Kultur

Rastloser Workaholic: Valery Gergiev bringt seine Philharmoniker aber auch ohne Probe zu Höchstleistung. (Foto: Alexander Shapunov)

20.11.2015

Münchner Edelklang in Taiwan

Ein Anspiel genügt - und die Philharmoniker unter Valery Gergiev vollbringen mit Tschaikowsky ein Wunder

Manchmal ist man Zeuge, wie aus einem Konzert ein Wunder wird. Schon von der ersten Note an herrscht eine ganz besondere Atmosphäre im Saal. Der Zauber des Einmaligen und Unvergleichlichen macht sich breit – eine Spannung, die bis zum Schluss anhält. So war das auch am gestrigen Donnerstag in Taipeh in Taiwan, wo die Münchner Philharmoniker mit ihrem neuen Chefdirigenten Valery Gergiev ihre erste gemeinsame Asien-Tournee starteten.

Dieses Wunder geschah in der Sinfonie Nr. 6 von Peter Tschaikowsky. Schon bei den Münchner Antrittskonzerten von Gergiev im September stand dieses Werk auf dem Programm. Doch während in München ganz auf Überwältigung gesetzt wurde, hochdramatisch und doch recht eintönig, wurde jetzt in der großen National Concert Hall in Taipeh eine perfekte Balance zwischen dem Dramatischen und Lyrischen erreicht.

Nirgends herrschte Überdruck oder sentimentale Larmoyanz. Diese "Pathétique" wurde ganz genau seziert und verlebendigt. Eine Klangkultur vom Allerfeinsten ist herausgekommen, dank genauester Staffelungen und Differenzierungen der Dynamik.

Dabei stand dieser Tournee-Auftakt unter denkbar schwierigen Bedingungen. Erst am vergangenen Wochenende haben die Philharmoniker unter Gergiev in München ein großes Festival gestemmt – drei Tage Musik, ein gewaltiger Marathon. Schon am Montag saßen die ersten Musiker im Flieger nach Taiwan. Der Maestro selber dirigierte indes zwischen München und Taipeh zusätzlich noch in Basel und Moskau – der schiere Wahnsinn. Erst am Tag des ersten Asien-Konzerts trudelte der Dirigent in Taipeh ein, und das dann auch noch mit Verspätung. Die geplante Probe mit Gergiev fiel ins Wasser, es blieb nur noch Zeit zum Anspielen. Gergiev ist eben ein rastloser "Workaholic", was manche Risiken birgt.

Umso erstaunlicher war diese Sechste von Tschaikowsky. Ob das Solofagott von Lyndon Watts, die Soloklarinette von Alexandra Gruber oder die luziden Streicher, die sich ganz wunderbar mit den Bläserfarben mischten: Der "Münchner Edelklang" hat es Taiwanesen sichtlich angetan: gebannte Ruhe und Konzentration im Publikum.

Dagegen fiel zuvor das Violinkonzert von Tschaikowsky mit dem jungen Geiger Yu-Chien Tseng etwas ab. Für den Taiwanesen war es ein Heimspiel. Die Sieger waren aber die Orchestermusiker – Chapeau! (Marco Frei)

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