Leben in Bayern

Fällt nicht nur durch sein Outfit auf: Daniel Meierhofer studiert Zahnmedizin und kämpft gegen Diskriminierung und Vorurteile. (Foto: BSZ)

21.04.2017

Unangepasst – mit vollem Einsatz

BSZ-Serie „Studierende mit Engagement“: Queere Kommilitonen, ukrainische Straßenkinder oder Flüchtlinge – Daniel Meierhofer engagiert sich für Minderheiten

Er sucht so lange, bis er eine Lösung findet: Der 25-jährige angehende Zahnmediziner Daniel Meierhofer kämpfte sich erst durchs eigene Leben, heute hilft er anderen Menschen. Besonders am Herzen liegen dem Münchner dabei die Belange von queeren Studierenden. Er leitet das Queerreferat an der Uni München, einer Anlaufstelle für alle Menschen jenseits des Hetero-Daseins.

Nicht nur der Anzug sticht sofort ins Auge. Auch mit seinen buntgefärbten Haaren will Daniel Meierhofer gegen die Normvorstellung der Gesellschaft demonstrieren. „Ich bin in einem konservativen Elternhaus aufgewachsen“, erklärt der Student der Zahnmedizin. „Jetzt will ich mich nicht länger anpassen.“

Und dabei belässt es der 25-Jährige beileibe nicht bei Äußerlichkeiten. Neben der Pflege seiner an multipler Sklerose erkrankten Mutter, seinem Einsatz für Flüchtlinge in München und seiner Hilfe für arme Menschen in der Ukraine ist ihm vor allem dieses Engagement wichtig: Als Leiter des Queerreferats an der Uni München unterstützt er lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen.

Daniel kann sich noch gut ans eigene Outing erinnern

Schon als Kind hatte Daniel den Wunsch, Zahnmedizin zu studieren. Da er allerdings nur einen Realschulabschluss hatte, absolvierte er notgedrungen zuerst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Obwohl seine Familie nicht viel Geld hatte, beschloss er, über den zweiten Bildungsweg an der Berufsoberschule die allgemeine Hochschulreife nachzuholen. Für seine besonderen schulischen Leistungen erhielt er sogar eine Anerkennungsurkunde von der Stadt München. „Ich weiß aber gar nicht, ob die überhaupt etwas wert ist“, sagt er bescheiden. 2013 war Daniel schließlich der erste in seiner Familie, der das Abitur in der Tasche hatte. Und das, obwohl er die komplette Schulzeit durch seine Mutter pflegen musste. „Sie erkrankte bereits in meiner frühen Kindheit an multipler Sklerose und wurde im Laufe der Zeit zu einem Pflegefall“, erzählt Daniel. Aus diesem Grund kümmerte er sich zu Hause gemeinsam mit seinem Vater um sie – bis zu ihrem Tod kurz vor seinem Abitur. Da war Daniel gerade mal 21 Jahre alt.

Es folgte ein freiwilliges soziales Jahr beim Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes. Daniel wollte etwas Soziales machen und „in einem sowohl körperlich als auch psychisch fordernden Beruf Praxiserfahrung“ sammeln. Jetzt macht ihm sein Studium richtig Spaß. „Es ist genau die richtige Kombination aus Medizin und Handwerk“, sagt Daniel begeistert. Er sei sehr praktisch orientiert, weshalb ein theorielastiges Studienfach für ihn nicht in Frage komme.

Neben dem Studium engagiert sich Daniel für Flüchtlinge. Während der Flüchtlingskrise half er am Münchner Hauptbahnhof und in der Messestadt Riem bei der kurzfristigen Versorgung Tausender geflüchteter Menschen aus. Er bereitete die provisorischen Betten vor, säuberte die Zimmer, half bei der Essensausgabe und sortierte im Lager gespendete Kleidung nach Größe. „Es ist wichtig, dass man sich für Menschen engagiert, die Hilfe benötigen und zeigt, dass sie in Deutschland willkommen sind“, betont er. Des Weiteren fährt der Student seit 2008 einmal im Jahr mit dem Verein „Humanitäre Hilfe für die Ukraine in Bayern“ in eine arme Region des Landes. Vorher werden gespendete Kleidung und medizinische Geräte aus Krankenhäusern gesammelt und verpackt. „Das laden wir dann auf einen Lastwagen, fahren es in die Ukraine und verteilen es an eine Sozialstation, ein Krankenhaus und zwei Straßenkinderheime“, erläutert Daniel.

Diskriminierung auf dem Campus – das kommt vor

Besonders am Herzen liegt Daniel die Arbeit im Queerreferat. Es ist die Anlaufstelle für queere Studierende, also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und alle, die sich sonst noch abseits der Heteronormativität sehen. Dazu gehören auch heterosexuelle Menschen, die nicht in klassischen Zweierbeziehungen, sondern beispielsweise polyamorous leben. „Bei uns haben sie die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, sich auszutauschen, Vorträge anzuhören oder in Einzelgesprächen über Probleme zu sprechen“, erklärt Daniel. Manche erleben selbst auf dem Campus Diskriminierung – bisher sei aber noch immer eine Lösung gefunden worden. Außerdem werden bei der „Queer-Hour“ regelmäßig Themenabende veranstaltet, bei denen nach einem Kurzvortrag über das Thema diskutiert wird – beispielsweise über sexuell übertragbare Krankheiten. Im letzten Semester konnte sogar ein „Trans*-Awareness!“-Workshop und ein Vortrag einer honduranischen Trans*Aktivistin angeboten werden, in dem es um die Lebensrealität von Trans*Menschen in Honduras ging.

Wie wichtig eine solche Anlaufstelle für junge Menschen sein kann, weiß Daniel Meierhofer aus eigener Erfahrung. „Ich kann mich noch gut erinnern, welche Probleme ich damals bei meinem Outing hatte“, erzählt der engagierte Queerreferent. Aus diesem Grund sei er auch gar nicht traurig, dass noch so viele Semester und das Staatsexamen vor ihm lägen, betont er. „So kann ich mich im Queerreferat noch länger engagieren.“  (David Lohmann)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 25 (2017)

Terrorabwehr: Sollen auch Kinder vom Verfassungsschutz überwacht werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 23. Juni 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister

(JA)


Horst Arnold (SPD), Mitglied im Verfassungsausschusses des Landtags

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.