Vier Prozent mehr Starts und Landungen in diesem und noch einmal so viele im kommenden Jahr: Der Münchner Flughafen kommt immer mehr an seine Kapazitätsgrenze. Das machte Michael Kerkloh, Geschäftsführer der Flughafen München GmbH (FMG), bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen des Airports im Münchner Presseclub deutlich. „2017 kommt der Deckel“, beschrieb Kerkloh das Ende der frei verfügbaren Slots (Zeitfenster) für Fluggesellschaften. Dann müssten neue Flugziele abgelehnt werden.
Gelang es noch, für den aktuellen Sommerflugplan die niederländisch-französische Airline Transavia mit vier Maschinen und rund 100 Flügen pro Woche am Münchner Flughafen zu integrieren, würde so etwas 2017 nicht mehr funktionieren. Laut FMG-Chef Kerkloh sei dann eine Neuansiedlung einer Fluggesellschaft mit in München stationierten Flugzeugen nicht mehr möglich.
Grünes Licht geben
Darum wird er auch nicht müde, auf den Bau der dritten Start- und Landebahn zu drängen. „Ich darf noch einmal in Erinnerung rufen, dass alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen für dieses Projekt seit Langem auf dem Tisch liegen und sämtliche Klagen der Ausbaugegner in allen Instanzen bis hin zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zurückgewiesen wurden. Wir haben also – elf Jahre nach dem Start des Projektes – ein bestandskräftiges Baurecht für die dritte Bahn und können mit der Umsetzung beginnen, wenn uns unsere Gesellschafter grünes Licht dafür geben“, so Kerkloh.
Schon heute könnten diverse Wünsche von Fluggesellschaften nicht mehr erfüllt werden. So ist es dem FMG-Chef zufolge nicht gelungen, eine dritte A380 von Emirates am Münchner Flughafen zu integrieren, weil der freie Slot von der Uhrzeit her so ungünstig lag, dass am Emirates-Drehkreuz in Dubai keine sinnvollen Anschlussflüge erreichbar waren. Ähnlich erging es einer kleineren Airline, die in den sogenannten Tagesrandzeiten – also morgens und abends – von München aus nach Bern fliegt. „Damit sich der Flieger in München betriebswirtschaftlich rechnet, müsste er über Mittag noch einmal fliegen“, so Kerkloh. Mit Lugano wäre auch ein entsprechendes Flugziel vorhanden gewesen. Doch es gab keinen Slot für die Lugano-Destination. Darum komme jetzt auch die Bern-Verbindung betriebswirtschaftlich in Bedrängnis und verschwinde schlimmstenfalls.
Kerkloh gibt sich aber optimistisch, dass sowohl die bayerische Staatsregierung als auch die Landeshauptstadt München als FMG-Gesellschafter grünes Licht für die dritte Bahn geben werden. „Eigentlich höre ich von allen, dass sie sie wollen. Es muss jetzt nur ein Weg gefunden werden, wie man mit dem Bürgerwillen umgeht“, so Kerkloh. Er betonte, dass es mit der dritten Bahn nicht darum gehe, die Nachfrage der nächsten drei Jahre zu befriedigen, sondern „eine Tür für die nächsten 30 Jahre“ aufzustoßen. Denn die Generation Facebook wolle ihre Freunde in aller Welt auch einmal real besuchen. Dafür brauche man Flugverbindungen. Sämtliche Prognosen zeigen dem FMG-Chef zufolge auf ein weltweit weiter stark steigendes Flugverkehrsaufkommen. Dem gelte es Rechnung zu tragen. Die Türken würden das mit dem Bau des neuen Istanbuler Großflughafens tun.
Stolz auf den Satelliten
Kerkloh unterstrich auch, dass der Münchner Airport auf ein ebenso ereignis- wie erfolgreiches erstes Halbjahr zurückblickt: „Vor elf Wochen, am 26. April 2016, haben wir mit der Inbetriebnahme des neuen Satellitenterminals ein neues Kapitel in der Entwicklungsgeschichte unseres Münchner Flughafens aufgeschlagen.“ Das auf dem östlichen Vorfeld des Flughafens realisierte erste deutsche „Midfield-Terminal“ ist durch ein vollautomatisches Personen-Transport-System mit dem Terminal 2 des Airports verbunden. In dem neuen Satelliten, der über 27 gebäudenahe Flugzeugabstellpositionen verfügt, können bei Vollauslastung jährlich bis zu elf Millionen Passagiere abgefertigt werden. Dieses größte Ausbauvorhaben der letzten 14 Jahre, das im Rahmen der strategischen Partnerschaft der FMG mit der Deutschen Lufthansa als Joint Venture gemeinsam geplant und realisiert wurde, konnte im gesetzten Zeit- und Kostenrahmen erfolgreich abgeschlossen werden. „Darauf sind wir wirklich stolz“, so Kerkloh.
