Kultur

Modell der Glyptothek im oberpfälzischen Etsdorf: Der erste Spatenstich dazu soll im September erfolgen. (Foto: Museum)

04.06.2010

Künstlerische Kernfusion

Christoph Bergmanns geflügelte Skulpturen sind eine vielsagende Werbung für die Glyptothek in Etsdorf

Für seinen Rollenden Apoll macht er maßstäbliche Zeichnungen oder kleine Holzmodelle, studiert antike Torsi in der Münchner Glyptothek und nimmt sie zum Ausgangspunkt für seine Skulpturen: Christoph Bergmann, Jahrgang 1959, nach Schreinerlehre in Asien unterwegs und seit 1995 freischaffend in München, ist für Wilhelm Koch und sein Amberger „Luftmuseum“ der ideale Partner – auch für sein Antikenprojekt, das ihn seit Jahren umtreibt.
Denn Bergmann macht genau das, was Koch dereinst in seiner Glyptothek Etsdorf realisieren will: Antike in der Gegenwart, in Sichtweite der Autobahn Paris – Prag, zwischen Amberg und dem Kreuz Oberpfälzer Wald. Ein Tempel soll das werden, orientiert am Aphaia-Tempel der griechischen Insel Äigina – aber ganz aus Beton: farbig, selbstverdichtend, lichtdurchlässig. Auch die antiken Abgüsse: alles aus Beton.
Eine besonders sinnvolle Einstimmung auf das „bürgerlich initiierte Gemeinschaftsprojekt“ ist die Bergmann-Ausstellung jetzt in Amberg (Aiolos): statt Beton Aluminium, statt Abguss eine raffiniert-elegante Verbindung von Flugwerken, Rädern mit antiken Torsi. Das passt nicht nur in Kochs Luftmuseum, das hat Bergmann auch für das „Flugmedizinische Institut der Luftwaffe“ in Fürstenfeldbruck, für NATO-Flugplätze als Auftragswerke geschaffen. Wo immer das Thema „Ikarus“ über einer Ausstellung steht, ist Bergmann dabei. Sogar Holzkrücken verleiht er Flügel, die aluminiumhäutige Venus bekommt als Unterleib einen Raketentreibsatz. Gegenstände des Alltags wie Axt und Kreissäge, werden von Bergmann beflügelt.

(Uwe Mitsching)

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