Politik

Drogenkonsumräume sind keine rechtsfreien Bereiche. (Foto DDP)

06.08.2010

Mit Brachialrhetorik gegen Fixerstuben

Opposition und die FDP fordern Drogenkonsumräume für Bayern - die CSU ist entsetzt

Es gibt Themen, die würde Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) am liebsten im Keim ersticken. Die Drogenkonsumräume (DKR) zählen dazu. In diesen Einrichtungen dürfen in sechs Bundesländern Schwerstabhängige unter Aufsicht Narkotika injizieren. Studien belegen, dass dort die Zahl der Drogentoten zurückgeht. Söder aber lehnt sie für den Freistaat ohne tiefergehende Argumente als „faktisch rechtsfreie Räume“ ab. Ob er sich mit dieser Basta-Rhetorik auf Dauer durchsetzen wird, ist fraglich: Abgesehen von der CSU fordern nämlich die anderen vier Landtagsfraktionen Drogenkonsumräume. Schnellen Handlungsbedarf sehen auch der Paritätische Wohlfahrtsverband als Dachverband zahlreicher Drogenhilfeeinrichtungen und die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Kontaktläden.


17 Drogentote in Nürnberg allein in diesem Jahr

 
Seit drei Jahren steigt dort die Zahl der Drogentoten stetig. Das Gleiche gilt nach Angaben des Gesundheitsministeriums für den ganzen Freistaat: 191 (2006), 231 (2007), 247 (2008) und 250 (2009). Für das Jahr 2010 investiert der Freistaat laut Söder 7,6 Millionen Euro in die Suchtprävention. Dennoch haben bislang Aufklärung und Beratung, Drogennotfalltrainings, Hotline und Spritzenvergabe nicht verhindern können, dass immer wieder leblose Konsumenten in öffentlichen Parkanlagen und Toiletten Bayerns aufgefunden werden.


Deshalb würde man in Nürnberg und auch in München gerne dem Beispiel des immerhin konservativ regierten Frankfurts folgen. Dort gibt es bereits seit den 1990er Jahren DKR – mit Erfolg, wie unter anderem eine wissenschaftliche Studie des renommierten Suchtexperten Heino Stöver belegt. Demnach ist keine der mehr als 8000 schwe-
rstabhängigen Personen, die zwischen 1994 bis 2008 die vier DKR der Mainmetropole aufsuchten, bisher verstorben.


Die Ansteckungen mit Hepatitis C und AIDS sind laut Stöver deutlich gesunken, weil in den Räumen sterile Spritzen ausgeteilt werden. Impfungen werden angeboten, Therapieplätze vermittelt. Und immer wieder bewahrt die Notfallversorgung des geschulten Personals vor dem sicheren Tod.
Auch Söders Vorwurf der rechtsfreien Räume zielt ins Leere. Dazu reicht ein Blick in die Frankfurter „Verordnung über die Erlaubnis für den Betrieb von Drogenkonsumräumen“ – ähnlich lauten auch einschlägige Richtlinien für die bundesweit 16 DKR in Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland: Demzufolge darf in den umgangssprachlich auch Fixerstuben genannten Anlaufstellen nicht gedealt werden.


In allen sechs Bundesländern arbeiten die DKR eng mit den Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden zusammen. Dies kann sich auch Nürnbergs Oberstaatsanwalt Wolfgang Gründler vorstellen, sollte es in Bayern künftig DKR geben und eine entsprechende Kooperationsvereinbarung festgelegt werden.


Nichtsdestotrotz sind die DKR für die CSU offenbar Teufelszeug. Ihr gesundheitspolitischer Sprecher Thomas Zimmermann sieht in ihnen eine „unzumutbare Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls der Bürger“. Im Übrigen seien sie überflüssig, weil andere „leicht erreichbare Hilfen für Drogenabhängige“ angeboten würden.