Von ein paar kleineren Kinderkrankheiten abgesehen, sei der Start des Satelliten erstaunlich reibungslos verlaufen. Inzwischen habe die FMG in dem neuen Passagiergebäude bereits rund 1,6 Millionen Fluggäste abgefertigt. „Nachdem wir den Satelliten zunächst langsam hochgefahren haben, nutzen wir seit Anfang Juli die volle Kapazität des Gebäudes aus. Das bedeutet, dass wir gegenwärtig täglich etwa 30 000 ankommende und abfliegende Reisende in unserem Midfield-Terminal haben, die sich auf bis zu 240 Flüge verteilen“, erklärte Kerkloh.
Das von der Lufthansa und dem Münchner Flughafen anvisierte Ziel, das Drehkreuz München mit dem Satellitenterminal quantitativ und auch qualitativ zu stärken, sei offenbar erreicht worden. München halte damit seinen hohen Servicestandard als erster und bisher einziger Five-Star-Airport Europas. Insgesamt gibt es laut Kerkloh nur fünf dieser Five-Star-Airports. Die anderen sind in Hong Kong, Seoul, Singapur und Tokio.
Natürlich werde das neue Satellitenterminal auch die „Jobmaschine Flughafen“ weiter ankurbeln. „In unserer neuen Beschäftigungsstudie konnte sich dies allerdings noch nicht niederschlagen, denn der Stichtag für diese Erhebung war der 31. Dezember 2015“, so Kerkloh. Die FMG führt diese Untersuchungen bereits seit 1994 im Drei-Jahres-Rhythmus durch, um festzustellen, wie sich die Beschäftigung am Flughafen München entwickelt. „Die jetzt vorliegende neue Studie macht sehr deutlich: Der Münchner Flughafen ist und bleibt angesichts seines weiterhin dynamisch wachsenden Personalbedarfs eine leistungsstarke Lokomotive für Konjunktur und Beschäftigung“, so der Flughafenchef. „Und wir können nicht umziehen, nach Rumänien oder so“, scherzte Kerkloh. Seine enorme Bedeutung für den bayerischen Arbeitsmarkt verdanke der Airport nicht nur der Vielzahl und Vielfalt der hier angesiedelten Beschäftigungsverhältnisse, sondern auch der hohen Qualität und überdurchschnittlichen Bezahlung, durch die sich die Arbeit am Flughafen auszeichnet.
Mehr als 34.720 Mitarbeiter
Wie die Befragung der insgesamt 550 am Flughafen München tätigen Unternehmen und Behörden ergab, ist das Stellenangebot des Flughafens abermals deutlich gewachsen. Die Zahl der Beschäftigten stieg gegenüber der letzten, vor drei Jahren veröffentlichten Untersuchung um fast 2500 auf nunmehr 34.720 Mitarbeiter. „Rein statistisch betrachtet, sind damit in den letzten drei Jahren täglich zweieinviertel neue Jobs am Münchner Flughafen geschaffen worden“, so Kerkloh.
Durch die Jobmaschine Flughafen würden auch die Heimatgemeinden der Flughafenbeschäftigten via Steueraufkommen und Kaufkraft der Mitarbeiter profitieren. Von den mehr als 1,6 Milliarden Euro an Bruttolöhnen am Münchner Flughafen in 2015 flossen rund 263 Millionen Euro als Lohnsteuer an den Fiskus und 257 Millionen Euro als Arbeitnehmerbeiträge in die Sozialversicherung. Auch die Arbeitgeber trugen mit ihren Beiträgen von rund 263 Millionen Euro zur Finanzierung der Sozialkassen bei.
(Ralph Schweinfurth)
Kommentare (3)