Wirtschaft

11.05.2012

Rohstoffe sind Mehrwert

Deutsch-Russische Konferenz in Nürnberg geriet zur Gazprom-Werbeschau

Die Hauptsorge der EU-Kommission: Es wird zu wenig in die Energie investiert. Von Forschung bis Effizienz: Von vorne bis hinten fehlt es überall an Investitionen. Ob die Kollegen des deutschen EU-Energiekommissar Günther Oettinger dieses Bewusstsein genauso teilen wie die Besucher der 5. Deutsch-Russischen Rohstoffkonferenz vor Kurzem in Nürnberg?
Vor allem bei den Besuchern aus Osteuropa fand der Kommissar offene Ohren, versprach er doch: „Russland bleibt der wichtigste Rohstoff-Partner als Käufer und Verkäufer.“ Wobei Oettinger damit zwar auch Seltene Erden und Metalle, speziell aber Erdgas meinte. „Die USA haben jetzt Gasschiefer. Doch die Franzosen lehnen die Technik ab, und die Deutschen zieren sich.“ Kein Wunder also, dass Russland auch künftig Westeuropas wichtigste Erdgas Zapfsäule bleiben soll. Und deshalb werden die Manager der russischen Gasproduzenten im Westen und speziell in Deutschland heftig hofiert.
Kein Wunder, dass die Nürnberger Veranstaltung zeitweise einer Gazprom-Werbeschau ähnelte. So empfiehlt Anatoly Yanovsky, der Stellvertretende Energieminister, einerseits seinen Landsleuten: „Es ist außerordentlich wichtig, Rohstoffe selbst sparsam zu verbrauchen. Wir hoffen auf Veränderungen im Bewusstsein der Verbraucher.“ Andererseits erhofft er sich von den Westeuropäern durch „die Zusammenarbeit im Leuchtturmprojekt North Stream das Ausnutzen noch bedeutender Reserven“, sprich mehr Gasabnahme, aber „auch um das Erbringen von Dienstleistungen für Rohstoffe“.
North Stream, die zweite Gasleitung von Ost nach West an Polen vorbei sei „von Europäischer Bedeutung: Direkte Lieferungen sind möglich“. Aber Yanovsky versprach auch „gegenseitig vorteilhafte Projekte“. Doch diese müssten „zur systemischen Erhöhung der Bedeutung des russischen Rohstoffaspekts führen“.


Offene Ohren bei Bayerns Staatsregierung

Bei Bayerns Staatsregierung fand er damit offene Ohren. „Es fehlen Metalle und andere Rohstoffe in ausreichender Menge. Wir müssen als Politik an der Rohstoffsicherung arbeiten. Im Freistaat gibt es eine interministerielle Arbeitsgruppe der Regierung dazu“, berichtete Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Doch er stellte gleichzeitig klar: „Rohstoffsicherung ist Aufgabe der Wirtschaft selbst“, die Politik könne nur unterstützen.
Zeils Parteifreundin Cornelia Pieper hob hervor: „Russland bleibt Rohstoffpartner Nummer eins.“ Doch auch sie meinte damit vor allem „ein Drittel des Importvolumens: 75 Milliarden Kubikmeter Gasimporte aus Russland“. Auch wenn „andere Rohstoffe Seite an Seite mit Energie gesehen werden sollten“, wie die deutsche Außenamts-Staatsministerin ergänzte. Bei so viel Hoffnung auf russische Gasliebe klang es fast schon etwas despektierlich, dass Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) „Deutschland als Technologiepartner für Energieeinsparung, Rohstoffeinsparung, Aufschlusstechnologien“ empfahl. Denn in Zeiten „zwingend abzusehender Rohstoff- und Energieverknappung“ ist es nach Hubers Meinung eine „ideale Konstellation für Deutschland und Russland, gemeinsam voranzugehen“.
Zumindest bei Gazprom-Manager Sergey Komlev fand er damit kein Gehör. Der machte sich nur Gedanken darüber, was „Gazprom dazu beitragen könnte, dass die EU das Problem des CO2-Ausstoßes lösen kann?“ Das Weißbuch der EU-Kommission zur CO2-Reduktion nannte er gleich einen „Beweis für die Hilflosigkeit der Autoren“, denn „die Möglichkeiten der Substitution von Öl- durch Gasprodukte ist kaum in Betracht gezogen worden“. Gas-Lkw und -Schiffe sollten deshalb schnellstens entwickelt werden. Und natürlich mit Treibstoff seiner Firma fahren.
Für den Nachmittags-Moderator, Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber war „das Programm effizient und sehr dicht, wie ich aus Rückmeldungen erfahren habe“. Doch Stefan Albat von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft wagte einzuwerfen: „Der Unternehmer wird er-schlagen von der Vielfalt der Angebote. Wir müssen mehr Transparenz schaffen, wie die Rohstoffsicherung in Deutschland läuft.“ Und außerdem sei „auf der Teilnehmerliste kaum mittelständische Wirtschaft vertreten“, kritisierte Albat.
Auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium gab es kritische Töne. Dessen Staatssekretär Stefan Kapferer mahnte, sich nicht in einseitige Abhängigkeit zu begeben: „Heute kann Russland noch etwas verkaufen, weil es selbst wenig verbraucht. Doch bald werden auch dort neue Technologien gebraucht.“
Damit ist der Beamte auf einer Linie mit Klaus Töpfer. Der Ex-Bundesumweltminister empfindet „Kreislaufwirtschaft als begriffene Notwendigkeit“. Doch weder das Wiederverwenden von Rohstoffen noch „Urban Mining“, das Nutzen wieder vergrabener (Edel-)Metalle spielten in Nürnberg wirklich eine Rolle.
(Heinz Wraneschitz)

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