Der Koalitionspartner FDP ist mal wieder abweichender Meinung. Für Fraktionschef Thomas Hacker sind Schwerstabhängige Kranke, die der Fürsorge der Gesellschaft bedürfen. „Drogenkonsumräume können neben anderen Maßnahmen ein geeignetes Mittel sein, um von der Sucht loszukommen“, hält er grundsätzlich fest. Damit befindet er sich in ideologischem Einklang mit seiner Parteikollegin und Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans. Was Hacker zu einer möglichen Umsetzung in Bayern sagt, klingt indes wenig optimistisch: „CSU und FDP haben sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, nur bei inhaltlicher Übereinstimmung parlamentarische Initiativen zu ergreifen.“ Aus diesem Grund werde man über DKR zunächst innerhalb der Koalition diskutieren.


Dem wollen die übrigen Fraktionen vorgreifen und positionieren sich eindeutig pro DKR. Sabine Dittmar, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, hält Söders Position für „billige Stimmungsmache“. In den DKR herrschten klare Regeln. Letzteres betont auch Theresa Schopper, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen. Ihre Fraktion hat im Landtag einen Antrag zur „Erteilung einer Erlaubnis für den Betrieb von Drogenkonsumräumen in Bayern“ eingereicht.


Für eine „Frage der Menschenwürde und Humanität“ hält Karl Vetter, der gesundheitspolitische Sprecher der Freien Wähler, die DKR. Allerdings nicht flächendeckend, erst nach genauer Abwägung und mit Zustimmung der Kommunen.


Letztere können bislang keine DKR einrichten, weil dazu die Landesverordnung fehlt. Dabei ermächtigt der Bundesgesetzgeber in Paragraf 10 des Betäubungsmittelgesetzes die Landesregierungen zum Betrieb von Drogenkonsumräumen. Ob auch Bayern eine solche Landesverordnung bekommen wird, ist offen. Eine ernsthafte Diskussion steht noch aus. (Alexandra Kournioti)

 

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Kommentare (12)

  1. Diana am 13.07.2012
    Frau Poland liefert in diesem Interview ein Paradebeispiel für das Scheuklappendenken und die Faktenresistenz gewisser Psychiater, sie rezitiert längst widerlegte Thesen der Psychologie und zeigt damit, dass sie nicht über den Tellerrand ihrer Fakultät blicken mag, wie sonst käme sie dazu, zu behaupten, transsexuelle Menschen wüssten nicht welchem Geschlecht sie angehören oder glaubt trotz aller Menschenrechtsverletzungen immer noch, man könne das Geschlecht von intersexuellen Menschen zurechtschnippeln?

    Zur Transsexualität: Wenn solche Psychiater krampfhaft an der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen festhalten und das Genital des Menschen zum alleinigen Geschlechtsmerkmal ernennen, dann ignorieren oder leugnen sie all die Forschungsresultate der letzten zwei Jahrzehnte wie beispielsweise diejenigen der Neurologie, die aufzeigen konnten, dass Transsexualität kein psychologisches Phänomen ist sondern biologische Ursachen hat. Massgeblich geschlechtsrelevante Hirnareale im Hypotalamus weisen bei transsexuellen Frauen sowohl von Grösse als auch Neuronendichte her die Struktur von Frauen auf - bei transsexuellen Männern entspricht diese Region Männern. Transsexuelle Menschen wissen also sehr wohl, welchem Geschlecht sie angehören, auch wenn äussere Geschlechtsmerkmale dagegen sprechen.

    Zur Genetik: Auch ihre Behauptung, das Geschlecht liesse sich durch Chromosomen nachweisen, entbehrt jeglicher Realität. Wie will sie das Geschlecht genetisch nachweisen, wenn es XY-Frauen oder XX-Männer gibt, ja sogar XXY Varianten existieren? Würfeln?

