Politik

31.10.2013

Unterhaltung gehört zum Auftrag

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Er hat es also wieder getan. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) holte einmal mehr zum Rundumschlag gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus. Populistisch gegen den Qualitätsverfall des Programms von ARD und ZDF zu wettern, macht ja auch Sinn. Denn man ist sich der Zustimmung der vielen Zwangsabonnenten sicher, die in der Haushaltsabgabe in Höhe von 17,98 Euro im Monat reine Abzocke sehen. Es gehe auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern um „Quote, Quote und nochmals Quote“ statt seriöser Information, zeterte Lammert jetzt. Und stellte deshalb gleich mal das gesamte System der Rundfunkgebühren in Frage.
Aber wie sähe denn ein Programm nach Lammerts Geschmack aus? Aufgefallen ist er in den vergangenen Jahren wiederholt mit der Forderung, dass man auch im Hauptprogramm live aus dem Bundestag zu berichten habe. Reportagen sowie politische und historische Dokumentationen dürften ihm ebenfalls gefallen. Den Leuten müsste man das bieten, „was sie sehen sollten“, sagte Lammert. Spannend dürfte allerdings werden, wie laut das Geschrei der Leute dann wäre – über die Ungerechtigkeit von Zwangsgebühren von allen für ein Minderheitenprogramm à la Lammert.

Was ist mit teuren Sport-Events?


Natürlich kann und muss man darüber diskutieren, ob das alles sinnvoll ist, was ARD und ZDF mit den 7,5 Milliarden Gebührengeldern treiben. Ob die schleichende und kostenintensive Ausweitung des Angebots – auch im Internet – tatsächlich gerechtfertigt ist. Und ob man den Privaten für Unsummen Rechte an großen Sport-Events wegschnappen muss. Gelänge hier ein Umdenken, würden die Gebührenzahler weit weniger belastet.
Aber die Debatte muss fair geführt werden. Dass sich die Öffentlich-Rechtlichen auch an der Quote orientieren, kann man ihnen nicht vorwerfen. Ihr Programm muss sich auch an ihr messen lassen. Alle Haushalte zahlen, also müssen auch alle etwas davon haben. Nicht nur Herr Lammert. Das Ziel muss eine gesunde Programmmischung sein, in der jeder etwas finden kann. Der Kulturbeflissene genauso wie der Polit-Junkie oder der Wissenschaftsfan. Um dem gesetzlichen Auftrag der Grundversorgung gerecht zu werden, müssen aber auch diejenigen, die Unterhaltung und Entspannung suchen, bedient werden. Und das dürfte nicht die Minderheit sein.

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