Kultur

Lies (Michaela Domes) und Richard (Hartmut Volle) schwelgen in seligen Theater-Erinnerungen. (Foto: Langer)

01.03.2013

Suff und Zoff

"Der letzte Vorhang" in Fürth

Wenn Schauspieler Schauspieler spielen, ist das für gewiefte Mimen ein gefundenes Fressen, können sie sich in ihren Rollen doch gleich doppelt spiegeln. Die holländische Theaterautorin Maria Goos treibt das in ihrem 2010 uraufgeführtem Stück Der letzte Vorhang sogar noch auf die Spitze, denn da spielen eine Schauspielerin und ein Schauspieler nicht nur sich selbst, sondern auch noch auf das legendäre amerikanische Schauspieler-Paar Elizabeth Taylor und Richard Burton an. Das Theater Fürth brachte jetzt die amüsante Komödie in einer Inszenierung von Intendant Werner Müller heraus – und landete einen umjubelten Publikumserfolg.
Der verdankt sich vor allem Michaela Domes und Hartmut Volle, die auf der Bühne des Kulturforums im Alten Schlachthof ihre Doppelrollen voll ausschlachten und als beziehungsvoll Lies und Richard genanntes, gealtertes Schauspieler-Duo nach vielen Jahren wieder auf der Bühne beziehungsweise bei Theaterproben aufeinandertreffen.
Sie schwelgen in seligen – vor allem aber in unseligen Erinnerungen. Die Hass-Liebe von einst setzen sie in wortwitzigen, aber auch wehmütigen Selbstzerfleischungen und Beschimpfungen fort – und liefern sich mit Ironie und Sarkasmus brillante und alkoholgeschwängerte Wortgefechte. Was in zwei kabarettreif nachgespielten Szenen gipfelt: Beide werden volltrunken im Auto von einer Polizeistreife erwischt – sie können aber noch rechtzeitig auf den Rücksitz flüchten und behaupten, ihre Chauffeur sei austreten gegangen und habe wohl nicht mehr zum Auto zurückgefunden. Oder wenn Hartmut Volle als heruntergekommener Schauspieler Richard den Ehemann von Lies, einen reichen, eitlen „Schrumpf-Casanova“, so glänzend parodiert, dass es selbst seine Bühnen-Proben-Partnerin Lies ob seines immer noch großartigen schauspielerischen Talents zum Lachen bringt.
Ein Doppel- und Dreifach-Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel ist dieser komödiantische Bühnenspaß für zwei großartige Schauspieler, die auf einem alten Ledersofa als einzigem Bühnen-Requisit (Bühne: Christian von Loock) aufgedreht und überdreht in alle Rollen und Facetten schlüpfen – und die Höhen und Tiefen des Schauspieler-Daseins mit allen Brechungen grandios bis zum Klamauk abliefern. Kein „depressives Kammerspiel“, wie es einmal im Text heißt, sondern expressives Theater auf dem Theater. (Friedrich J. Bröder)

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