    Zur Genitalverstümmlung: Und genau diese Faktenresistenz, die Erkenntnisse aus anderen Wissenschaftsbereichen ausblenden, verdanken intersexuelle Menschen auch die Genitalverstümmlungen. Es ist die wirre Sichtweise, dass das Genital das Geschlecht eines Menschen bestimme, demzufolge könne man durch Genitaloperationen von Kleinkindern deren Geschlecht festlegen. Die Realität sieht jedoch anders aus, auf diese Weise wird das äussere Geschlecht eines Menschen verändert, ohne dass dieses zwangsläufig mit dem im Hirn kodierten Geschlecht übereinstimmt. Welch Zynismus, dass dann dieselben Psychiater, die solche Genitalverstümmlungen gutheissen, dann die Diagnose Transsexualität darüberstülpen, wenn die Genitalverstümmelten im nun falschen Geschlecht kaputt gehen.

    So wundert es auch nicht mehr, dass Frau Poland Genitalverstümmlungen von Kleinkindern "in gewissen Fällen" gut heisst, sie scheint entgegen allen Erfahrungen immer noch zu glauben, man könne das Geschlecht eines Menschen chirurgisch festlegen. Geradezu grotesk wird das Ganze, wenn Frau Poland behauptet, Transsexuelle seien mit den Operationen zufriedener weil dort die Forschung weiter sei. Nein Frau Poland, Transsexuelle sind deshalb zufrieden, weil der Körper ihrem EIGENEN von Geburt im Hirn festgelegten und nicht veränderbaren Geschlecht angeglichen werden kann - während man bei intersexuellen Menschen tatsächlich eine körperliche Geschlechtsumwandlung vornimmt. Es geht hier um Selbstwahrnehmung und es geht um Selbstbestimmung - Beides wird von gewissen Psychiatern leider nicht wirklich wert geschätzt.

    So hinterlässt die Psychiatrie Leichen hinter sich, sei es intersexuelle Menschen die aufgrund ihrer Genitalverstümmlung kaputt gehen oder seien es transsexuelle Menschen, die dank der hundert Jahre lang dauernden Psychopathologisierung als "Persönlichkeitsgestörte" von der Gesellschaft stigmatisiert werden. Bei soviel Scheuklappendenken ist es müssig, nun auch noch darauf hinzuweisen, dass nahmhafte Wissenschaftler der Ansicht sind, dass Transsexualität nichts Anderes ist als eine Unterform von Intersexualität - eine partielle Abweichung des Körpers vom eigenen angeborenen Geschlecht - wie bei anderen "Religionen" ist der Dogmatismus der "Glaubenslehre" unerschütterlich.

    Um es mit den Worten von Prof. Milton Diamond von der University of Hawaii zusammenzufassen:
    "Transsexuelle Menschen leiden nicht an einer geistigen Krankheit sondern daran, daß sich ihre Gehirne in Richtung des einen und ihre Körper in Richtung des anderen Geschlechts hin entwickeln"
    (http://hawaii.edu/PCSS/biblio/articles/2005to2009/2008-soziale.html)
  2. Kim Schicklang am 13.07.2012
    Irgendwie tut sich Frau Poland keinen Gefallen. Sie verdient u.a. damit Geld transsexuelle Frauen als Männer mit Geschlechtsidentitätsstörung anzusehen, die "Frauen werden" wollen, anstatt geschlechtliche Vielfalt anzuerkennen und sie einfach als Frauen anzuerkennen (was anscheinend normale Menschen ganz gut hinbekommen, aber Leute, die irgendeinen "Psycho" in ihrer Berufsbezeichnung tragen häufig nicht). Warum zahlt der Steuerzahler eigentlich an Menschen, die Vielfalt nicht anerkennen wollen Geld? Ist das nicht absurd? Sind geschlechtliche Stereotypen so wichtig, dass man sich als Gesellschaft so Närrinnen wie Frau Poland leisten muss?
  3. karin am 14.07.2012
    Dem Kommentar von Diana ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen außer ein DANKE für diese endlich nötige Aufklärung. Erschrecken ist und bleibt mal wieder, dass ÜBER Menschen gesprochen und Entscheidungen getroffen werden, ohne sie selber zu beteiligen und einzubeziehen. So werden Intersexuelle wie Transsexuelle zu Behandlungsobjekten degradiert, die ihre eigene Würde erst nach der Behandlung ansatzweise zugesprochen bekommen. Dieses Denken ist grundfalsch und gefährlich und solange man solche Menschen medial noch protegiert, sind Kommentare wie diese nur der Anfang.

