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1946 war ein Superwahljahr in Bayern – hier die Wahl zur Verfassunggebenden Landesversammlung am 30. Juni. Manches Wahllokal, wie hier in München, zeigte noch deutlich Spuren des Krieges. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag)

25.11.2016

Wählen lernen

Was Monatsberichte der amerikanischen Militärregierung über die Landtagswahl 1946 verraten

Kennen Sie Wohlmuthshüll? Nein? Der kleine Ort in der Fränkischen Schweiz schrieb in Deutschland Demokratie-Geschichte. Dort fanden nämlich nach der Nazi-Diktatur die ersten demokratischen Wahlen Deutschlands statt. Bereits am 18. Juli 1945 hatten die amerikanischen Militärbehörden den Ortsbewohnern die Möglichkeit gegeben, in freier und geheimer Wahl ihren eigenen Bürgermeister zu wählen. Bürgermeister wurde der 44-jährige Bauer Johann Sponsel. Diese Genehmigung zur Wahl war eine Ausnahme – und gewissermaßen ein Lob: Als nämlich 1942 der frühere Bürgermeister gestorben war, stellte der Ort keinen Nachfolger mehr. Und das deshalb, weil keiner in Wohlmuthshüll der NSDAP angehörte – und nur des Postens wegen der Partei auch nicht beitreten wollte. Das Dorf wurde deshalb vom nahen Ebermannstadt aus verwaltet.

Grundsätzlich standen viele Offiziere der amerikanischen Militärverwaltung unmittelbar nach der Diktatur einer erneuten Politisierung Deutschlands skeptisch gegenüber. Dennoch versuchten sie so schnell wie möglich demokratische Strukturen aufzubauen und Wahlen abzuhalten, um die Verantwortung möglichst bald wieder in deutsche Hände legen zu können.

Nach ihrem Einmarsch in Deutschland setzten die US-Behörden Mandatsträger bis hinauf zum Ministerpräsidenten ein – und wenn sie wollten, gleich auch wieder ab. Das ging ganz schnell und formlos, wie etwa bei der Ablösung des bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer durch Wilhelm Hoegner am 28. September 1945. Auch auf lokaler Ebene waren Wechsel häufig. Im oberpfälzischen Detachment 275 (Burglengenfeld) blieb zwar Landrat Josef Winkler auch nach den ersten demokratischen Wahlen weiter auf seinem Posten, doch im benachbarten Schwandorf wechselten innerhalb eines Jahres neunmal der Bürgermeister.

Schon lange vor Kriegsende hatten sich die Amerikaner Gedanken darüber gemacht, wie es nach einem Sieg der Alliierten in Deutschland weitergehen sollte. Um die amerikanischen Soldaten auf ihre Tätigkeit im besetzten Deutschland vorzubereiten war bereits im April 1942 eine erste „School for Military Government“ an der Universität von Virginia in Charlottesville errichtet worden. Weitere ähnliche Einrichtungen folgten. Im amerikanischen Kriegsministerium wurden eigene Abteilungen gebildet, die später die Zivilverwaltung in Deutschland übernehmen und die „Reeducation“ Deutschlands vorantreiben sollten.

Die Amerikaner waren davon ausgegangen in Deutschland eine funktionierende Verwaltung übernehmen zu können. Doch entweder hatten viele Bürgermeister ihre Posten verlassen. Oder die Militärbehörden entfernten sie aus ihrem Amt: Im Landkreis Burglengenfeld zum Beispiel mussten zwischen dem 15. Mai und dem 15. August  1945 allein 41 Bürgermeister wegen früherer Parteizugehörigkeit zur NSDAP ihre Sachen packen. Auch leitende Beamte und zivile Beschäftigte der Verwaltungen, die vor dem 1. Mai 1937 der NSDAP beigetreten waren, hatten ab dem 1. Oktober 1945 bis zum Abschluss ihrer Entnazifizierungsverfahren ihre Posten zu räumen.

Die Potsdamer Konferenz der Siegermächte im August 1945 forderte die „endgültige Umgestaltung des deutschen politischen Lebens auf demokratischer Grundlage, um eine friedliche Mitarbeit Deutschlands am internationalen Leben“ vorzubereiten (Benz, Neuanfang, Seite 11). Grundsätzliches Ziel war also die Umwandlung Deutschlands in ein demokratisches System durch Entnazifizierung sowie Aufbau demokratischer Institutionen und der Zulassung demokratischer Parteien.

Erst am 14. August 1945 erfuhren die politischen Kräfte in Bayern zunächst informell, dass in Kürze mit der Wiederzulassung von politischen Parteien zu rechnen sei (Aktennotiz Bay.HSTA, Nachlass Pfeifer 142 = Fait, Demokratische Erneuerung Seite 75). Am 27. August erfolgte eine Direktive, die die Bildung politischer Parteien zunächst auf die örtliche bzw. Kreisebene beschränkte (ebd.). In den folgenden Wochen formierten sich zahlreiche lokale Parteiorganisationen auf Kreisebene Bis zum Jahresbeginn 1946 hatten sich in 120 von 164 Kreisen insgesamt 264 lokale Parteiorganisationen etabliert.

Den höchsten Organisationsgrad wies dabei die SPD mit 97 Kreisverbänden aus. Es folgten die KPD mit 76 und die CSU mit 53 Verbänden. Die übrigen Kreisverbände verteilten sich auf... (Alfred Wolfsteiner)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der November-Ausgabe von UNSER BAYERN (BSZ Nr. 47 vom 25. November 2016)

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