Politik

Wo geht’s zur Macht? Die Landtagsgrünen präsentierten sich nach der Wahl ihres neuen Frontmanns Martin Runge so kampfeslustig wie optimistisch. Links: Ko-Fraktionschefin Margarete Bause, rechts: die Parlamentarische Geschäftsführerin Ulrike Gote. (Foto: dpa)

11.02.2011

Der Unbequeme

Die Landtagsgrünen wählen den Wirtschaftspolitiker Martin Runge zum Fraktionschef

Als Martin Runge nach zwei Stunden Sitzung vor die Kameras tritt, lacht er gelöst, wie einer der die Aufmerksamkeit durchaus genießt. Vor acht Jahren kandidierte Runge schon einmal für diesen Posten, doch er verlor. An diesem Mittwoch wählten ihn die Grünen im bayerischen Landtag zum Fraktionsvorsitzenden.
Runge, 52, dem der Ruf anhaftet, nicht nur mit politischen Gegnern sondern auch mal mit Parteifreunden ruppig umzuspringen, der als Hobby in seinem Lebenslauf angibt „Anträge und Anfragen schreiben“ und der als einer der letzten Profipolitiker aus Prinzip kein Handy besitzt – wegen der Strahlung – er soll Bayerns Grüne erfolgreich in die nächste Landtagswahl führen. 2013, wenn die Grünen nach der Macht greifen wollen.


Der penetranteste Gegner des Transrapid


Es gebe „viele Erwartungen und Hoffnungen, denen es gilt gerecht zu werden“, meint Runge nach seiner Wahl zum männlichen Teil der Fraktions-Doppelspitze neben Margarete Bause. Runge steht vor der schwierigen Aufgabe, das übergroße Loch füllen zu müssen, dass seit vergangenen Sommer an der bayerischen Grünen-Spitze klafft. Damals starb Sepp Daxenberger, Sympathieträger und Symbolfigur der Grünen im Freistaat. Die Landtagsfraktion wählte den kompetenten, aber unscheinbaren Haushaltspolitiker Thomas Mütze aus Aschaffenburg zu Daxenbergers Nachfolger an der Fraktionsspitze. Mütze tat sich schwer. Laut einer Infratest-Meinungsumfrage im Januar kannten ihn auch nach Monaten nur 21 Prozent der Bürger. Am vergangenen Montag gab Mütze auf.
Er fühle sich dem Druck nicht gewachsen, sagte Mütze. „Ich habe so das Gefühl, das war nicht gut genug und ist nicht gut genug für das, was auf uns zukommt.“ Er habe sich von Sepp Daxenberger in die Pflicht nehmen lassen, erklärte Mütze. Doch für eine Rolle in der ersten Reihe fühle er sich nicht geschaffen. Bei den üblichen Neuwahlen der Fraktionsspitze zur Halbzeit der Legislaturperiode trat Mütze nicht mehr an. Er möchte wieder als Fachpolitiker arbeiten und mehr Zeit für seine Familie haben.
So kam es zur Kampfabstimmung. Es kandidierten: Martin Runge, Wirtschaftspolitiker aus Oberbayern, im Landtag seit 1996 und Thomas Gering, Bildungsexperte aus dem Allgäu und erst seit 2008 im Landtag. Runge gewann trotz überlegener Erfahrung und Bekanntheit mit hauchdünnem Vorsprung. Über das genaue Abstimmungsergebnis schweigen die Grünen höflich.
Runge ist ein Grüner der allerersten Stunde. Er gründete 1979 daheim in Gröbenzell zusammen mit Freunden aus der Handballmannschaft einen Grünen-Ortsverband – noch bevor sich die Grünen auf Bundesebene gegründet hatten.

Das Dagegen-Image

Der promovierte Volkswirt Lehrte an der Universität München und arbeitete als Unternehmensberater, bevor er 1996 in den Landtag kam. Dort profilierte er sich mit seinen ausführlich und detailreich formulierten Anfragen an die Staatsregierung und als engagierter Kämpfer gegen ihre liebsten Großprojekte.
Runge galt schnell als bekanntester und penetrantester Gegner der Magnetschwebebahn Transrapid. Runge legte Gutachten vor, zeigte, dass das Projekt Milliarden mehr verschlingen würde als geplant. Die Staatsregierung stoppte den Transrapid. Und Runge fand andere Großprojekte, gegen die es sich zu kämpfen lohnt. Runge setzt sich gegen die olympischen Spiele 2018 in München ein und er macht mobil gegen den geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel in München.
Er wisse nicht, wie die Journalisten darauf kämen, dass er  ein „Dagegen-Image“ habe, sagt Runge nun als Fraktionschef. „Wir müssen zu Verkehrsprojekten, die Milliarden verschlingen nein sagen.“ Doch Runge möchte sich in seinem neuen Amt auch ändern, ein bisschen zumindest. „Ich werde mich bemühen, weniger ruppig zu sein“, verspricht Runge. Und: Wenn er merke, dass es gar nicht geht, könne er sich vielleicht sogar mit einem Handy anfreunden.
(Bernhard Hübner)

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