    Es wird dringend Zeit aus den Routinen einer solchen Behandlung auszusteigen. Während ein Kölner Landgericht die religiöse Beschneidung als Körperverletzung einstuft, dürfen ungeachtet dem Willen der Betroffenen weiterhin Geschlechtszuweisungen per chrirugischen Eingriff straflos vollzogen werden. Das gleiche Landgericht hat im Fall von Christiane Völling zum Glück genauso entschieden:
    http://www.intersexuelle-menschen.net/aktuelles_archiv.html

    Für eine Fachfrau dringend lesenswert.
  4. Klarname: Alexandra am 14.07.2012
    Nehmt zur Kenntnis, dass die Schuld am Leid sowohl intersexueller als auch transsexueller Menschen meist bei den „Sexualforschern“ liegt, die größtenteils aus den Reihen der Psychoanalyse kommen. Während sie glauben urteilen zu dürfen, ob transsexuelle Menschen sich behandeln und operieren lassen dürfen, haben sie jahrzehntelang Zwangsoperationen an intersexuellen Kindern und Jugendlichen geduldet und sogar veranlasst - und verbreiten ihren Irrglauben noch heute.

    John Money ist tot und wurde postmortal von einigen seiner „Kollegen“, vermutlich um von ihren Fehlern auf seinem Trittbrett abzulenken, zum „Prügelknaben“ erklärt. Aber die Lügner und Menschenrechtsverbrecher wie Sigusch, Pfäfflin, Kockott, Sophinette Becker, Meyer-Bahlburg, Bosinski, H. Bayer, Richter-Appelt und anderen Sekundärtäter, wie Rüffer-Hesse und Uwe Hartmann (MHH Hannover) oder Dorette Poland leben noch und sind bisher kein Stück von ihrem Mist abgerückt.

    Ich habe wissenschaftlicher Studien und Artikel, die aufeinander Aufbauen und sich gegenseitig Stützen, zum Thema gesammelt und aufgelistet. Es gibt im übrigen mittlerweile mehr als 350(!) Studien, die Belegen, dass genetische und hormonelle Einflüsse schon fetal die Struktur des Gehirns formen. ... Das Thema ist eigentlich recht gut erforscht!

    Postnatale Ursachen durch psychosoziale Einflüsse dagegen werden, von Psychogläubigen, seit mehr als 85 Jahren gesucht, nie gefunden und sind durch die Realität sowieso längst wiederlegt.

    Erschreckend ist, dass die selbsternannten „Spezialisten“, zumeist aus den Reihen der Psychoanalyse all diese Fakten abstreiten, nicht(s) sehen wollen, statt dessen immer noch Intersexualität und Transsexualität aus ideologisch, weltanschaulicher Sicht betrachten. Da fragt sich schon ein jeder, warum diese Herrschaften beharrlich, biologische Tatsachen und die aus dieser Verweigerungshaltung erwachsenden reellen Menschenrechtsverletzungen weiterhin verklären.

    Meine Erfahrung ist, die ewiggestrigen, „Spezialisten“ und auch die anderen selbsternannten „Gläubigen“, die ich mit der Quellenlage konfrontiert habe, stellten sich stets dumm, meckerten, versuchten die Studien in Frage zu stellen, dabei tun sie immer so, als seien sie „die einzigwahren Hochgebildeten“, versuchten mir all zu oft rüberzubringen, ich sei ja (eigentliche) psychisch Gestört und beharrten dabei schließlich bockig auf ihrer alten Sichtweise.

    Nun, das Thema ist komplex und für viele ist ihr auf Vereinfachungen beruhendes Weltbild, möglicherweise ihre christliche Ethik, zu kostbar, um es durch Bildung zu gefährden!

