Politik

Immer mehr Menschen zieht es nach Bayern - allerdings nur in bestimmte Regionen. (Foto: dpa)

17.06.2014

Die Bayern werden immer mehr

Bis 2032 werden im Freitstaat zu den rund 12,5 Millionen Einwohnern 350 000 dazukommen. Bayerns Innenminister stellte diese erfreuliche Prognose heute vor. Allerdings: Es gibt deutliche regionale Unterschiede

Die bayerische Bevölkerung wird nach jüngsten Behördenprognosen weiter wachsen und voraussichtlich im Jahr 2023 den Höchststand von 12,94 Millionen erreichen. Das wären rund 350 000 mehr Bayern als am Jahresende 2012. Danach rechnet das Statistische Landesamt wieder mit einem leichten Bevölkerungsrückgang. Dank der unerwartet kräftigen Zuwanderung werde Bayern aber langfristig weniger deutlich an Bevölkerung verlieren als bislang angenommen, berichtete der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU) heute in Fürth.
Die Bevölkerungsvorausberechnung ist für die politischen Entscheidungsträger aller Ebenen eine wichtige Arbeitsgrundlage. "Bayerns Bevölkerung wird stärker wachsen als nach den bisherigen Vorausberechnungen zu erwarten war", betonte  Herrmann.  Angesichts der regionalen Unterschiede gelte es nun aber aus diesen Daten die richtigen politischen Schlussfolgerungen zu ziehen, etwa in der Familienpolitik sowie der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik, so Herrmann weiter. 

Gewinner Oberbayern, Verlierer Oberfranken

Und die regionalen Unterschiede sind deutlich: Laut Herrmann werde Oberbayern in den kommenden 20 Jahren nochmals deutlich wachsen. "Wir erwarten ein Bevölkerungsplus von 10,1 Prozent - von knapp 4,42 Millionen Einwohnern 2012 und einem Bevölkerungsanteil von 35 Prozent auf 4,9 Millionen Einwohner 2032 und einem Bevölkerungsanteil von knapp 38 Prozent." Wachstumsmotoren seien die Landeshauptstadt München und der Landkreis München mit einem Bevölkerungszuwachs von 13,4 beziehungsweise sogar 15,7 Prozent.
Relativ stabil entwickeln sich in den kommenden 20 Jahren auch Mittelfranken, Schwaben und Niederbayern. Für Mittelfranken wird ein Plus von rund 32.000 Einwohnern (Plus 1,9 Prozent), für Schwaben von gut 28.000 Einwohnern (Plus 1,6 Prozent) und Niederbayern von über 13.000 Menschen (Plus 1,1 Prozent) erwartet. "Mit Wachstumsraten zwischen annähernd vier und sechs Prozent verzeichnen die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen überdurchschnittlich hohe Einwohnergewinne, entsprechend auch die umliegenden Landkreise Erlangen-Höchstadt und Fürth", so der Innenminister. Ein leichtes Minus von 1,7 Prozent, insgesamt rund 18.000 Menschen, verzeichne die Oberpfalz - aber ungleich verteilt auf die Landkreise. Während die Stadt und der Landkreis Regensburg einen Zuwachs von fast 21.000 Einwohnern erwarten könne, nehme die Bevölkerung in den übrigen Kreisen und kreisfreien Städten um rund 39.000 Menschen ab. Mit einem Rückgang der Einwohner müsse Unterfranken in Höhe von 5,2 Prozent und Oberfranken in Höhe von 8,1 Prozent rechnen.

