Kultur

Noch 1970 beschäftigte sich Wolfgang Lenz mit seinen Kriegserlebnissen – wie hier im "Würzburger Totentanz zum 16. März 1945". (Foto: Kulturspeicher)

05.09.2014

Vergängliche Schönheit

Der Würzburger Kulturspeicher erinnert an den erst heuer verstorbenen Wolfgang Lenz und seinen fantastischen Realismus

In verwirrend fantastische, aber real scheinende Welten taucht der Betrachter ein auf den Staffeleibildern von Wolfgang Lenz. Der Würzburger Maler ist am 1. Januar im Alter von 90 Jahren gestorben. Ihn ehrt nun das Würzburger Museum im Kulturspeicher mit einer umfassenden Ausstellung von über 70 Werken aus seinem Nachlass.
Wolfgang Lenz hat weit über seine Heimatstadt hinaus Bedeutung. Handwerklich und künstlerisch ausgebildet, prägten ihn vor allem seine Romaufenthalte: Dort wurde seine Liebe zur barocken Architektur geweckt. Seine Eindrücke hielt er in feinen Zeichnungen fest; die zarten Aquarelle erscheinen wie verschwebende Impressionen.

Spaß am Skurrilen

Charakteristisch für Lenz aber ist der fantastische Realismus seiner Gemälde. Sie wirken oft wie Wachträume, wie illusionistisch greifbare Szenerien. Tote Wesen wie auch Puppen scheinen lebendig zu werden. Tiere, etwa Ratten, agieren wie Menschen. Dann wieder erstarrt Lebendiges, etwa ein Selbstbildnis zu Gipsbüsten.
Oft schimmert in seinen Arbeiten auch eine Prise Ironie durch, und der Spaß am Skurrilen, etwa am Spiel mit Masken, bricht sich nicht selten Bahn.
Bei aller Lust am Mischen von Wirklichkeit mit Fantastischem wird ein Gedanke immer spürbar, nämlich der an die Vergänglichkeit des Schönen, an das „memento mori“. Ausschlaggebend dafür waren vielleicht das Kriegserlebnis und das Trauma der Zerstörung seiner Heimatstadt. Lenz hat dies festgehalten in Zeichnungen der Ruinen, später auch in seinem großen Bild vom Würzburger Totentanz.

Am Wiederaufbau beteiligt

Doch er war auch beteiligt am Wiederaufbau, rekonstruierte mit seinen Werken das verlorengeglaubte Spiegelkabinett der Residenz, schmückte den Ratssaal mit den Wandfresken der Würzburger Geschichte, gestaltete das zerstörte Deckenfresko der Aschaffenburger Sandkirche neu und hinterließ mit seinen Wandmalereien auch in München und Berlin deutliche Spuren. Entwürfe, Stillleben, Gemälde, Hinterglasbilder und noch nie öffentlich gezeigte grafische Werke sind nun im Kulturspeicher zu bewundern. (Renate Freyeisen)

Bis 21. September. Museum Kulturspeicher, Oskar-Laredo-Platz 1, 97080 Würzburg. Di. 13 – 18 Uhr, Mi. 11 – 18 Uhr, Do. 11 – 19 Uhr, Fr./ Sa./ So. und Fei. 11 – 18 Uhr.
www.kulturspeicher.de

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