    Dies wäre ja nicht weiter Schlimm, aber wenn dann auf die Idee gekommen wird, alles das, was nicht in diese einfache Sicht passen darf, abzutun, bis hin zu den daraus folgenden realen Menschenrechtsverletzungen. - Dann zeugt dies von einer extrem nachteiligen Persönlichkeit, die sich gegen viele Menschen, womöglich gegen alle Menschen richten kann und sicherlich gesellschaftspolitisch unvergleichbar zerstörerischer ist als Intersexualität und Transsexualität ist. - Gewollte Informationsverweigerung weist auf eklatante Reflexionsunfähigkeit hin. Womöglich auf die eigene Psychopathie, unbewusst, oder vielleicht erkannt und dann bewusst abgestritten, hin!

    Dafür hat die Psychologie sogar einen Namen, nein nein, kein großes Tam Tam, wie die Allwissenden es gerne veranstaltet, - es nennt sich einfach: „Projektion“! Oder: „Selbstübertragung“?

    Liebe Grüße
    Alexandra Galle
  5. Schlumpfine am 14.07.2012
    Sehr geehrte Frau Dr. Poland,

    Ich habe dieses Interview gelesen und habe ich folgendes anzumerken:
    Transidentes Verhalten ist nicht nur bei Menschen in JEDER Kultur anzutreffen, was allein schon ein Beweis der anborenen Transidentität ist und keine Einbildung, sondern wurde genauso auch bei Tieren beobachtet, welche wohl nicht in der Lage sind, sich irdendein "Wunschgeschlecht" einzubilden. Zumal A-Typisches Verhalten schon bei kleinen Kindern gesehen wird, welche sich über eine Geschlechterrolle noch überhaupt keine Gedanken machen können. Die Antwort darauf ist ziemlich einfach und leicht zu erklären. Das Gehirn einer transidenten Frau ist biologisch weiblichl. Geht nicht? Geht doch!!! Der schweizer Psychiater und Psychotherapeut Dr. phil. Horst-Jörg Haupt forscht seit Langen nach einer Erklärung und hat mitlerweile mit seinem Forscherteam eine gefunden. Er hat anhand von Forschungsergebnissen bewiesen, dass das Gehirn einer transidenten Person, biologisch das dessen gefühlten Geschlecht ist. International mitlerweile auch Standard. Der Begriff Transidentitätsstörung ist veraltet, falsch und schwer diskriminierend.
    Einer tansidenten Person zu sagen, sie solle sich mit dem biologischen Geschlecht abfinden, ist an seelische Grausamkeit nicht zu überbieten. Solche Aussagen führen zu Elend und Suizid. An der Identität einer Person zu zweifeln ist ein schweres Verbrechen. Allein deshalb, weil es mitlerweile genügend wissenschaftliche Ergebnisse gibt, welche ihre Aussagen ganz klar wiederlegen. Allein der gesunde Menschenverstand, wenn man die Natur ganz objektiv beobachtet, müsste von den alten Thesen wegbringen. Da stellt man sich dann die Frage, wieso manche "Experten" dann immer noch diesen Misst erzählen. Es gibt da eigentlich nur drei Möglichkeiten. Man hat seine Hausaufgaben nicht gemacht, man ist ideologisch verbohrt (religiöser Wahn, wozu auch das Erzkonservative gehört) oder ist nicht in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.
    Ich kann sie einfach nur bitten menschlich zu handeln und eine Menge Leid zu mindern, welche ihre Aussagen bisher hervorgebracht haben. Es ist keine Schande Fehler einzugestehen. Es ist vielmehr ein Zeichen von Größe. Kann ich nur hoffen, dass sie ihre Fehler sehen und eine Kursänderung vornehmen.
    Ich bin übrigens selber eine transidente Frau und habe 46 Jahre in meinem biologisch männlichen Körper zubringen müssen. Als Kind war mir schon klar, dass ich ein Mädchen bin und hatte mich auch wie eines verhalten. Nachdem ich gequält (auch Folter), gedemütigt und geschlagen wurde, habe ich mir ein männlcihes Verhalten antrainiert. Ich hatte versucht mich damit abzufinden. Es hat mir schweres Leid gebracht und chronische Erkrankungen gebracht, welche dadurch entstanden sind. Wie zB Depression, Angstzustände usw., welche dazu geführt haben, dass ich für die Gesellschaft eine Belasung wurde und eine Erwerbsunfähigkeitsrente bekomme. Bei einer rechtzeitigen Hilfe und Rollenwechsel, hätte ich ein glückliches Leben haben können und wäre höchstwarscheinlich noch voll arbeitsfähig. Aber mein Leid ist gebremst und ich kann relativ glücklich als Frau leben. Und kein Mensch, wer mich kennenlernt, würde denken, dass es jemals anders gewesen sein könnte. Ich bin nicht verbittert über die 46 verschenkten Jahre, aber über Aussagen welche sagen, ich bilde mir meine weiblichkeit ein. Da bekomme ich ganz schlimme Gedanken, das ist das Schlimmste was man mir sagen kann.
  6. Lucie G. Veith am 22.07.2012
    Sehr geehrte* Dorette Polmann,

