Wirtschaft

Suchen Unternehmen neue Mitarbeiter, fällt auf, dass nur 8 Prozent der Betriebe gezielt Arbeitnehmer über 50 Jahre ansprechen.(Foto: Bilderbox)

11.05.2012

Ältere Mitarbeiter sind für Unternehmen wichtig

Nur jedes zwölfte Unternehmen sucht gezielt nach Arbeitnehmern über 50 Jahre – In Bayern startet darum jetzt die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“

Ältere Mitarbeiter sind mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung von unschätzbarem Wert für die Unternehmen. Auch aus demografischen Gründen werden wir verstärkt ältere Mitarbeiter brauchen, schließlich laufen wir in Bayern bis 2015 auf eine Fachkräftelücke von rund einer halben Million Menschen zu“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., jetzt anlässlich der Unterzeichnung der Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ im bayerischen Sozialministerium.
Die Partner der Initiative (Sozialministerium, vbw, IHK, HWK, DGB und Bundesagentur für Arbeit) wollen Maßnahmen zur Förderung Älterer in der Berufswelt abstimmen. Dabei stehen sowohl die Anpassung bestehender Arbeitsbedingungen an alternde Belegschaften wie auch Maßnahmen zur Reintegration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsprozess im Fokus. Die Initiative will zudem bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern eine positive Einstellung gegenüber älteren Beschäftigten fördern.
Dies scheint auch dringend nötig zu sein. Denn laut einer aktuellen Studie des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Mercer und der Bertelsmann Stiftung sucht – trotz zahlreicher Appelle von Politik und Wirtschaftsverbänden – in Deutschland nur jedes zwölfte Unternehmen gezielt nach Arbeitnehmern über 50 Jahre. Auch nach der Umstellung auf die Rente mit 67 rechnet nur jede zweite befragte Firma künftig mit mehr Arbeitsplätzen für über 60-Jährige.
Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern fällt auf, dass nur 8 Prozent der Betriebe gezielt Arbeitnehmer über 50 Jahre ansprechen. Lediglich 8,3 Prozent suchen nach ausländischen Mitarbeitern. 15,4 Prozent der Unternehmen sprechen gezielt Frauen und 15,7 Prozent junge Menschen unter 30 Jahren an. 27,2 Prozent der Betriebe versprechen sich neue Mitarbeiter durch eine Kooperation mit Universitäten und immerhin 20,2 Prozent arbeiten bei der Rekrutierung mit den örtlichen Schulen zusammen.
Zwar erkennen viele Betriebe die durch den demographischen Wandel verursachten Probleme. An Lösungen mangelt es jedoch. So sieht jede zweite befragte Firma zwar die betrieblichen Konfliktpotenziale, die sich durch eine verändernde Altersstruktur abzeichnen. Die konsequente Förderung des Miteinanders verschiedener Generationen als Antwort darauf wird jedoch im Arbeitsalltag häufig vernachlässigt.


IHK-Demografierechner


Dem kann man aber entgegenwirken. „Voraussetzung für altersgerechte Arbeitplätze ist, dass die Unternehmen auch konkret wissen, wie sich der demografische Wandel auf ihre künftige Personalstruktur auswirken wird und welche Arbeitskräfte sie im Branchenvergleich deshalb in den kommen Jahren ersetzen müssen. Die IHKs haben daher mit dem IHK-Demografierechner Bayern ein kostenloses Analyseinstrument entwickelt, mit dem sich die Betriebe schnell ein Bild über die Entwicklung in ihrem Unternehmen machen können“, betont Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags.
Im bayerischen Handwerk setzt man derweil gezielt auf Weiterbildung und Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze. „Im Handwerk steht der Mensch im Mittelpunkt der Produktion. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräftemangels ist es daher unverzichtbar, dass es in unserem Wirtschaftsbereich gelingt, Knowhow und Erfahrung älterer Mitarbeiter für die Unternehmen zu erhalten“, betont Heinrich Traublinger (CSU), Präsident des Bayerischen Handwerkstags.
Dies scheinen auch die von Mercer befragten Unternehmen so zu sehen. Denn für 56 Prozent dieser Firmen stehen die „Erhaltung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit“ sowie die „Mitarbeiterentwicklung und Nachfolgeplanung“ im Vordergrund. Andererseits sind aber nur für ein Drittel der befragten Unternehmen der Aufbau und die Optimierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements vordringlich. Handlungsbedarf sehen die Betriebe eher bei den Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Förderung von Veränderungsbereitschaft bei Beschäftigten und Führungskräften.
Geeignete Maßnahmen, um den Herausforderungen des demographischen Wandels zu begegnen, scheitern nach Angaben der Befragten aus mehreren Gründen: 40 Prozent haben die Dringlichkeit des Themas noch nicht hinreichend erkannt, die Hälfte verfügt nicht über ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen, bei einem Drittel fehlen feste Verantwortlichkeiten für das Thema. Viele kennen die Auswirkungen des demographischen Wandels für ihr Unternehmen nicht. Mehr als ein Drittel der Unternehmen hat bisher keine Altersstrukturanalyse durchgeführt. Einige der Befragten konnten weder belastbare Zahlen zum Altersdurchschnitt, dem Anteil weiblicher Mitarbeiter oder der Auszubildenden benennen.
Laut vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt hätten die Unternehmen bei der Integration Älterer in den Arbeitsmarkt aber bereits viel erreicht: „Hier hat sich ein Mentalitätswandel vollzogen. Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen hat sich in Deutschland bis 2010 auf rund 57 Prozent erhöht. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als 2005 und sogar 20 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2000.“
In absoluten Zahlen heißt das Brossardt zufolge: Die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 55 bis 64 Jahren ist zwischen den Jahren 2000 und 2010 um 1,4 Millionen Personen gestiegen, von rund 4,3 Millionen im Jahr 2000 auf 5,7 Millionen 2010. „An diese gute Entwicklung wollen wir anknüpfen.“ Darum baut die bayerische Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ vor allem auf eine altersadäquate Arbeitsorganisation, gezielte Gesundheitsförderung, ein intensiviertes Gesundheitsmanagement sowie berufliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen.
Für Brossardt ist in diesem Zusammenhang auch die „Rente mit 67“ ein wesentlicher Baustein: „Wir müssen die Erfahrung und das Wissen älterer Mitarbeiter nutzen, so lange es geht. Schon aus diesem Grund darf an der Rente mit 67 nicht gerüttelt werden.“
Damit möglichst viele Unternehmen die Vorteile von älteren Mitarbeitern erkennen, soll in Bayern eine laufend aktualisierte Best-Practice-Sammlung veröffentlicht werden. „Sie soll den Unternehmen als Denkanstoß dienen, wie sie ihre Unternehmenskultur noch mehr am Menschen orientieren und das Engagement und die Arbeitsfreude der älteren Mitarbeiter fördern können. So helfen wir vor allem kleineren und mittleren Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben“, betont Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU).
(Ralph Schweinfurth)

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