Die Menschen kommen aus dem In- und Ausland nach Bayern

Allein zwischen 2010 und 2012 hat der Freistaat Bayern einen Wanderungsgewinn aus dem Inland (42.000 Menschen) und aus dem Ausland (171.000 Menschen, davon 142.000 aus den EU-Mitgliedstaaten) von über 213.000 Personen verzeichnet. Bis 2032 rechnet das Statistische Landesamt weiterhin mit einem einen positiven Wanderungssaldo von durchschnittlich rund 50.000 Personen jährlich – 15.000 aus den anderen Bundesländern, 35.000 aus dem Ausland.
Dort wo es zu Bevölkerungsrückgängen kommt, liege die Ursache Herrmann zufolge in der natürlichen Bevölkerungsentwicklung, also dem Saldo aus Geburten und Sterbefällen. Voraussichtlich werden lediglich in einigen Städten wie München (plus sieben Prozent), Regensburg (plus 0,9 Prozent) und Erlangen (plus 0,5 Prozent) sowie in den Landkreisen Freising (plus 1,8 Prozent) und Erding (plus 0,2 Prozent) mehr Kinder geboren als Menschen sterben. Allein in Oberfranken führen die Sterbefälle bis 2032 voraussichtlich zu einem Bevölkerungsverlust von über 11 Prozent.

Das Durchschnittsalter steigt um 3,2 Jahre

Das Durchschnittsalter dürfte im Freistaat Bayern bis 2032 um 3,2 Jahre ansteigen. Aktuell liegt es bei 43,3 Jahren, 2032 dann bei 46,5 Jahren. In den nächsten beiden Jahrzehnten wird bayernweit die Zahl der unter 20-jährigen um zirka 7 Prozent auf 2,2 Millionen Menschen abnehmen. Die Anzahl der über 65-Jährigen wird um zirka 39 Prozent auf rund 3,4 Millionen Menschen zunehmen. Dazu der Innenminister: "Der Zuwanderung kommt hier große Bedeutung zu. Denn Zuwanderer sind tendenziell deutlich jünger als die ansässige Bevölkerung."

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion Annette Karl ist empört darüber, dass Minister Herrmann den Bevölkerungsrückgang auf dem Land als "natürlich" bezeichnet habe. "Der Minister macht es sich an dieser Stelle sehr einfach, indem er so tut, als sei die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung in Stadt und Land gottgegeben", so Karl. "Die Wahrheit ist: Wegen der Vernachlässigung der ländlichen Regionen durch die Staatsregierung ziehen die jungen Menschen vom Dorf in die großen Städte wie München oder Nürnberg. Sie bekommen damit ihre Kinder nicht mehr in ihren Heimatregionen - und damit überwiegen dort die Sterbefälle und nicht die Geburten. Der Minister und die Staatsregierung müssten nun endlich etwas dafür tun, dass sich den Menschen überall in Bayern eine Zukunftsperspektive bietet in Stadt und Land.

SPD: Bevölkerungsschwund auf dem Land nicht schönereden

Dazu gehörten, so die SPD-Wirtschaftsexpertin, insbesondere eine Bestandsgarantie für Schulen, ärztliche Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten. "Es ist doch klar, dass kaum eine junge Familie in ein Dorf ziehen möchte oder dort bleiben kann, in dem demnächst die Schule durch die Kaltschnäuzigkeit der Regierung dichtmacht und von dem aus die Kinder zwei Stunden zur nächstgelegenen Schule fahren müssen", so Karl: "Hier muss die Staatsregierung dringend tätig werden, ebenso in der Förderung von Landärzten. Es ist niemandem damit gedient, sich selbst den Bevölkerungsrückgang auf dem Land durch absurde Theorien schönzureden und die Schuld dafür von sich zu weisen!

Grüne vermissen Schlussfolgerungen aus den Zahlen

Auch die Landtagsgrünen übern Kritik: „Innenminister Herrmann stellt Prognosen vor, die bekannt sind und wenig Neues zu bieten haben. Schlussfolgerungen vermissen wir allerdings", sagt Markus Ganserer. "Aus der Prognose für Bayern müssen jetzt auch die politischen Konsequenzen gezogen werden. Statt in Form selbsterfüllender Prophezeiungen den Wirtschaftsraum München zu mästen und damit den Trend zu verstärken, gilt es die Standortfaktoren in den ländlichen Regionen zu stärken." Seine Forderungen:  wohnortsnahe Schulen und Kinderbetreuung. Statt durch einen weiteren Ausbau von Straßen auf dem Land den Abfluss von gut ausgebildeten jungen Leuten und Kaufkraft zu erhöhen, müsste zudem endlich eine flächendeckende Breitbahnversorgung als Datenautobahn der Zukunft sicher gestellt werden. (BSZ)

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