    Sie propagieren hier die Kastration und Genitalbeschneidung intersexuell geborener Kinder?!Selbst der Deutsche Ehikrat erkennt die Verletzung der Menschenrechte an diesen Kindern an. Die Verletzung der Würde, der körperlichen und seelischen Unversehrtheit und das Selbstbestimmungsrecht haben auch Sie zu respektieren. Das Recht der Eltern in solche Verstümmelungen, die dem Kindeswohl nicht dient, besteht nicht. Sowohl die UN- Kinderrechtskonvention, als auch der UN-Sozialpakt, das Abkommen Zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW), die UN - Behindertenrechtskonvention, wie die Allgemeinen Menschenrechtserklärung und das Verbot der Folter, unmenschlicher Behandlung oder Strafe gelten auch in Bayern. Und wer sich gegen diese Rechte stellt, sollte dies auf politischer Ebene tun und nicht reißerisch wie Sie hier in dieser Zeitung. Ein wenig mehr Reflektion darf man von einer Fachkraft erwarten. Selbst Radio Vatikan fordert zum Respekt auf und der Weihbishoff Losinger räumt ein, dass auch intersexuelle Menschen als Teil der Schöpfung zu respektieren sind.

    Ich fühle mich persönlich von Ihnen herabgesetzt und wegen meines Geschlechts und meiner geschlechtlichen Identität(eindeutig weder Mann noch Frau ) wegen meines Geschlechts (intersexuell) diskriminiert.

    Sie werden sicher nichts dagegen haben, wenn ich Ihre Äußerungen zitieren ( natürlich mit Namen und Quelle)...

    Sollten Sie hier falsch zitiert sein, teilen Sie es mir bitte mit. Die Adresse des Bundesverbandes Intersexuelle Menschen e.V. finden Sie im Netz.
  7. Frances Kreuzer am 23.07.2012
    "Fremde in unserer Gesellschaft"

    Allein der Titel dieses Artikels ist eine Diskriminierung nicht nur nach dem Deutschen Grundgesetz sondern auch nach der Bayerischen Verfassung und dem AGG und dem BGG.

    Ein Intersexueller Mensch deutscher Staatsangehörigkeit.

