädagogik studierte und eigentlich mal Lehrer werden wollte, seine „humorlosen Fotos“.
Nuhr fotografiert auf seinen Reisen rund um den Globus alles, was ihm gefällt und auffällt: fotogene Gassen in den Basaren, bunte Ansammlungen an Verkaufsständen, verlassene Plätze, malerisches, altes Gemäuer und Drahtverhau, skurrile Anordnungen von Mixern im Haushaltswarengeschäft in Hanoi, imposante Landschaften in Botswana, Gedenkschreine für Verkehrstote in Griechenland.
Strukturen von Landschaft, Anhäufungen von Dingen, Hinterlassenschaften: Ein „vernetztes Bild der Welt“, nennt er das. Die Motive sind schön – also auch die Bilder. Sie sind geordnet und durchaus perfekt. Aber sie haben keinen weiteren Anlass außer Schönheit – und so fehlt dem Betrachter dann doch eine Antwort auf die Frage, mit welchem Ziel die Bilder überhaupt gemacht wurden. Dieses Manko des künstlerischen Impetus versucht der Kabarettist Dieter Nuhr mit trockenen Kommentaren zu kompensieren, deren Reiz vor allem in ihrer Schnoddrigkeit liegt. Und das liest sich dann etwa so: „Das Nationalgetränk Perus, die gute Inca-Cola, ist gelb und sieht aus wie Urin mit Kohlensäure. Was schlimmer wiegt: Sie schmeckt auch so.“
Nuhrs Humor ist lakonisch. Er trifft mit seinen Worten Feststellungen – und sein Blick durch die Kamera konstatiert, was da ist. Man hört bei ihm, was man hört und man sieht, was man sieht. Bei den Worten ist das Realsatire, bei den Bildern lediglich Bestandsaufnahme. Vielleicht hat er ja recht mit der Humorlosigkeit der Fotos, denn die Welt ist eben so, wie sie ist und das ist meist nicht zum Lachen.
Die Städtische Galerie Leerer Beutel in Regensburg baut mit Nuhr fotografiert zum wiederholten Mal auf einen Medienstar und macht sich mit publikumswirksamen Namen die Methoden der Unterhaltungsindustrie zunutze. Was tut man nicht alles für die Quote. (Ines Kohl)

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