    Frances Kreuzer
  8. Heike Bödeker am 25.07.2012
    Einen restriktiven Politikstil, der zunehmend auf Verbote setzt, mag man tatsächlich nicht mögen können. Er steht im Ruch der Rauchverbote, die ja auch mit Nichtraucherschutz durchaus "begründbar" sind.
    Individuelle Betreuung nun liest sich auf den ersten Blick zwar so suggestiv "kundenfreundlich", aber die Idee ist (zumindest auf dem internationalen "Markt") nicht gerade neu, oder sie hat (warum auch immer -?) in der BRD (anscheinend -?) nichteinmal in den letzten beiden Jahrzehnten (also seit der Entstehung eines internationalen "Intersex Movement" mit ISNA u.ä. Organisationen, die ja durchaus einen Dialog mit Medizinern und Psychologen aller Couleur pflegten) geklappt.
    Wenn ich als IS eine "Fremde in unserer Gesellschaft" bin (was eine doch pauschale Aussage ist, wenn auch für einige deren zurückgebliebeneren Segmente, in denen "Sexismus zur Folklore gehört", sicherlich zutreffend), dann sind Angleichungsversuche (um nicht zu sagen: Assimilationsdruck) aller Art (also medizinischer wie "erzieherischer") doch nur umso drastischerer Ausdruck davon.
    (Und nebenbei, wenn medizinische Untersuchungen aller bisherigen Art schon m.E. wenig hilfreich waren, dann nehme man es mir bitte nicht übel, wenn ich Untersuchungen von Gehirnstrukturen auch nur wiederum keinerlei Hoffnung entgegenbringen kann.)
     Wenn aber "die Grenze ein[...] Ort der Erkenntnis" ist (und dies dürfte dann eher der Grenzbereich dieser Kultur/Gesellschaft sein*), dann ist das doch ein priviligierter Ort, an dem man nur zu gern verweilen möchte. Wer wollte sich das schon nehmen lassen?

    *wozu auch durchaus auch gehört, das Geschlechtersystem mitsamt seinen polaren Koordinaten "männlich" vs. "weiblich" infragestellen zu können.
  9. Sue am 06.10.2012
    Erschreckend.
    Ich bin erschrocken, wie sich hier sehr viele erdreisten, eine Frau zu verurteilen, die sich seit Jahren für Transsexuelle und Intersexuelle einsetzt. Kennen diese Personen Frau Poland persönlich? Ich bin bei Frau Poland wegen Transsexualität in Behandlung und fühle mich bei ihr sehr gut aufgehoben. Sie arbeitet seit knapp 30 Jahren mit Transsexuellen und hat sich in dem Interview auch eindeutig gegen eine verallgemeinerung der Intersexualität eingesetzt und sie hat auch gesagt, das LEIDER Transsexuelle und Intersexuelle immer noch nicht in der Gesellschaft angesehen werden. Ich finde es unmöglich, welche Reaktionen hier auf dieses Interview folgen. Frau Poland ist am Boden zerstört, nachdem sie sich so lange für Transsexuelle und Intersexuelle einsetzt und jetzt genau von diesen Personen hier an die Wand gestellt wird. Ich bin auser mir. Man sollte auch mal zwischen den Zeilen lesen.
  10. Schlumpfine am 07.01.2013
    Liebe Sue,
    ICH bin erschrocken, was du hier schreibst. Hast du meinen Text gelesen und auch voll und ganz? Hast du wirklich alles verstanden?
    Ich muss Frau Dr. Poland nicht persönlich kennen um dieses Interview zu bewerten. Die Aussagen sind ja wohl eindeutig. Ihre wichtigsten Aussagen zu uns TS: "Normalerweise weiß man welches Geschlecht man ist, Transsexuelle wissen es eben nicht." "Transsexuelle sind Identitätsgestört." So die Aussagen von Frau Dr. Poland.
    Ich habe ja keine Ahnung, ob du dir diesen Schuh anziehen willst, oder ob er bei dir sogar passt. Wenn er passt, dann trifft es eben auf dich zu, aber nicht unbedingt auf andere Transsexuelle.
    Mich hat Dr. Poland mit diesen Aussagen aufs persönliche extrem schwer beleidigt!!! Und jetzt sagst du, dass sie am Boden zerstört ist? Ooooch, das tut mir aber leid. Wenn deine liebe Frau Dr. Poland nicht in der Lage ist, sich fortzubilden und neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufzunehmen und weiter diesen diskriminierenden Scheiß erzählt, dann habe ich null Bohne Mittleid, sondern eher unbändige Wut! Ich hatte Frau Dr. Poland übrigens angeschrieben und ihr von den neuen Erkenntnissen und dessen Ursprung, erzählt. Das habe ich auch bei anderen Therapeuten gemacht und bin teilweise auf positive Resonanz gestoßen. Einige haben sich wirklch Gedanken gemacht und mir versichert, dass sie ihre Meinung jetzt noch mal überdenken. Frau Dr. Poland hatte nicht einmal den Anstand, eine Antwort zu hinterlassen. Soviel zu dieser arman Frau.
    Sie kann mir persönlich einen großen Gefallen tun. Sie kann sich, wenn sie so am Boden zerstört ist, sich von Transsexuellen fern halten. Mir dürfte diese Frau nicht begegnen, ich liefe Gefahr, meine gute Erziehung zu vergessen.
  11. Sue am 22.03.2013
    So, war länger nicht hier und habe gemerkt, das die Hetze gegen Frau Poland weitergeht. Deswegen werde ich hier das ganze nicht weiter anheizen. Nur ein letzter Kommentar. Transsexualität IST EINE IDENTIFIKATIONSSTÖRUNG. Nur, sie wird von vielen falsch aufgefasst. Die Störung liegt darin (diese Meinung vertritt übrigens auch Fr. Poland), das das "angeborene" Geschlecht nicht dem "wahren" Geschlecht entspricht. DARIN LIEGT DIE STÖRUNG. Und die Lösung ist nun mal das anpassen des geborenen Geschlechts an das wahre Geschlecht. Das sollte man einsehen. Wenn jemand Krebs hat oder das Down Syndrom oder irgend eine psychische Störung sollte man es ja auch einsehen und dazu stehen. Und, was is so schlimm daran? Ich hatte eine Identifikationsstörung und bin gerade (durch das Leben in meinem wahren Geschlecht) dabei, diese zu "heilen".

    Und, man sollte sich nicht einzelne Sätze rauspicken, da dann der Zusammenhang verloren geht. Also, hier noch einmal die Worte von Frau Poland: Es geht um das tiefe innere Zugehörigkeitsempfinden, die tiefe innere Gewissheit, Mann oder Frau zu sein. In der Regel weiß der Mensch das. Transsexuelle wissen es eben nicht. Daraus folgern sie beispielsweise: „Ich weiß, ich bin im anderen Geschlecht.“

    Und auch: Die Gesellschaft sollte Intersexuelle in ihrem So-Sein akzeptieren.

    P. S.: Die Krankheit bei TS ist, das der Körper nicht dem wahren Geschlecht entspricht und die Heilung ist, das der Körper an das wahre Geschlecht angepasst wird. Wenn also viele TS weiter dafür kämpfen, das sie ja nie krank waren, werden die Krankenkassen auch nicht mehr die Behandlung bezahlen. Denn, TS ist ja dann keine Krankheit. Tja, dann werden viele TS wieder in die Prostitution abrutschen, wie früher. Denn, keiner übernimmt mehr die 12.000 Euro für die Genital OP oder die Kosten für die Hormontherapie. Ach, ich kenne den Fall einer Intersexuellen, die UNBEDINGT eine anpassende OP wollte, aber dessen Eltern dagegen war. Sie ging nach Hamburg, wurde Prostituierte und hatte das Leben nur noch unter Drogen ertragen. Sie starb an einer Überdosis. Nun, wie ihr seht, MAN SOLLTE INDIVIDUELL ENTSCHEIDEN. Und genau das war die Aussage von Frau Poland.

    Seit mal nicht so verbohrt...
  12. Kerschdin am 20.06.2013
    Hallo liebe Sue,

    hast Du schon mal was vom "Uncle Tom Syndrome" gehört?

    Es ist übrigens eine gerne benutzte Drohung einiger Psychater und Gutachter, daß ja nur
    bezahlt wird, wenn man sich psychopathologisieren lässt. Das dient nichts anderem als deren Geldbeutel, denn sie sind der große Kostenfaktor. Es wird verucht Pfünde gegen die wissentschaftlich belegbaren neue Tatschen zu verteidigen.
    Die KK wird auch in Zukunft bei diesen krankheitswertigen Normvarianten Maßnahmen zahlen. Sie sparen sogar an diesen freudianischen Glaskugellesern

    LG Keraschdin

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